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Sachbuch - Huw Lewis-Jones: Verrückt nach Karten

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Landkarten sind Bilder unserer Welt, egal, ob sie lediglich die Geographie abbilden oder die Vorstellungen, die sich Menschen zu allen Zeiten davon machten. Ein wunderschönes Bilderbuch für Erwachsene zeigt und erzählt die Wunder der Kartographie.

Wer eine Landkarte zeichnet, betrachtet die Welt aus einer höheren Warte. Der Zeichner schwebt gewissermaßen am Himmel, hoch über den Wüsten, Flüssen, Städten und Grenzen.

Was muss das für ein Gefühl gewesen sein in jenen Zeiten, als Menschen die Welt nur dann von oben betrachteten konnten, wenn sie zuvor unter Mühen einen hohen Berg erklommen hatten. An vielen Orten allerdings kam – mangels anständiger Berge – nicht einmal das in Frage: Wer sich ein Bild von der Welt machen wollte, war ganz auf ihre oder seine Phantasie angewiesen. Entsprechend wild und bunt gerieten die frühen Versuche kartographischer Welterfassung.

Karten imaginärer Welten

Der britische Historiker Huw Lewis-Jones, der sich u.a. als Forschungsreisender, Kurator, Verleger und Autor betätigt, hat in seinem Karten-Buch 167 Bilder aus alter und neuer Zeit zusammengetragen und schriftliche Beiträge kartophiler Autoren und Künstler dazugestellt. Seekarten aus der frühen Neuzeit treffen auf Brettspiele und mythologische Weltbilder. Auch sind die absonderlichen Auswirkungen der Mercator-Projektion auf die Arktis zu bestaunen und braune Kontinente inmitten von Ozeanen voller zauberhafter Ungeheuer zu bewundern, auf denen kämpfende Höhlenmenschen, Götter und Karawanen eingezeichnet sind. All diese Karten erzählen etwas über Versuche, die Welt zu verstehen: Sie halten Vergangenes fest, fassen Überirdisches in systematische Ordnungen, und bemächtigen sich der Geographie in einer Mischung aus Erkenntnis und Imagination.

Schreiben à la Carte

Karten haben viel mit Erzählen zu tun. Das beginnt schon mit den imaginären Reisen von Kindern per Finger auf dem Atlas oder Globus: blaue Flusswindungen, braune Berge, die roten Flecke der Städte. Aber damit endet es noch lange nicht. Die Kartographie beschränkt sich ja nicht auf die real existierende Welt (was immer das sein mag).

"Ich begann wohlweislich mit einer Karte und machte die Geschichte passend", schrieb J.R.R. Tolkien, der Verfasser der Mittelerde-Trilogie, Erfinder der Hobbits und mehrerer Sprachen, Schöpfer einen großen, komplexen imaginären Welt. Seine handgezeichneten Skizzen von Mittelerde kann man in diesem Band auch betrachten – neben den Entwürfen anderer berühmter literarischer Gebiete wie Yoknapatawpha County, in dem die meisten Romane und Erzählungen William Faulkners spielen. Natürlich ist auch Stevensons Karte der Schatzinsel dabei, sowie die dreidimensionale Karte des Rumtreibers aus "Harry Potter" und Gullivers Reiseroute. Nebst vielen, vielen anderen.

Weltwissen aus dem Kloster

Meine Lieblingskarte ist eine ganz besondere und die größte von allen: Sie war im Original dreieinhalb Quadratmeter groß und wurde im 13. Jahrhundert von Frauen des Ebstorfer Klosters in der Lüneburger Heide gezeichnet. Es ist eine Art gezeichnetes Lexikon des damaligen Weltwissens. Und beweist, was eine Landkarte alles enthalten kann.

Katharina Döbler, rbbKultur

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