Anna Yudina: Homeoffice © DVA
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Bildband - Anna Yudina: "Homeoffice. 120 kreative Lösungen für das Arbeiten zuhause."

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Es ist vielleicht das Wort des Jahres: "Homeoffice". Da die wenigsten Wohnungen dafür gebaut und eingerichtet sind, sind neue Ideen gefragt. Die englische Architektin und Designerin Anna Yudina hat ein paar Vorschläge.

Was vor der Corona-Krise vor allem von Freiberuflern und Künstlern genutzt wurde, gehört derzeit zur Lebens- und Arbeits-Wirklichkeit von vielen Menschen: sie arbeiten von zuhause aus und sind mit der digitalen Welt vernetzt. Welche Folgen das hat, ist noch nicht ausgemacht. Klar scheint aber, dass auch nach dem Ende der Krise viele Unternehmen darauf setzen werden, dass ihre Mitarbeiter viele ihrer Tätigkeiten wenigstens zeitweise im "Homeoffice“ erledigen.

Tipps für zuhause

Das Buch ist kein Schnellschuss, sondern schon Monate vor der Corona-Krise heraus gekommen, als nur wenige Zukunftsforscher und Städteplaner die Relevanz von "Homeoffice" für die "smart City" von Morgen überhaupt auf dem Schirm hatten, als noch niemand ahnte, dass ein Virus die Lebens- und Arbeitswelt vieler Menschen schlagartig verändern würde. Aber weil auch schon vor der Krise immer mehr Menschen den Wunsch hatten, ihren Beruf von überall und vor allem von zuhause aus erledigen zu können, weil schon lange von "Flexibilität“ und "Mobilität“ die Rede ist, die Immobilien-Preise und Büro-Mieten unerschwinglich werden, haben viele angefangen, ihren Arbeitsplatz wenigstens zeitweise nach Hause zu verlegen.

Das Buch diskutiert nicht die Frage, ob das für den einzelnen Arbeitnehmer oder für die Gesellschaft gut oder schlecht ist, sondern reagiert auf einen Trend, der - mit oder ohne Corona - ohnehin abläuft und unterbreitet uns 120 Vorschläge, wie man seine Wohnung oder sein Haus so umbauen und so einrichten kann, dass man überhaupt konzentriert und kreativ arbeiten und Privates und Berufliches trennen kann.

Wegklappen und wegdrehen

Alle Vorschläge werden kurz beschrieben: welcher Designer oder Architekt hat sie entworfen, wozu dienen sie, was sind ihre Vorteile, wo kann ich sie kaufen oder bestellen, sind sie eher etwas für Singles oder etwas für Kleinfamilien, für Leute mit einem Mini-Appartement oder mit einem riesigen Loft; alle Vorschläge werden fotografiert, skizziert, so dass man sich beim Betrachten sofort hineinversetzen und entscheiden kann, ob man das brauchen könnte.

Die Vorschläge sind in mehrere Kapitel unterteilt: in einem geht es um Arbeitsplätze, die man verschieben, wegklappen und wegdrehen kann, so dass aus einem "Office“ in Sekundenschnelle ein "Home“ wird, in dem man essen, schlafen, leben kann. In einem anderen geht es um Arbeitsplätze als Teil der gesamten Einrichtungs-Landschaft, herauszufinden, wie man seine Wohnung am besten in einzelne Bereiche einteilt, wie und wo man am besten arbeiten, für sich sein kann, ohne von anderen Mitbewohnern genervt zu werden.

Ein Kapitel beschäftigt sich damit, wie man die Wohnung mit Raumteilern und Klappelementen am besten ausnutzt; ein anderes, ob man lieber abgeschirmt arbeitet, an einem klar strukturierten Schreibtisch, oder lieber spontan und verstreut in der Wohnung, der Arbeitsplatz nur selten benutzt und er sich leicht wegräumen und umbauen lassen muss. Schließlich werden noch Varianten durchgespielt, die den Arbeitslatz in einen Anbau verlagern oder in ein Gartenhaus.

Beispiele aus aller Welt

Designer aus Taiwan haben für einen Mann, der sich in seinem nur 22 qm kleinen Appartement wohl fühlen und arbeiten will, eine kompakte Lösung ausgedacht: Schreibtisch und Bett befinden sich jetzt auf einer eigens eingezogenen Galerie, die man über eine Schiebeleiter erreicht, eine Truhe wird als Sitzbank genutzt, es bleibt sogar noch Platz für eine kleine Küchenzeile und eine Badewanne in Standardgröße.

Für ein junges Paar - sie Pianistin, er Spiele-Designer - wurde in Los Angeles eine Stadtoase gebaut: die gesamte Einrichtung ist um einen Mittelblock angeordnet, der als Raumteiler und Mehrzweckmöbel fungiert, er ist zugleich Rückzugsort und Arbeitsplatz, oder einfach nur ein Ort, an dem man sitzen und nachdenken kann.

In Peking haben Architekten für eine sechsköpfige Familie ein Haus mit nur 42 qm Wohnfläche auf zwei Ebenen so gestaltet, dass alle Platz finden und ihren Interessen nachgehen können: auf der unteren Ebene reihen sich hölzerne Boxen aneinander, in denen sich Wohn-, Ess-, Schlaf- und Arbeitsräume befinden. Auf der oberen Ebene wurden Schlaf- und Spielbereiche für die Kinder geschaffen. Die Funktionalität beruht auf Klapp- und Multi-Funktionsmöbeln, verschiebbaren Kleiderschränken, Schlafräumen, die zu Sitzecken verkleinert werden und dadurch die Arbeitsräume vergrößern.

Frohes Schaffen!

Wer nicht seine ganze Wohnung umbauen will, sondern nur einen eigenen Arbeitsbereich braucht: "Set Up“, ein Bausatz aus zwei Modulen, einem rechteckigen und einem quadratischen Kasten. Sie können in verschiedenen Konfigurationen zusammengefügt werden, an der Wand oder frei im Raum stehen. Das größere Modul kann mit einer ausklappbaren Arbeitsplatte ausgestattet werden; stehen zwei Module Rücken an Rücken, bilden sie einen Raumteiler mit zwei separaten Arbeitsplätzen auf beiden Seiten: jeder für sich und doch gemeinsam.

Oder für den Genügsamen: "Koloro Desk“, ein kleiner Schreibtisch-Kasten, mit dem man sein eigenes Revier markieren kann, ein leichter, zu einer Seite offener Kasten auf Holz-Böcken, seitlich können kleine Regale ausgeklappt werden, unter dem Sitz des dazu gehörigen Hockers verbirgt sich ein Stauraum für alles, was auch braucht, um in Ruhe und konzentriert arbeiten zu können. Frohes Schaffen!

Frank Dietschreit, rbbKultur

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