Jason Reynolds Brüder mutig wie wir © dtv
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Kinderbuch - Jason Reynolds: "Brüder. Mutig wie wir"

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Vier Wochen sollen Ernie und Genie, zwei Brüder aus Brooklyn, in den Sommerferien bei ihren Großeltern auf dem Land verbringen, denn zwischen ihren Eltern kriselt es und ein Urlaub ohne Kinder soll nun zeigen, ob die Ehe noch eine Chance hat.

Doch das ist nicht alles. Es gibt noch so einige andere Probleme in der Familie. Zum Beispiel redet der Vater von Genie und Ernie schon seit Jahren nicht mehr mit dem Großvater, deswegen kennen die Kinder ihre Großeltern kaum. Und dann gibt es bei ihnen nicht einmal Internet. Dabei braucht der elfjährige Genie das doch unbedingt. Denn er gehört zu der Sorte Kind, die immer einen Stift und einen Zettel dabeihaben, um sich interessante Dinge zu notieren, und führt eine durchnummerierte Liste mit Fragen, die er googeln muss.

Genies Fragen bleiben unbeantwortet

Das kann er bei seinen Großeltern nicht und so bleiben viele seiner Fragen unbeantwortet. Bei den meisten würde ihm Google aber auch gar nicht helfen, denn viele kreisen um die mögliche Trennung der Eltern. Ob es besser wäre, danach beim Vater zu leben, der Feuerwehrmann ist und ihn vor Feuer und Dieben beschützen könnte, oder doch lieber bei der Mutter, die richtig gut kocht und immer gut riecht.

Ernie, der ältere Bruder, ist ganz anders als der sensible Genie. Auf den ersten Blick wirkt er fast ein bisschen oberflächlich. Er lässt sich nie ohne Sonnenbrille blicken, will vor allem cool aussehen und interessiert sich hauptsächlich für Karate und für Mädchen. Gut, dass er bald das hübsche Nachbarmädchen Tess kennenlernt.

Heimliche Nachtwanderungen mit dem Großvater

Genie verbringt dagegen viel Zeit mit seinem Großvater, den er bis zu diesen Ferien noch nie gesehen hatte und von dem Genie noch nicht einmal wusste, dass er blind ist. Er ist aber außerdem ziemlich cool und zusammen machen die beiden heimlich Nachtwanderungen. Denn der Großvater hat einen verrückten Plan, für den er trainieren muss.

Schießunterricht zum Geburtstag

Er will dem älteren Bruder zu seinem 14. Geburtstag Schießunterricht schenken. Weil er aber wegen seiner Blindheit schon seit ewigen Zeiten nicht mehr draußen war, muss er das vorher üben. Genie ist begeistert, Ernie ganz und gar nicht. Der will nämlich überhaupt nicht Schießen lernen. Und das führt bei Genie zu der Frage, ob sein großer Bruder etwa Angst hat oder ob es vielleicht viel mutiger ist, nein zu sagen, wenn man etwas nicht will.

Jason Reynolds gehört in den USA zu den neuen Stars der Jugendbuchszene

Jason Reynolds schreibt Geschichten, die ihm als Kind fehlten. Geschichten, in denen schwarze Kinder und ihre unterschiedlichen Lebenswelten vorkommen. Zu seinen bekanntesten Büchern gehört der Roman "Ghost", der 2018 in Deutschland mit dem "Luchs des Jahres" ausgezeichnet worden ist. Darin geht es um einen Jungen, der schneller rennen kann als alle anderen, seit er eines Nachts vor seinem gewalttätigen Vater wegrennen musste.

Dieser Junge wächst in schwierigen Verhältnissen auf, hat aber das Glück auf einen Leichtathletiktrainer zu treffen, der sein Talent erkennt und ihn fördert. "Brüder" spielt in einem ganz anderen Milieu. Dass Genies und Ernies Familie schwarz sind, wird hier ganz beiläufig erzählt. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, was es bedeutet, mutig zu sein. Zum Beispiel Angst zu haben, Fehler zuzugeben und anderen ihre Fehler zu vergeben. Dass verstehen am Ende nicht nur die beiden Brüder, sondern auch ihr Großvater. Das hat mir gut gefallen. Genauso wie das unkitschige Happy End.

 

Sarah Hartl, rbbKultur

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