Bernd Asmus / Claus-Steffen Mahnkopf / Johannes Menke: Schlüsselwerke der Musik © Wolke
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Kompendium - Bernd Asmus / Claus-Steffen Mahnkopf / Johannes Menke: "Schlüsselwerke der Musik"

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Ein Kompendium bedeutender Werke der klassischen Musik, brillant geschrieben – und eine Fundgrube an Entdeckungen. Ein Buch, das Lust macht auf die klassische Musik und ihre Komponisten.

Was ist überhaupt ein Schlüsselwerk? Die Autoren des Buches definieren dies als ein Werk, das das Verständnis etlicher anderer Werke erleichtert und eröffnet, also über sich selbst hinausweist und mitunter sogar eine ganze Epoche prägen kann.

Dieses Prinzip ist in der Auswahl deutlich zu erkennen. Die Bekanntheit ist nicht unbedingt ein Kriterium. So fehlt etwa die "Kleine Nachtmusik" von Mozart, dafür ist Mozarts sehr viel seltener gespieltes Streichquintett in g-Moll aufgeführt – zurecht als ein nicht nur im Schaffen des Komponisten zentrales Werk, sondern Musik, die die Entwicklung der Kammermusik geprägt hat und sogar schon in die Romantik vorausweist.

Eine Seite pro Werk

Die aufgeführten Werke sind chronologisch angeordnet nach dem Geburtsjahr des jeweiligen Komponisten. Jedes Stück erhält in der Regel eine Seite. Sie beginnt mit dem Komponistennamen, darunter folgt meist die Nationalität, dann das Werk selbst mit Aufführungsdauer.

Eine Besonderheit ist ein kurzer Schlagwortsatz zur Einordnung. Bei Mozarts Klarinettenkonzert heißt es "Instrumentalkonzert in Vollendung", bei Bachs "Wohltemperiertem Klavier": "Sammlung von Präludien und Fugen in allen Dur- und Molltonarten, zwei Bände". Das ist eine meist schlüssige, knappe Einordnung, die aber auch schon andeutet, warum das Stück als Schlüsselwerk ausgewählt wurde.

Darauf folgt die Werkbeschreibung selbst, auch mit einigen Details zum Komponisten. Abschließend werden einige weitere Werke des Komponisten aufgezählt, und man erhält einige Literaturempfehlungen. Das alles auf einer Seite!

Über eintausend Jahre Musikgeschichte

Dabei ging es den Autoren offensichtlich darum, die abendländische Musikgeschichte möglichst breit abzubilden: über eintausend Jahre sind erfasst. Das beginnt mit den ersten mehrstimmigen Stücken zwischen 900 und 1200 und endet bei der Komponistin Unsuk Chin, Jahrgang 1961.

Um dies möglichst kompetent auswählen und beschreiben zu können, haben hier drei Autoren mit durchaus unterschiedlichen Schwerpunkten zusammengefunden. So unterrichtet Johannes Menke u. a. Theorie der Alten Musik und ist in den Artikeln im Bereich Mittelalter und Renaissance verstärkt vertreten. Claus-Steffen Mahnkopf ist selbst Komponist – er hat sich eher um die Moderne gekümmert.

Brillant geschrieben

Natürlich kann man in einer Beschränkung dieses Umfangs Gipfelwerke von größter Komplexität wie etwa Bachs h-Moll-Messe oder Wagners "Ring"-Tetralogie nicht ansatzweise ausloten. Darum geht es hier auch gar nicht. Das Buch will eine erste Orientierung bieten und jeweils ein bis zwei wesentliche Aspekte benennen. Wer mehr wissen will, findet ohnehin genug Literatur, auch meist schon mal schnell im Netz.

Das quantitativ so Wenige jedoch ist so prägnant formuliert, dass es der Musik erstaunlich nahekommt. Faszinierend etwa in gerade einmal achtzehn Zeilen über die 32 Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven – über die meterweise Literatur verfügbar ist. Man erhält einen Überblick, die wichtigsten Sonaten sind erwähnt, und man erfährt etwas über die Bedeutung für die Gattung, über die zentrale Stellung in Beethovens Leben und Schaffen. Und so sind die meisten Kurztexte so brillant geschrieben, dass tatsächlich ein Eindruck über die Musik entsteht.

Nichts Elitäres

Natürlich kann man bei "nur" 268 Werken immer etwas finden, das einem fehlt. Warum die zehnte Sinfonie von Mahler und nicht dessen Neunte? Warum Mozarts Oper "Le nozze di Figaro", aber nicht dessen "Don Giovanni"? Eine solche Diskussion wäre aber müßig. Die Autoren schreiben selbst zutreffend, dass jede Auswahl nur subjektiv sein kann. In einem Aufsatz im Anhang finden sich dann etliche der ausgelassenen Komponisten mit ihren Werken …

Dabei ist das Buch erstaunlich verständlich auch für Laien geschrieben. Zur Sicherheit gibt es am Ende ein Glossar, in dem man nachlesen kann, was etwa eine Synkope oder die Gattung Opera buffa ist, wenn man es nicht weiß. Man kann dieses Buch getrost jedem Einsteiger empfehlen, und wer die Musik dann auch hören möchte – fast alle Werke sind so ausgewählt, dass man sie leicht im Netz als Audio finden kann.

Ein Buch, das gleichermaßen kompetent wie anregend und Lust machend geschrieben ist. Das Motto findet man gleich als ersten Satz: "‘Klassische Musik‘ ist heute nichts Elitäres mehr." Dem kann man nur zustimmen.

Andreas Göbel, rbbKultur

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