John Burnside: Über Liebe und Magie – I Put a Spell on You; Montage: rbbKultur
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Roman - John Burnside: "Über Liebe und Magie – I Put a Spell on You"

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Wider die Autorisierte Version der Ereignisse: Nach zwei bitteren Erinnerungsbüchern über Lebenslügen und das Versagen an der Normalität spricht John Burnside in seinem dritten von der Liebe und dem nicht unbedingt schönen Zustand der Verzauberung.

Was haben Glamour und Grammatik gemeinsam? Ihre etymologische Herkunft, erklärt uns John Burnside. "Grammar" bedeutete früher einmal schlichtweg alles Geschriebene. Und was es wert war, geschrieben zu werden, hatte magische Kräfte. "Glamour", Zauberbann der Worte. Für Burnsides Schreiben ist das bis heute die Wahrheit.

Um Verzauberungen verschiedenster Art geht es im dritten von John Burnsides Erinnerungsbüchern. Das erste war eine Abrechnung mit dem brutalen, versoffenen Vater, das zweite eine hochintensive Selbsterforschung über Sucht, Psychose und Normalität, voll grimmigen Humors.

Ein rauchender Totenschädel

Der Schlüssel zum dritten Buch ist nicht Wut, nicht traurige Komik (obwohl beides nicht zu wenig darin vorkommt) sondern ein nur im Schottischen existierendes Wort: "glamourie". Es bezeichnet den Zustand von jemandem, der im Bann magischer Kräfte steht, eines Menschen für den die Welt voller Möglichkeiten außerhalb der gewohnten Realität ist. Wenn man Burnside auch nur ein bisschen kennt, weiß man, dass das finstere Möglichkeiten unbedingt einschließt.

Aber dieses Buch spricht, wie das Lied von Screamin' Jay Hawkins "I put a Spell on You", von der Liebe. Es spricht zunächst von der Liebe in Popsongs und Schlagern, die so realitätsfern wie wirksam seine Mutter am Leben hielten. Ihr ist dieses Buch gewidmet und man sieht sie bei der Lektüre immer wieder vor sich, eine Arbeiterfrau in einem grauen schottischen Industriekaff, die sich mit Radio und Gesang am Leben hält.

Das Buch spricht aber auch von Verbrechen aus Liebe, und vom Fliehen vor der Liebe und von ihrer Flüchtigkeit und der ihr innewohnenden Enttäuschung. Und so wie Screamin' Jay Hawkins bei seinen Auftritten sein unverzichtbares Requisit, den Totenkopf, eine Zigarette rauchen ließ, ist das Bizarre, das Zauber- und das Grauenhafte in allen Episoden, die Burnside anführt, immer mit dabei. "Glamourie".

Ein Buch in Form eines Sterns

Es ist vollkommen unmöglich, dieses Buch zusammenzufassen, oder gar zu erklären. Es ist ein zyklisches Werk, voller Lieder und Abschweifungen, was ihm die Form eines Sterns verleiht. Mit seinen Erinnerungsfetzen, seinen Umkreisungen und seinen Einblicken in eine verletzte und verzauberte Seele geht es weit über das hinaus, was eine kohärente Erzählung, die sich an die traurige sogenannte Realität hielte, in den Blick nehmen würde.

Für Burnside ist die menschliche Vorstellung von Ordnung "eine jämmerliche Autorisierte Version der Ereignisse, an der die Besten unter uns schon immer gezweifelt haben". Das ist ein poetologisches und zugleich ein Lebensmotto. Burnsides ganzes großartiges Werk richtet sich gegen diese Autorisierte Version, weshalb es so befreiend, so schmerzbehaftet und so magisch ist. Dieses Buch ist da keine Ausnahme. Eher ein Höhepunkt.

Katharina Döbler, rbbKultur

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