James Wood: "Upstate" © Rowohlt
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Roman - James Wood: "Upstate"

Ein alternder Vater, zwei höchst verschiedene erwachsene Töchter. Die Vergangenheit hat sie ge­prägt, wie die Zukunft aussieht, bleibt ungewiss.

Der Roman beginnt mit einem Besuch im überteuerten Altersheim. Der Endsechziger be­sucht sorgenvoll seine hochbetagte Mutter, denn er weiß, dass er sich deren Unterbringung nicht mehr lange wird leisten können. Die Geschäfte des Bauunterneh­mers gehen schlecht. Er würde die Mutter gerne nach Hause holen, aber die Frau mit der er lebt, eine Esoterike­rin mit asiatischen Wurzeln, ist zehn Jahre jünger als er und eig­net sich weder zur Betreu­ung der al­ten Dame noch zum harmonisch-generationsübergreifenden Woh­nen unter einem Dach.

Ein Aufsteiger vor dem Abstieg

Der Vater zweier erwachsener Töchter, der einst von seiner Frau verlassen wurde, lebt im Nordos­ten Englands, in einem zu großen alten Haus, in einer guten Gegend. Er ist ein Auf­steiger und gerade voller Sorge. Nicht nur wegen der Lage seines Unternehmens. Die eine seiner bei­den Töchter, eine Philosophiedozentin in Amerika, hat – nicht zum ersten Mal - einen depressiven Schub, und er wird mit seiner anderen Tochter, einer erfolgreichen und lebenslustigen Musikmanage­rin nun zum ersten Mal nach Saragota Spring reisen, um die – von Kindesbeinen an – schwierige Vanessa zu besuchen.

Die Geschichte einer dysfunktionalen Familie

James Wood, der für den "New Yorker" schreibt und in Harvard angewandte Literatur­kri­tik unterrichtet, gilt im angelsächsischen Raum als wichtigster Kritiker seiner Generation (mit 27 Jahren wurde er 1993 Chefkritiker beim Londoner "Guar­dian"). Er hat ein hinreißend kluges Buch über "Die Kunst des Erzählens" geschrieben. Sel­ber erzählt er in seinem zwei­ten Roman nun von dem, was man heute eine dysfunktionale Fami­lie nennt: Die Scheidung der Eltern war für die Töchter ein Einschnitt, der ihr Leben geprägt hat, der frühe Tod der Mut­ter ist eine nicht geschlossene Wunde. Wie die zurück gebliebene Restfamilie darauf höchst verschieden rea­gierte, warum die eine Tochter zur ewig traurigen, die andere zur fröh­lichen wurde, da­rum dreht sich dieser Roman, der sich viel Zeit für die Befindlichkeiten sei­ner Figuren nimmt und auf jede Auflösung oder psychologi­sche Erklä­rung verzichtet.

Vergebenes Warten auf einen Wendepunkt

Das Buch ist gut geschrieben, die Personen und ihre Mühen sind genau gefasst, wenn auch der Protagonist ein wenig zu viel sinnt und Selbstbeobachtung betreibt. Man wartet bei der Lek­­türe auf einen Wendepunkt, auf ein außerordentliches Ereignis, aber das verweigert der Autor kompromisslos, stattdessen behält er seinen stillen Ton der genauen Beschrei­bung einer gestörten Familie bei, deren Mitglieder sich jedoch unverbrüchlich und in Liebe zugetan sind. Das Ende jedenfalls ist ebenso leise wie überraschend.

Manuela Reichart, rbbKultur

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Emma Becker: La Maison © rowohlt
rowohlt

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Limmat Verlag

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