Peter Frankopan: Die neuen Seidenstraßen © Rowohlt
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Sachbuch - Peter Frankopan: "Die neuen Seidenstraßen"

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Die Seidenstraßen waren die Lebensadern der Welt. Entlang ihrer Route wurden nicht nur gehandelt. Die asiatischen Staaten investieren derzeit Milliarden, um "Die neuen Seidenstraßen" zu errichten. Was bedeutet das für den Westen?

Der Oxford-Professor für Globalgeschichte Peter Frankopan verdeutlicht: Die chinesische Seidenstraßeninitiative ist das größte Infrastruktur- und Handelsprojekt der Geschichte. 120 Länder sind daranbeteiligt, einen Handelsweg von China nach Europa zu etablieren und eine Schifffahrtsroute. Alte Handelsverbindungen zwischen Ost und West sollen wiederbelebt werden. Handelswege, die früher die Vormachtstellung Chinas gesichert haben, werden mit vielen Strukturprojekten und riesigen Investitionen neu eröffnet. Frankopan zeigt: Ja, es gibt auch Rückschläge, aber insgesamt ist die Wucht des asiatischen Jahrhunderts nicht mehr zu stoppen.

Derweil ist der Westen uneins. Die amerikanische Politik skizziert Frankopan als unstet, nicht berechenbar und nicht mit Partnern abgestimmt. Der von Trump entfachte Handelskonflikt mit China beschleunigt die Aktivitäten Pekings eher noch.

Die Europäer sieht Frankopan derzeit als unfähig an, auf gemeinsame Antworten zu kommen. Sie sind - sagt er - zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Ergo: Den Westen als handlungsfähige Einheit gibt es derzeit nicht. In Frankopans Augen ist er fragmentiert und in Teilen ja schon fester Partner der Seidenstraßeninitiative.

Peter Frankopan hat einen schwungvollen politischen Essay geschrieben, weniger ein Beitrag zur Wissenschaft als vielmehr ein Weckruf. Er zeigt, wie rasant sich die Gewichte in der Welt verschieben:

"Die wirklich relevanten Entscheidungen in der heutigen Welt werden nicht - wie vor hundert Jahren - in Paris, London, Berlin oder Rom getroffen, sondern in Peking und Moskau, Teheran und Riad, Delhi und Islamabad, in Kabul und in den von den Taliban kontrollierten Gebieten Afghanistans, in Ankara, Damaskus und Jerusalem. Die Welt der Vergangenheit wurde durch das Geschehen an der Seidenstraße geprägt. Das wird auch in Zukunft wieder so sein."

Um den Einfluss Asiens zu demonstrieren, schmückt Frankopan sein Buch mit vielen Details, wie z. B., dass etliche berühmte Bordeaux-Weingüter heute chinesischen Prominenten gehören, die ihnen dann phantasievolle Namen wie "Chateau Tibetische Antilope" oder "Chateau goldener Hase" geben. In England sind Prestigekaufhäuser wie Harrods umd Hamleys, verschiedene Zeitungshäuser und diverse Fußballclubs, in New York die Hotels Waldorf Astoria und Plaza jetzt in chinesischer, russischer oder arabischer Hand. Und ein Ende der Seidenstraße befindet sich nach 11.000 km Bahnstrecke im größten europäischen Binnenhafen, in Duisburg.

Handel und wirtschaftlicher Austausch zum beiderseitigen Nutzen bleiben sinnvoll. Allerdings steht der asiatischen Wucht ein zersplitterter Westen gegenüber, der nicht mehr zu gemeinsamer Handlung in der Lage scheint. Frankopan zitiert Henry Kissinger, der von einer "sehr, sehr ernsten Epoche" spricht. Wie werden wir in wenigen Jahren mit einer neuen Weltvormacht auskommen, die durch eine starken, staatlich gelenkten Kapitalismus und weitgehende Abwesenheit von Demokratie gekennzeichnet ist?

Eckhard Stuff, rbbKultur

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