Lea Streisand: Hufeland, Ecke Bötzow © Ullstein
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Roman - Lea Streisand: "Hufeland, Ecke Bötzow"

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Die Erinnerungen an die DDR und ihr Verschwinden aus Jugendperspektive sind spätestens seit Jana Hensels "Zonenkinder" Teil der kollektiven Erinnerung geworden. Damals, vor 15 Jahren war noch von "Verharmlosung" die Rede. Heute scheint es kein Problem mehr zu sein, wenn aus der Perspektive eines Kindes über die DDR erzählt wird – was auch Lea Streisands neuer Roman "Hufeland, Ecke Bötzow" beweist.

Lebendig, bunt und manchmal pulsierend wie der pralle Pickel einer Pubertierenden erzählt Lea Streisand von Franziska, die als Kind in die Hufelandstraße zieht, die Wende dort erlebt und sie als Erwachsene wieder verlässt. Dazwischen: sozialistische Pionierstreberin, Schlaghosen, Hare Krishna in Westberlin und Partys im neu eröffneten Knaack Club. Es ist ein doppelter Übergang und eine doppelte Verunsicherung, um die es hier geht: Vom Kind zur Erwachsenen, vom Sozialismus, zur freien Marktwirtschaft.

Lea Streisand ist eine unterhaltsame Erzählerin. Sie versteht es, Pointen zu setzen und Bilder so anschaulich zu beschreiben, als sähe man sie in einem Film vor sich. Manchmal geht der auf Kolumnen und Geschichten spezialisierten Autorin der lange Atem aus. Stränge laufen hin und wieder ins Leere, Figuren sind nicht auf ihre Tiefe, sondern eher auf ihre Funktion innerhalb einer Szene angelegt.

Aber das macht nichts, denn es ist die Detailgenauigkeit, durch die dieser Roman besticht. Da erfährt man zum Beispiel, dass 1986 alle alten Linden auf der Hufelandstraße starben. Doch nicht das Reaktorunglück in Tschernobyl ist der Grund dafür, sondern ein Problem mit der Gasleitung. Und wenn die Autorin, die übrigens selbst in der Hufelandstraße gelebt hat, von Franziskas Mutter erzählt, von all den Nachbarinnen und Mädchen in ihrer Umgebung – dann erfährt man ganz nebenbei ein Stück Frauen-DDR Geschichte. Es lohnt sich.

Julia Riedhammer, rbbKultur

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