Ana-Marija Markovina: GLÜCKS-Spiel © STACCATO Verlag
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Sachbuch - Ana-Marija Markovina: "GLÜCKS-Spiel"

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Musikmachen – und so auch Klavierspielen – kann glücklich machen. Das ist nicht neu. Aber wie das, was man durch das aktive Musizieren lernt, auch auf den Alltag positive Auswirkungen haben kann, beschreibt Ana-Marija Markovina teilweise durchaus überzeugend.

Nein, hier ist kein Glücksspiel wie Roulette gemeint, und auch nicht die Kunst, am Klavier möglichst alle Tasten zu treffen. Hier geht es eher um ein Glücksempfinden, um Glücksgefühle durch das aktive Musikmachen.

Zwei Aspekte enthält der Titel: die positive psychologische Auswirkung von aktiver Musik auf das Glücklichsein sowie ganz konkrete praktische Hinweise zum Klavier-Spielen selbst.

Glück muss man üben

Ana-Marija Markovina geht von der These aus, dass wir in einer Zeit und Gesellschaft leben, in der es in der Freizeit überwiegend um Entspannen und gute Gefühle geht, die meisten dafür aber nichts tun wollen. In der Tat haben wir wie nie zuvor alle möglichen Ablenkungsmöglichkeiten, gerade durch die digitalen Medien.

Viele sind täglich oft stundenlang an ihrem Computer oder mit ihren digitalen Geräten beschäftigt, ohne aber wirklich etwas aktiv zu leisten. Hier setzt die Autorin, selbst eine erfolgreiche Pianistin, an, indem sie sagt: Glück bekommt man nicht umsonst, Glück muss man üben. Und wer sich anstrengt, ist am Ende möglicherweise glücklicher.

Eigene Fortschritte

Sicher, das Erlernen eines Instruments ist mit viel Anstrengung verbunden. Das schafft man nicht in ein paar Stunden, da muss man üben, Rückschläge in Kauf nehmen, ständig daran arbeiten, und man kommt nie an ein Ende. Aber genau das, so die Autorin, sorgt für einen Flow, zieht einen in die Sache. Man ist glücklich über das Spiel, auch über Fortschritte, weil man sie nicht umsonst bekommt, sondern sich selbst erarbeitet.

Sicher gibt es Unterschiede, ob man im Unterricht motiviert oder eher gebremst wird. Auch Begriffe wie Disziplin und Gehorsam sind aus verständlichen Gründen gerade hierzulande eher negativ konnotiert. Es ist jedoch ein Unterschied, ob das jemand anderes von mir verlangt oder ob ich es von mir selbst fordere, weil ich ein selbst bestimmtes Ziel vor Augen habe.

Gebrauchsanweisung

Zur Hälfte ist das Buch aber auch eine kleine Klavierschule mit kurz gefassten Kapiteln als Rundumschlag zu allen möglichen Aspekten: Wie sitze ich richtig am Klavier? Pro und contra Auswendigspielen, Fingersätze, Pedal, Spieltechniken wie Legato oder Staccato.

Daneben gibt Ana-Marija Markovina auch Tipps zum Üben, wie man das systematisch angeht, wie man sich selbst zuhören kann, daneben praktische Hinweise zu schweren Sprüngen auf der Tastatur. Und die wichtige Frage, wie man mit Fehlern umgeht. Eine Art Gebrauchsanweisung auf 150 Seiten.

Zwei Teile

Was ist dieses Buch nun: Gebrauchsanweisung zum Klavierspielen oder zum Glücklichsein durch Musik? Es zerfällt in diese beiden Teile, und das ist nicht unproblematisch. Denn der Teil zum Klavierspielen und Üben ist für fortgeschrittene Pianisten und aus der Profiperspektive geschrieben. Wenn da Oktavsprünge am Beispiel von Liszts erstem Mephisto-Walzer erklärt werden, bringt das dem interessierten Laien überhaupt nichts, denn der wird dieses mit Höchstschwierigkeiten nur so gespickte Stück garantiert nie spielen können.

Wesentlich wertvoller für letztlich jeden sind die Kapitel zum Thema Glück mit Hilfe von Musik. Da erfährt man durchaus überzeugend, man beim Musizieren Struktur, Ordnung, Organisation oder Kommunikation lernt und auf den Alltag anzuwenden und sogar besser mit Stress oder Angst umzugehen.

Andreas Göbel, rbbKultur

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