Meg Wolitzer: Die Zehnjahrespause © Dumont
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Roman - Meg Wolitzer: Die Zehnjahrespause

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Auch wenn sie wissen, dass ihre Karrieren nach zehn Jahren nicht ohne Knick weiter gehen – die Frauen aus Meg Wolitzers Roman "Die Zehnjahrespause" sind alle nicht mehr berufstätig, seit sie ihre Kinder bekommen haben. Klar hadern sie damit, zumal ihnen als gebildete New Yorkerinnen missbilligende Blicke zugeworfen werden, wenn sie sich als Hausfrauen zu erkennen geben. Emanzipiert sieht anders aus. Und trotzdem machen diese Frauen Mut …

Es ist die Spezialität von Meg Wolitzer, Biografien von Frauen so plastisch zu beschreiben, dass man meint, eine ihrer Figuren könnten einem im nächsten Moment über den Weg laufen. In ihrem eben auf Deutsch erschienen Roman "Die Zehnjahrespause" erzählt sie von Müttern die alle um die 40 sind, eine hervorragende Ausbildung haben und seit gut zehn Jahren nicht mehr arbeiten. Regelmäßig treffen sie sich in ihrem Stammcafé, dem "Golden Horn".

Erwartungen und Hoffnungen

Eine von ihnen ist Jill, die immer zu den besten ihres Jahrgangs gehörte, an ihrer Dissertation scheiterte und die Hoffnungen, die einst in sie gesetzt worden waren nicht erfüllen kann. Oder Amy: Als Juristin hätte sie eigentlich überall Arbeit finden können, aber es lässt sie das Gefühl nicht los, ihr Sohn bräuchte sie zu sehr, als dass sie berufstätig sein könnte. Ihre Mutter gehört zum Typ Feministin, die mit dem Spekulum die eigene Gebärmutter betrachteten. Und jetzt arbeitet die eigene Tochter nicht!

Doppelbelastung als Normalität einer modernen und emanzipierten Frau

Indem sie von den scheinbar Unemanziperten erzählt, fragt Meg Wolitzer ganz subtil: Was eigentlich ist Emanzipation in einer Welt, in der Doppelbelastung zur Normalität einer modernen Frau gehört. Leider bezieht sie die Frage, welche Rolle die Männer dabei spielen zu wenig ein. Mutterschaft scheint bei Wolitzer reine Frauensache zu sein. Das ist schade.

Fulminante Erzählkunst

Doch verzeiht man ihr dies und den darüber hinaus heteronormativen Blick, den sie durch ihre fulminante Erzählkunst wettmacht. Wie in einer Netflix oder HBO Serie erzählt sie von diesen Frauen. Kapitel um Kapitel kommt man beim Lesen einer anderen näher, lernt ihre Sorgen, Projektionen und Wünsche kennen. Und die sind viel differenzierter, als es zunächst scheint. Diese Frauen bekommen ihr gesellschaftliches Gewicht zurück. Ein großes Lesevergnügen.

Julia Riedhammer, rbbKultur

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