Barbara Pym: Vortreffliche Frauen; Montage: rbbKultur
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Roman - Barbara Pym: "Vortreffliche Frauen"

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Die englische Autorin Barbara Pym wird nach 70 Jahren wiederentdeckt -mit einem brillanten und komischen Roman über lebenspraktische Frauen.

Jeder kennt diese Frauen, die zuverlässig und kompetent den Alltag anderer bewältigen. Vorzugsweise den ihrer Ehemänner, aber auch, so sie keinen solchen haben, den der Nachbarn, Freunde, Kollegen und Bedürftigen. Diesen Frauen hat Barbara Pym mit ihrem Roman "Excellent Women" von 1951 ein Denkmal gesetzt. Womit ganz und gar nichts Monumentales gemeint ist.

Eine fromme alte Jungfer

Das Leben der etwas über 30jährigen Mildred eignet sich nicht für Denkmäler. Sie ist nach damaligen Begriffen eine alte Jungfer, arbeitet halbtags in einer Stiftung für bedürftige Damen, trifft ab und zu einen ehemaligen, zwanghaft verfressenen Verehrer und ihre biestige Lehrerfreundin und ist ansonsten vor allem in ihrer Kirchengemeinde aktiv.

Ihre besten Freunde sind der Pfarrer, der als Geistlicher der anglikanischen Hochkirche zum freiwilligen Zölibat neigt, und seine psychisch labile Schwester. Mildred ist wohl das, was man zur Zeit, als das Buch entstand, vor 70 Jahren also, eine Kanzelschwalbe nannte. Eine ganz und gar unspektakuläre Person also.

Im London der Nachkriegszeit

Durch die Augen dieser Frau lässt Barbara Pym (1913 – 1980) ihre Leser auf das London der 40er Jahre blicken: Die Trümmer, die Lebensmittelknappheit, der Mangel an Wohnraum und die Rückkehr der letzten Soldaten ins Zivilleben. Aber auch die Rückkehr der Normalität und der Lebensfreude.

So muss auch Mildred sich plötzlich ihr Haus (und das Badezimmer!) mit einem charmanten Marineoffizier und seiner attraktiven Anthropologen-Gattin teilen – und damit wird eine Handlung in Gang gesetzt, die Mildreds Alltag immer mehr mit Alkohol, Wissenschaft und Erotik anreichert. Dazu kommt, dass ihr Pfarrer sich plötzlich mit einer hübschen Witwe verlobt und das Gemeindeleben aus den Fugen gerät.

Mit abgrundtiefer Ironie

Barbara Pym erzählt das alles mit großer sprachlichen Eleganz und abgrundtiefer Ironie. Leider ist die Lakonie des Englischen mit seinen vielen Deutungsmöglichkeiten eines einzigen schlichten Satzes ins Deutsche kaum übertragbar. Dennoch: Die Dialoge – etwas zwischen Mildred und einem sozial inkompetenten Anthropologen oder zwischen Mildred und dem charmanten Marineoffizier – sind so realitätsnah und so umwerfend komisch, dass ich beim Lesen andauernd lachen musste. Das alltägliche Miteinander der Geschlechter hat in Pyms Schilderung eben auch nach siebzig Jahren noch einen starken Wiedererkennungswert.

Dreizehn Romane hat diese lange unterschätzte Autorin geschrieben; nach ihrem ersten großen Erfolg mit Excellent Women  blieb es fast zwanzig Jahre ziemlich still um sie: Ganz zu Unrecht wurde damals ihre Kunst, aus dem Alltag feine, hoch fliegende Funken zu schlagen, nicht bemerkt und ihre realistische Wahrnehmung für trivial gehalten. Erst in den 1970er Jahren wurde sie wiederentdeckt und für den Bo­oker Prize nominiert. Es ist zu hoffen, dass nun auch mehr von ihrem Werk neu ins Deutsche übersetzt wird.

Katharina Döbler, rbbKultur

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