Stewart O'Nan: Henry persönlich; Montage: rbbKultur
Rowohlt
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Roman - Stewart O'Nan: "Henry persönlich"

Das berührende Porträt eines gewöhnlichen alten Mannes. Das bewegende Psychogramm einer langen und harmonischen Ehe.

Seit 50 Jahren sind sie verheiratet: Emily und Henry. Sie leben in einem Vorort von Pitts­burgh, der schon bessere Zeiten gesehen hat, sie haben zwei erwachsene Kinder und vier En­kel – und einen Hund. Ihre Lebens- und Arbeitsbereiche sind getrennt. Er macht zwar den Ab­wasch, sonst hat er in der Küche jedoch nichts zu suchen. Er ist für die kleinen Reparaturen zustän­dig, fürs Bezahlen der Rechnungen. Sie kocht und putzt, schreibt Listen und schickt ihn zum Einkau­fen. Ein konventionelles Leben, eine amerikanische Mittelschichtexistenz. Die Höhe­punkte im Jahr sind die Besuche der Kinder an den Feiertagen, die gemeinsame Fami­li­en­­wo­che im Ferienhaus, der Hochzeitstag, an dem er Emily ins Restaurant ausführt.

Der Blick zurück

Henry wird 75, sein Arzt ist gerade im gleichen Alter gestorben, er spürt das Herz und denkt oft ans Ende. Sie sorgt sich um ihn. Sie lieben sich immer noch, wenn auch nicht mehr so lei­denschaftlich wie in der Jugend. Ein Leben ohne seine Frau will er sich nicht vorstellen.

Ein eindruckvolles Porträt einer funktionierenden Ehe

Der amerikanische Autor Stewart O'Nan, der bereits 2011 einen eindrucksvollen Roman über die Zeit geschrieben hat, in der Emily als Witwe eben doch ohne ihren Mann weiter leben muss ("Emily, allein") macht nun in diesem tröstlichen Buch einen Zeitsprung zurück. Er entwirft das eindrucksvolle Porträt einer funktionie­renden Ehe, die immer noch voller Zuneigung ist, aber auch voller Kompro­mis­se. Ohne die würde das Zusammenleben nicht funktionieren.

So unspektakulär und doch so aufregend

Henry hadert mit dem Alter und erinnert sich an Kindheit und Jugend. Er ist ein liebenswerter Pedant, der um seine Schwächen weiß und um die seiner Frau. Familienrituale werden be­schrie­ben und die kleinen Geheimnisse, ohne die man nicht auskommt. Das Innen- und das Außenleben sind gleichwertig, die vielen Tabletten, die eingenommen werden müssen, das nachlassende Gedächtnis, aber auch seine Kriegserinnerungen und finanziellen Ängste. Mit großer Zuneigung und schöner Geduld erzählt Stewart O’Nan vom Alltag eines alten Paares, dessen Tage ganz unspektakulär verlaufen: Sie hat einen Lesekreis und spielt Bridge, er repa­riert zum wiederholten Male die Besteckschublade, spielt manchmal Golf mit alten Freunden. Es geht um die einheimischen Aktien, die er besitzt und auf die er als "gebürtiger Pitts­burgher"­ stolz ist, um die Frage, wie hoch eine Weihnachtsspende sein muss und um das schwie­rige Verhältnis zur Tochter und zur Schwiegertochter.

Wir nehmen an einem Alltag teil, an dem nichts wirklich Aufregendes passiert und staunen darüber, wie aufregend eine solche Erzählung sein kann.

Manuela Reichart, rbbKultur

Podcast

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- Dope! | Serienstoff

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