Rachel Cusk: Lebenswerk © Suhrkamp
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Roman - Rachel Cusk: "Lebenswerk"

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Für ein Lebenswerk kann man ausgezeichnet werden. Außerordentliche Leistungen in der Kunst, der Literatur, der Wissenschaft, werden mit Preisen belohnt. Mit "Lebenswerk" meint die in Kanada geborene Schriftstellerin Rachel Cusk jedoch eine Leistung, die nicht ausgezeichnet wird: die Mutterschaft.

Leben in die Welt setzen, das eigene Leben, den eigenen Körper radikalen Veränderungen unterziehen und sich selbst zugunsten eines anderen Wesens zurückstellen - diese Leistung macht sie mit ihrem neuesten auf Deutsch erschienen Buch sichtbar.

Kaum eine Rolle ist stärker mit Mythen, Bildern und Erwartungen überfrachtet, als die der Mutter. Sie ist eine radikale Veränderung im Leben einer Frau und sollte doch am besten geräuschlos verlaufen. Dem setzt Rachel Cusk mit ihrem Buch ein Ende. Mit "Lebenswerk" macht die Autorin durch schrille Missklänge auf die dunklen Seiten der Mutterschaft aufmerksam.

Dabei erzählt sie schonungslos aus ihrem eigenen Leben: davon, wie sie ihr "Mutter-Ich" und ihr "Vor-Mutter-Ich" nicht in Einklang bekommt, von der Angst, das Kind nicht lieben zu können, von Ausbruchswünschen und Isolation. Muttersein, das macht dieses Buch deutlich, ist kein Zuckerschlecken. Die Gesellschaft, Freunde, Literatur - alles fordern makellose Leistungen von einer Mutter. Wie es der Frau dabei geht, scheint unwichtig. Das alles belegt Rachel Cusk mit Zitaten und Anekdoten, was dieses Buch stilistisch äußerst reizvoll macht.

Als das Buch im englischen Original 2001 erschien, war es in Großbritannien ein Skandal. Rachel Cusk galt manchen gar als meist gehasste Autorin. Damals war von der Debatte um "Regretting Motherhood", also dem Bereuen, Mutter geworden zu sein, noch keine Rede. Umso beachtlicher ist Rachel Cusks Beitrag zu diesem Thema. Dass dieser Text erst jetzt ins Deutsche übersetzt wurde, ist ein wenig spät. So wirkt das Buch an mancher Stelle veraltet, fast konservativ: Rachel Cusks Partner taucht beispielsweise in seiner Rolle als Vater so gut wie nicht auf. Und so fragt man sich beim Lesen, ob denn Mutterschaft nach Meinung der Autorin vor allem Sache der Frauen ist.

Diesen Eindruck hat Rachel Cusk bereits 2012 korrigiert - da erschien "Aftermath. On Marriage and Seperation", in dem sie schonungslos über die Rolle ihres Ex-Mannes bei der Erziehung ihrer beiden Kinder berichtet. Doch dieses Buch gibt es bisher nur auf Englisch.

Julia Riedhammer, rbbKultur

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