Line Hoven, Jochen Schmidt: Paargespräche © C.H. Beck, 2020
C.H. Beck, 2020
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Roman - Line Hoven und Jochen Schmidt: "Paargespräche"

Bewertung:

In "Paargespräche" geht es um den ganz normalen Wahnsinn in Beziehungen - in Wort und im Bild. Der Schriftsteller Jochen Schmidt und die Illustratorin Line Hoven haben sich nun berühmte Paare vorgeknöpft und sich überlegt, wie das bei ihnen wohl klang, wenn der Haussegen schief hing.

Am häufigsten streiten Paare über die Freizeitgestaltung, die Aufteilung von Hausarbeit und Kinderbetreuung, die Finanzen, das Engagement im Beruf, die Kindererziehung und den Umgang miteinander. Ja, es ist nicht einfach, wenn Paare in die Jahre kommen und sich damit auch die Kommunikation verändert.

Der Berliner Schriftsteller Jochen Schmidt hat sich berühmte Duos vorgeknöpft und ihnen Dialoge in den Mund gelegt und die Hamburger Illustratorin Line Hoven hat dazu Zeichnungen gemacht, 34 insgesamt. Das erste Paar ist das Urpaar, das erste Menschenpaar, laut der Bibel die Stammeltern aller Menschen - Adam und Eva.

Adam & Eva

Eva: Die Paartherapeutin hat sich endlich zurückgemeldet. Ich hab Angst, dass wir uns da anschreien. Ich weiß gar nicht mehr, warum wir überhaupt hinwollten.

Adam: Damit sie Dir sagt, dass du mich unterdrückst und ich meistens recht habe. (...)

Eva: Für mich müsste es sowieso billiger sein, weil bestimmt du die ganze Zeit redest.

Adam: Nur, wenn du die ganze Zeit schweigst.

Eva: Die Paartherapeutin sieht bestimmt gleich, dass du mir nie richtig zugewandt bist.

Adam: Ich bin dir doch zugewandt, gerade jetzt zum Beispiel.

Eva: Aber nicht richtig.

Adam: Ich weiß nicht, was du damit meinst.

Eva: Siehst du.

Kultpaare und ihre Kommunikationsfallen

Paradiesisch war es auch bei Adam und Eva nicht, und damit spielt dieses Buch natürlich: egal wie berühmt, egal wie gebildet - wenn man sich länger kennt, schleichen sich gewisse Schrulligkeiten ein.

Die Auswahl der Paare geht quer durch alle Genres, durch alle Geschlechter und über die Grenzen der Fiktion hinweg: Maria und Josef, Loki Schmidt und Helmut, Gretchen und Faust, Julia und Romeo, Barbie und Ken, Winnetou und Old Shatterhand, Doof und Dick, Nanni & Hanni, Maja und Willi. Also Kultpaare aus Kunstgeschichte, Popkultur, Politik, Literatur, Mythen und Filmen, und alle hat Jochen Schmidt auf die Beziehungsebene gesetzt.

Mit den typischen Kommunikationsfallen, jenseits der Sachebene: zynische Bemerkungen, Angriffe, viele Appelle. Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre streiten über Kefir, Dick und Doof arbeiten sich an Doofs Figur ab, Maria und Josef versinken im Papierkram. Hat Line Hoven an den Küchentisch gesetzt, sie liest in einem Batman Magazin, beide tragen Pantoffeln, auf dem Tisch steht ein voller Einkaufskorb.

Geschmackssache

Man kann natürlich darüber streiten, ob man diesen Zeitgeist einfach über die Paare stülpen kann, und als die Paargespräche als Serie in der Zeitschrift Chrismon erschienen, gab es hin und wieder empörte Zuschriften.

Aber Humor und Satire überschreiten nun mal Grenzen, zum Beispiel wenn Pierre Curie zu seiner Marie sagt: "Du strahlst ja so“. Und Thomas Mann zu Katia: "Ich merke mir immer schon, wenn ich irgendwie deine Brille sehe, weil die sie dann demnächst suchen wirst.“

Symbolreiche Illustrationen

Sehr ausdrucksstark sind die Illustrationen von Line Hoven. Sie zeichnet nicht, sie schabt bzw. sie kratzt die Bilder in Schabkarton - schwarz-weiße, klare Konturen, realistisch, einfallsreich, detailliert.

Es lohnt sich, die Anmerkungen von Line Hoven hinten im Buch anzusehen, in denen sie z.B. erklärt, warum sie neben Romeo und Julia eine Taube gekratzt hat (Symbol endloser Liebe) oder neben Katia und Thomas Mann einen Braunbär (in ihrem Haus in München stand er ausgestopft im Flur, eine Schale für Visitenkarten in den Tatzen).

Und so erzählen nicht nur die Dialoge der Paare Geschichten, sondern auch die Bilder daneben.

Anne-Dore Krohn, rbbKultur

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