Jean Stafford: Die Berglöwin © Dörlemann Verlag
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Roman - Jean Stafford: "Die Berglöwin"

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Psychologisch, poetisch, sarkastisch und abgründig ist Jean Staffords meisterlicher Roman aus dem Jahr 1947, nun neuübersetzt und kein bisschen überholt

Der Roman"The Mountain Lion" gilt als Jean Staffords Meisterwerk. Jean Stafford? War einmal berühmt: Pulitzer-Preisträgern von 1970, gefeierte Autorin seit 1944, als ihr erster Roman ein Bestseller wurde.

Geboren wurde sie 1915 in Kalifornien, gestorben ist sie 1979 im Staat New York nach jahrzehntelangem Alkoholmissbrauch, einer zerstörerischen Ehe (und noch zwei weiteren), Depression und Krankheit. Hierzulande blieb sie praktisch unbekannt, und auch in ihrer Heimat war die Pulitzer-Preisträgerin von 1970 nach ihrem Tod rasch vergessen. Allerdings überschlägt sich bei jeder Wiederentdeckung ihres Werks die Literaturkritik vor Begeisterung – wie beim Erscheinen ihrer drei Romane (Boston Adventure, The Mountain Lion, The Catherine Weel) in einem Band der Library of America 2010.

Auf Deutsch erschien "Die Berglöwin" (unter dem Titel "Die Geschwister") erstmals 1958, doch das Buch fand wenig Resonanz. Nun liegt es in einer Neuübersetzung von vor, die es in schillernder dunkler Frische erstrahlen lässt. Man und man kann nur hoffen, dass ihr übriges Werk bald folgen wird.

Männlichkeit und Natur

Nach dem Tod des Großvaters ändert sich ihr Leben: Sie verbringen die Sommermonate und schließlich ein ganzes Jahr bei ihrem Onkel auf einer Ranch in den Rocky Mountains. Ralph versucht, in dieser Männerwelt aufzugehen, und macht seine ersten Erfahrungen mit sexuellen Wünschen; Molly dagegen zieht sich in das Schreiben von Gedichten und Geschichten und ihren beißenden Sarkasmus zurück, der schlecht zu ihrer Kindlichkeit in allen anderen Bereichen passt. Die beiden entfernen sich immer mehr voneinander. Nachdem Ralph sie mit dem Thema Sexualität konfrontiert hat, beginnt Molly ihn Bruder zu verabscheuen, wie sie (fast) alle anderen verabscheut. Stafford lässt sie in einer wunderbar bösen und komischen Szene die Trennung von ihm Bruder als körperfeindliches Baderitual zelebrieren.

Parallel zu den inneren Kämpfen der Heranwachsenden mit- und gegeneinander droht und leuchtet, besänftig und wütet die Natur.

Staffords üppige, aber unaufgeregte Sprache lässt eine beunruhigende Dreiheit von Schönheit, Wildheit und Gefahr entstehen, konzentriert in Gestalt einer Berglöwin, die Ralph - ebenso wie sein Onkel - unbedingt erlegen will.

Genaue Beobachtung ist die Grundlage dieses faszinierenden Buchs, das furchtlos in die finsteren Regungen kindlicher Herzen eintaucht. Man kann es als Bildungsroman, als Gesellschaftssatire und psychologische Studie lesen – oder, wie bei seiner deutschen Erstausgabe vorgeschlagen: als Wildwestroman.

Katharina Döbler, rbbKultur

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