Miku Sophie Kühmel: Kintsugi; Montage: rbbKultur
S. Fischer
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Roman - Miku Sophie Kühmel: "Kintsugi"

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"Kintsugi" heißt eine japanische Technik, mit der man zerbrochenes Geschirr so reparieren kann, dass die Brüche zwar sichtbar bleiben, aber trotzdem schön aussehen. "Kintsugi" heißt auch der Debütroman der jungen Autorin Miku Sophie Kühmel. Und darin geht es um die Brüche in den Beziehungen von vier Menschen.

Das Buch kommt mit einigen Vorschusslorbeeren daher – und einem hochtrabenden Vergleich. Die Jury des Jürgen-Ponto-Preises hat kürzlich Ähnlichkeiten mit Goethes "Wahlverwandtschaften" hervorgehoben. Doch nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich, und nicht immer, wenn in einem Roman vier Personen aufeinandertreffen, muss man gleich von Goethes "Wahlverwandtschaften" reden.

Freilich steht zu befürchten, dass Miku Sophie Kühmel genau diesen Vergleich im Blick hatte, dass ihre Idee exakt darin bestand, die Konstellation der "Wahlverwandtschaften" auf die Verhältnisse und ausdifferenzierten Geschlechterrollen von heute umzuschreiben. Was ja eigentlich eine gute Idee ist – wenn's denn gelingt.

Mit der urban-alternativen Bourgeoisie in die Uckermark

Wie einst bei Goethe wird ein Paar um einen reifen Mann und eine junge Frau zum Kleeblatt ergänzt. Die Charlotte und der Eduard von "Kintsugi" heißen Max und Reik und sind ein homosexuelles Paar aus Berlin. Die beiden leben sind seit Jahrzehnten zusammen und sind arrivierte Gestalten der urban-alternativen Bourgeoisie – oder auch Boheme, wie man's nimmt.

Reik ist ein international erfolgreicher bildender Künstler. Max hat eine Professur für Archäologie inne und hadert damit, dass er immer die Anlaufstelle für die Stimmungen seines zwar vitalen, aber von Zweifeln geplagten Partners ist, für dessen Kunst er sich nicht wirklich interessiert.

Viel lieber sucht Max Frieden in fernöstlicher Weisheit, im Zen, im Feng-Shui, in einer peniblen Ordnung, die er auch dem chaotischen Reik aufzwingt. Jetzt wollen Max und Reik ein paar Tage in ihrem Wochenendhaus in der Uckermark verbringen, standesgemäß zwischen Nadelbäumen und Seeufer lokalisiert.

Verfrühter Aufbruch in fremde Lebenswelten

Ein Jugendfreund von Reik und dessen junge, erwachsene Tochter komplettieren die Ferienhausrunde. Alle vier Figuren haben eine je eigene, sorgfältig erdachte Vorgeschichte und ein subtiles Innenleben mitbekommen, das sie jetzt reihum auf dem Silbertablett darreichen. Letztlich versackt das schlanke psychologische Kammerspiel, das Kühmel wohl vorgeschwebt hat, in der schieren Überfülle solcher Informationen.

Auch Goethe kochte nur mit Wasser. Aber "Die Wahlverwandtschaften" sind ein ungemein ausgefeilter Roman mit einer wunderbar federnden, transparenten Sprache. In "Kintsugi" wimmelt es hingegen von Stilblüten, affektierten Verben, geschwätzigen Bandwurmsätzen. Auch in emotionaler Hinsicht wirkt vieles ausgedacht und unerlebt.

Einem Debüt mag man manches verzeihen. Aber es gibt gute Gründe, warum junge Autoren normalerweise gut daran tun, aus ihrer eigenen Empfindungswelt zu berichten, ehe sie in fremde Lebenswelten aufbrechen. Es gibt Ausnahmen, doch "Kintsugi" zählt nicht dazu.

Lieber mit Romy Schneider am Swimmingpool

Besser als der Vergleich mit den "Wahlverwandtschaften" passt ein anderer, den Miku Sophie Kühmel selbst herstellt – mit einem Hinweis auf den französischen Regie-Routinier Jacques Deray. Dessen Film "Der Swimmingpool" bot 1969 auch so eine Vierpersonenkonstellation, war mit Romy Schneider und Alain Delon hochklassig besetzt, dümpelte aber eher vor sich hin und bot mehr Oberflächenreize als innere Werte. So ist das hier leider auch.

Steffen Jacobs, rbbKultur

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