Jens Rosteck: Die verwegene Jeanne Moreau © Gregor Baron
Gregor Baron
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Biografie - Jens Rosteck: "Die verwegene Jeanne Moreau"

Bewertung:

Für Rainer Werner Faßbinder war sie "die Frau an sich", und ihr Kollege Michel Piccoli charakterisierte sie bewundernd als "dichte­ri­sche Schauspielerin"“. Der erfahrene Biograf Jens Rosteck porträtiert diese Femme fatale für denkende Männer: "the thinking mans' Femme Fatale."

Kino-Ewigkeit

1928 wird sie in Paris geboren. Mit 19 Jahren steht sie zum ersten Mal auf einer Bühne. Zwei Jahre später dreht sie ihren er­sten Film. Sie ist lange Zeit der Inbegriff des franzö­sischen Ki­nos, der französischen Frau, eine intellektuelle femme fa­tale. Jeanne Moreau ist unauslösch­bar in unser Kino-Gedächtnis einge­schrieben: in Filmen von Antonioni und Bunuel und Losey und vor allem von François Truffaut.

Mit ihm drehte sie 1961 "Ju­les und Jim", die Geschichte einer ménage à trois zwi­schen zwei Freunden und einer Frau, die einge­führt wird mit dem Staunen darüber, wie sehr ihr Lächeln, ihr Mund dem einer vollkommenen grie­chi­schen Statue gleiche. Auf dem Höhepunkt ihrer Schönheit, mit einer Ausstrahlung un­glaub­licher Souveränität und schauspielerischer Präsenz gelangte die 33jährige Jeanne Moreau mit dieser Rolle in die Kino-Ewig­keit.

Erste Biografie nach ihrem Tod

Jens Rosteck, gelernter Musikwissenschaftler und versierter Biograf etwa von Joan Baez , Edith Piaf oder Jacques Brel, zeichnet das Leben dieser großen Kino- und Theaterschauspielerin akribisch - und manchmal allzu langatmig - nach. Er hat für diese erste deutschsprachige Biografie nach ihrem Tod ein ausführliches Quellenstudium betrieben, alle Filme angeschaut, zitiert und beschreibt.

Er hat jedoch weder mit noch lebenden Weggefährten sprechen können noch neues Biografisches Material zur Verfügung gehabt. Überraschendes bietet das Buch deswegen nur, wenn er über die Sängerin Moreau schreibt, ansonsten liest man hier nicht viel Neues, die Biografie bleibt an der Oberfläche; - und wartet mit unendlich vielen Adjektiven auf, die die Bedeutung der jeweiligen Person oder eines Ereignisses betonen sollen. Weder erfährt man mehr über das schwierige Verhältnis zum Sohn noch wirklich Substantielles über das Verhältnis zu den jeweiligen Regisseuren oder Lebenspartnern. Die die Inhaltsebne nie verlassenden Filmnacherzählungen ermüden etwas.

Dass das Lektorat Worte wie "Streifen", "Flimmerkiste" und "Mimen" durchgehen ließ in einem Band, der einer Filmkünstlerin gewidmet ist, dass es überhaupt auf Straffungen und Kürzungen nicht bestan-den hat, das ist schade. Die besten Sätze in dieser Biografie stammen zweifellos von Jeanne Moreau selber, wenn sie etwa über die Liebe sagt, die sei wie ein Gemüseeintopf: "Die ersten Löffel sind viel zu heiß, die letzten bereits zu kalt."

Manuela Reichart, rbbKultur

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