Leif Randt: Allegro Pastell © Kiepenheuer & Witsch
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Roman - Leif Randt: "Allegro Pastell"

Bewertung:

Eine Fernbeziehung in Zeiten von Instagram, Facebook und Telegram. Leif Randts Buch: ein Briefroman 4.0.

Wie langweilig, könnte man sagen: eine boy-meets-girl Geschichte. Und in der Tat: der Plot von “Allegro Pastell” ist schnell erzählt. 30-jährige Erfolgsautorin aus Berlin und 36-jähriger Webdesigner aus Frankfurt führen eine Fernbeziehung, die im Verlauf der Geschichte ein Ende nimmt. Spektakulär ist, wie Leif Randt das erzählt. “Allegro Pastell” ist ein Briefroman 4.0.

Kreativ, achtsam, cool

Denn Leif Randt nimmt seine Leserinnen und Leser mit in die Kommunikationswelt von Jerome und Tanya. Sie schreiben sich E-Mails, whatsappen, telegrammen, snapchatten - das Paar bedient sich aller möglicher Kanäle, um die Distanz zwischen den Städten, in denen sie sich physisch aufhalten zu überwinden. Und was dabei zutage tritt ist verblüffend: Diese Medien, die sie als Paar verbinden, formen sie, macht die beiden erst zu den (Beziehungs-)Menschen, die sie sind.

Alles scheint perfekt zu sein im Leben der beiden: sie sind kreativ, achtsam, cool. Sie nehmen Drogen, aber nicht zu viele, sie gehen fremd, verheimlichen sich aber nichts, sie offenbaren sich ihre Liebe ohne aufdringlich zu sein. Doch was dabei auf der Strecke bleibt, ist Unmittelbarkeit. Jeder Schritt, jede Bemerkung scheint durchdacht und auf seine Wirkung als digitale Nachricht hin überprüft zu sein.

Herausragend

Schon die Eingangsszene des Romans umreißt, in welcher Welt sich die Figuren dieses Romans bewegen. Jerome holt Tanya am Frankfurter Bahnhof ab. Die Sonne scheint und als er sie erblickt, überlegt er einen Moment, ob er auf sie zulaufen und sie in die Arme schließen soll. Er findet es aber dann doch charmanter stehen zu bleiben und auf sie zu warten. Der perfekte Instagram Moment, der sich perfekt anfühlt und anhört: Allegro Pastell.

Man kann diesen Roman medienkritisch lesen. Aber so ist er wahrscheinlich nicht gemeint. Vielmehr gelingt es Leif Randt durch die Form, die er wählt einen Ausschnitt unserer Gegenwart wiederzugeben. Das allein ist eine herausragende Leistung!

Julia Riedhammer, rbbKultur

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