Naturerkundungen © Haupt Verlag
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Sachbuch - "Naturerkundungen mit Skizzenheft und Staffelei"

Bewertung:

23 spannende Porträts von berühmten Forschungsreisenden - darunter Charles Darwin, Johann Forster und Alexander von Humboldt - und neu zu entdeckenden Künstler*innen. Mit Skizzen, Zeichnungen und Gemälden aus vier Jahrhunderten sind die Essays illustriert.

Es ist ein reich bebilderter Band. Und das ist auch schon das wirklich fantastische an diesem Buch. Über 170 oft ganzseitige farbige Abbildungen von solchen Zeichnungen sind da zu bestaunen. Da tut sich wirklich eine Welt auf – ganz anders als heute, wo moderne Weltreisende die zu Hause Gebliebenen mit einer Unzahl von belanglosen Fotos auf dem Smartphone überschütten.

Die Reisenden damals waren zugleich Forschende, die ihre Beobachtungen so genau wie möglich dokumentieren wollten, um sie später auszuwerten – und dazu brauchte es eben neben guter Beobachtungsgabe einen geschickten, oft meisterlichen Umgang mit dem Zeichengerät.

Erkenntnisse über die Welt weg vom Aberglauben und hin zu Wissen und Fakten

Die hier im Buch versammelten 23 Persönlichkeiten waren Abenteurer, Zeichner und Forscher in einem. Sie agierten quasi im Kielwasser der damals großen Mathematiker, Physiker oder Biologen, waren also mit deren Wissen ausgestattet. Es war die Zeit, wo die Erkenntnisse über die Welt von Aberglauben und Mythen wegging hin zum Wissen, zu logischen Zusammenhängen und überprüfbare Fakten.

Das begann mit der Entdeckung Amerikas und weiteren Entdeckungen, die folgten. Man entdeckte neue Kreaturen – Tiere und Pflanzen. Und vieles davon stand im Widerspruch zu den Theorien, die bis dahin in der alten Welt entwickelt hatte. Auf dieser Basis wurden Expeditionen geplant durch tropische Urwälder, über Hochgebirgspässe und durch Wüsten – da wurde dann gezeichnet, gesammelt, beobachtet und beschrieben. Und zu Hause nachbereitet. Dieses Buch nun legt den Schwerpunkt auf die zeichnerischen Ergebnisse und ist daher so faszinierend.

Kleine ausführliche Porträts von 23 Persönlichkeiten

Es sind 23 Persönlichkeiten aus vier Jahrhunderten, im Buch chronologisch geordnet und jeweils in einem kleinen, aber dennoch ausführlichen Porträt vorgestellt mit einer Fülle von Bildern. Beginnend im 17. Jh. bis zu den Polarreisenden am Beginn des 20. Jh. Darunter Charles Darwin, Johann Forster und Alexander von Humboldt, Nikolaus Joseph Jacquin, Ferdinand Bauer und Conrad Martens. Sie waren Ärzte, Botaniker, Zoologen, Zeichner und Maler und am ehesten noch alles davon gleichzeitig. Und auch zwei Frauen dabei: Maria Sibylla Merian und Margaret Elizabeth Fountaine.

Ein biologisches Geschichtenbuch

Wobei Maria Sibylle Merian vielleicht die ist mit einer anhaltenden Wirkung bis heute.
Und mit ihr als der frühesten beginnt das Buch auch. Geboren Mitte des 17. Jahrhunderts, 1647. Sie hat ja ganze Lebenszyklen auf einem Bild untergebracht, etwa von der Raupe bis zum Schmetterling - die Metamorphosen samt den zugehörigen Futterpflanzen.

Wie ein biologisches Geschichtenbuch kommt das daher, auch für Kinder toll zu lesen. Und nicht nur die außerordentliche künstlerische Leistung dieser Frau begeistert, auch ihre Schaffenskraft. Denn durch den Verkauf ihrer Illustrationen ermöglichte sie nicht nur sich und ihrer Familie das Durchkommen, sondern beschaffte das Geld für die nächste Forschungsreise. Sie veröffentlichte wissenschaftliche Werke, z. B. "Der Raupen wunderbare Verwandlung und sonderbare Blumennahrung".

Dokumentation von unbekannten farbenfrohen Früchten

Überdies eine höchst moderne Frau, soweit man diesen Begriff hier verwenden kann. Nach zwanzigjähriger Ehe trennt sie sich von ihrem Mann, reist fortan mit ihren beiden Töchtern. Z. B. mit ihrer jüngsten Tochter 1699 nach Südamerika, nach Paramaribo im heutigen Suriname. Ein abwechselnd warmfeuchtes und warmtrockenes Klima dort, ideal für die Fauna, aber für Frauen in westlicher Kleidung sehr unangenehm. Deshalb waren die beiden oft nachts unterwegs, geführt von Einheimischen.

Beide Frauen waren total begeistert, dokumentierten dann auch für sie unbekannte farbenfrohe Früchte, kosteten sie natürlich auch: Bananen, Melonen Ananas. Sie schrieb: die Ananas sei die bemerkenswerteste aller essbaren Früchte. Dann nahm sie viele Samen und Stecklinge mit zurück nach Amsterdam, züchtete sie, auch um sie dann zu malen.

Und während vieler Jahrzehnte ihr Werk vor allem unter ästhetischen Gesichtspunkten gewürdigt wurde, zählt man es heute auch wieder zu den wichtigen Dokumenten des wissenschaftlichen Kenntnisstandes ihrer Zeit.
Insgesamt: Ein äußerst anregendes, gut gedrucktes und bibliophil gestaltetes Buch!
 

Danuta Görnandt, rbbKultur

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