Deborah Levy: Was das Leben kostet © Hoffmann und Campe
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Autobiografie - Deborah Levy: “Was das Leben kostet“

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Wie man sich wieder zusammensetzt, wenn sich alles aufgelöst hat: die autobiografische Geschichte eines Neuanfangs

Seit einigen Jahren schreibt Deborah Levy an einer Trilogie, dessen Genre sie "living autobiography“ nennt. 2015 erschien der erste Band “Was ich nicht wissen will“, in dem sie von ihrer Kindheit in Südafrika erzählt, jetzt ist der zweite Band da: “Was das Leben kostet“. Als sie nach der Trennung von ihrem Mann auszieht und in eine kleinere Wohnung zieht, bietet ihr eine Freundin den Schuppen im Garten zum Schreiben an. “Dort begann ich, in der ersten Person zu schreiben, ein Ich zu verwenden, das mir nahesteht, das ich aber nicht bin.“ Deborah Levys Werk beschreibt eine Vorwärtsbewegung zu sich selbst, über die dritte Person erreicht sie die erste Person, und mittlerweile ist sie bei einem “Ich“ gelandet, mit dem sie tatsächlich sich selbst meint.

Was heißt es, ein selbstbestimmtes Leben zu führen?

Über Trennungen und Neuanfänge haben schon viele geschrieben, aber Deborah Levy hat einen sehr besonderen Stil: lakonisch, klar, analytisch. Sätze, die ins Schwarze treffen. Als ihre Perlenkette reißt, als sie ihre Einkäufe vom Fahrrad hebt, schreibt sie, die Kette “sei stellvertretend für mich auf dem Parkplatz vor meinem Wohnblock explodiert“. Oder wie sie mit ihrem neuen E-Bike durch Londons Straßen heizt, im Geschwindigkeitsrausch, aufbrausend gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern, ein Kampframbo: “Eine große Restwut aus meinem alten Leben entlud sich auf der Straße.“

“Der symbolische Schutz“, schreibt sie, den die Ehe ihr geboten hatte, sei vorbei. Sie ist um die fünfzig, verlässt das gemeinsame Haus, die ältere Tochter zieht aus, die Mutter liegt im Sterben. Aber es gibt auch etwas, das ihr am Chaos, am Ausgeliefertsein, am Schutzlosen gefällt – sie nähert sich der Person an, die sie gerne wäre. Es sind schmerzhafte Einschnitte, aber eben auch ein Anlass, um ganz neu nachzudenken. Was heißt es, ein sinnreiches, erfülltes, selbstbestimmtes Leben zu führen? Wie setzt man sich wieder zusammen, wenn sich alles auflöst? Was kosten Unabhängigkeit und Freiheit?

Wie forscht man nach den eigenen Wünschen?

Und sie denkt über Rollenbilder nach, über die Rolle der Frau, die immer noch oft zur “Architektin des Wohls anderer“ wird. Levy beobachtet: Viele moderne starke Frauen, die für alle ein Heim geschaffen hatten, fühlen sich selbst dann dort nicht zu Hause. Sie berichtet vom Erwartungsdruck, dass Frauen nach einer Trennung mit brutalem Selbsthass reagieren, mit vernunftraubendem Leiden, mit Tränen der Reue. Sie bezieht sich auf Simone de Beauvoir und Marguerite Duras, und denkt deren feministische Analysen weiter in die Gegenwart. “Was das Leben kostet“ ist die Geschichte einer Frau, die nicht mehr mit der Gesellschaft verheiratet ist, die sich nicht kleinmacht, die nach den eigenen Wünschen forscht. Und dennoch nicht in blinden Männerhass abdriftet, sondern im Gegenteil auch das Dilemma moderner Männer beschreibt.

Es ist erstaunlich, wie viel hier auf wenigen Seiten angetickt wird. Das ist dicht, aber nicht so kondensiert, dass es nicht mehr literarisch wäre, viele Sätze möchte man unterstreichen. “Wörter müssen den Geist öffnen“, schreibt sie an einer Stelle. Genau das tut diese ehrliche, direkte Prosa.

Anne-Dore Krohn, rbbKultur

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