Dorota Masłowska: Andere Leute; Montage: rbbKultur
Rowohlt Berlin
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Roman - Dorota Masłowska: "Andere Leute"

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Plattenbauten, Wohlstandsverwahrlosung, Drogen, Smog – heimelig ist die Welt, von der "Andere Leute" erzählt nicht. Doch der polnische Literaturpopstar Dorota Masłowska schafft es, durch seine pralle Sprache zwischen Ghettoslang und griechischem Chor eine Welt zu entfalten, die einen in ihrem Bann zieht.

Eigentlich hat Kamil nicht viel zu tun. Die Miete im Warschauer Plattenbau überweist seine alleinerziehende Mutter, die durchgelatschten Nikes hat auch sie bezahlt und ein richtiger Job ist nicht in Sicht. Stattdessen: Drogen, ein Gelegenheitsjob als Klempner und immer wieder Sex. Zum Beispiel mit seiner Kundin Iwona, deren Toilette er repariert hat.

Iwona ist reich, oder besser gesagt ihr Mann ist es. Darum bleibt sie bei ihm, obwohl er sie betrügt. Sie ist tablettenabhängig und ihr Mann kauft immer mal wieder Stoff bei – Kamil. Und so schließt sich der Kreis der Personen, aus deren Blickwinkel Masłowska erzählt. Eine Geschichte, die zwei Welten zusammenbringt, die im Polen von heute immer weiter auseinanderdriften.

Auch wenn es nicht immer angenehm ist, Kamil und seinen sexistischen und rassistischen Äußerungen zu folgen – seine Perspektive wird immerhin verständlich. Er hat keine. Und darum hackt er auf ukrainischen Gastarbeitern herum und preist die PiS Partei, die eben wieder das Kindergeld erhöht hat. Er schiebt es unendlich vor sich her, den nadelnden Weihnachtsbaum abzubauen und  weiß nicht, ob er Mutter und Schwester nun lieben oder verabscheuen soll.

"Andere Leute" ist ein messerscharfes, dichtes Gesellschaftsporträt, geschrieben in einer Sprache, die ihresgleichen sucht. Wie ein langer Rap-Song treibt es einen beim Lesen Seite um Seite vorwärts. Dazwischen brechen Models aus H&M Werbeplakaten aus, um – gleich einem griechischen Chor – ihren Kommentar abzugeben. Oder Masłowska wechselt komplett das Genre und schreibt einen Theaterdialog mit Regieanweisungen.

So wird die Tristesse, um die es eigentlich geht, zum Lesevergnügen.

Julia Riedhammer, rbbKultur

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