Bodo V. Hechelhammer: Spion ohne Grenzen; Montage: rbbKultur
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Sachbuch - Bodo V. Hechelhammer: "Spion ohne Grenzen"

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Heinz Felfe war bis 1945 als SS-Obersturmführer im Sicherheitsdienst tätig, unterwanderte danach als V-Mann von MI6 und dem Vorläufer des BND kommunistische Organisationen, um sich 1951 vom KGB anwerben zu lassen. In "Spion ohne Grenzen" widmet sich der Historiker Bodo V. Hechelhammer der Geschichte des "Maulwurfs" Heinz Felfe.

Heinz Felfe war der wohl bedeutendste Spion in der frühen Geschichte der Bundesrepublik.
Als er im November 1961 enttarnt und verhaftet wurde, hatte er rund ein Jahrzehnt den
Bundesnachrichtendienst und seine Vorläuferorganisation von innen heraus ausspioniert
und seine Ergebnisse regelmäßig an den KGB weitergegeben. Er hat über 100 Agenten
westlicher Dienste ebenso verraten wie Operationen und Quellen der Dienste.

Felfe war der Top-Spion des KGB in der Bundesrepublik, und im Bundesnachrichtendienst wurde er
ausgerechnet Chef der "Gegenspionage Sowjetunion". Das nennt man wohl "den Bock zum
Gärtner machen".

Von Hitler zu Stalin

Das alles böte Stoff für mehrere Thriller. Doch das ist nicht der Ton von Bodo Hechelhammer. Er schreibt sachlich, manchmal altbacken, aber was er darstellt hat Substanz. Als Chefhistoriker des BND genießt er den schnellen Zugang zu wichtigen Quellen. Auch so wird ein abenteuerlicher Lebensweg deutlich: Am Ende des Zweiten Weltkriegs ist Heinz Felfe SS-Obersturmführer im Sicherheitsdienst, zuletzt eingesetzt in den Niederlanden.

Danach verdingt er sich als V-Mann für den britischen MI6 und die Organisation Gehlen, den Vorläufer des BND. Sein Auftrag: Unterwanderung westdeutscher kommunistischer Organisationen. 1951 wird er dann vom sowjetischen Ministerium für Staatssicherheit angeworben, um nur wenig später eine Festanstellung bei dem Vorläufer des BND zu erhalten.

Hechelhammer sieht keine politischen Motive für Felfes Doppelagentenleben. Er verweist aber auf die prekäre finanzielle Situation von Heinz Felfe, der eine junge, wachsende Familie zu ernähren hatte. Heinz Felfe hatte keine Probleme, erst für Hitler und dann für Stalin zu arbeiten. Und im BND wiederum war seine NS-Vergangenheit nicht ungewöhnlich.

Flottes Leben in der DDR

1963 wurde Heinz Felfe zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt, aber schon 1969 gegen immerhin 21 politische Gefangene der DDR ausgetauscht. Seine Familie zerbrach, die Ehe wurde geschieden. In der DDR führte Felfe dann allerdings ein vergleichsweise luxuriöses Leben: ein Haus und ein teures Westauto, alles auf Weisung des KGB und auf Kosten der DDR, wie Hechelhammer schreibt.

Schließlich wurde er auch noch zum Professor für Kriminalistik an der Humboldt-Universität ernannt und schrieb auf Anordnung von Moskau seine Momoiren. Er starb am 8. (!) Mai 2008 im Alter von 90 Jahren in seinem Haus in Weißensee.

Eine graue Maus?

Wenn etwas an Heinz Felfe verblüfft, dann, dass er – oberflächlich betrachtet – eher unscheinbar war. Fleißig, strebsam, ehrgeizig – aber insgesamt eine graue Maus. Das war wohl auch seine beste Tarnung. So etwas wie Loyalität entwickelte er am ehesten für den KGB, der ihn gut versorgte und ihm bis heute mit einem Ehrenplatz im Moskauer KGB-Museum auszeichnet.

Eckhard Stuff, rbbKultur

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