Lisa Eckhart: Omama © Zsolnay
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Roman - Lisa Eckhart: "Omama"

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Ihr Namen war in den letzten Tagen in aller Munde, und wer bislang nicht wusste, was "Cancel Culture" ist, der hat es jetzt an ihrem Beispiel gelernt: Die Kabarettistin Lisa Eckhart wurde von einem Hamburger Literaturfestival ausgeladen, weil Unbekannte für den Fall ihres Auftritts mehr oder weniger handfeste Proteste angedroht hatten. Vorwürfe des Antisemitismus und des Rassismus standen im Raum.

Dabei wollte sich die junge Österreicherin in Hamburg nicht als scharfzüngige und angriffige Kabarettistin präsentieren, sondern als Romandebütantin. „Omama“ lautet der Titel dieses Erstlings, und um eine Großmutter geht es vorgeblich auch. Dennoch lässt sich gar nicht so einfach sagen, wovon dieser Roman eigentlich handelt.

Die Betonung liegt auf "eigentlich", denn eine Handlung existiert durchaus. Sie beginnt bei der Geburt der Erzählerin und setzt sich dann etwas sprunghaft mit der Kindheit der "Omama" fort. Omama lebt in der österreichischen Provinz, als bei Kriegsende "der Russe kommt". An diesem slawischen Klischeewesen arbeitet sich das Buch lange ab.

Schnell, schnell zur nächsten Pointe

Die nächste Station ist ein oberösterreichisches Wirtshaus. Dort finden die Lehrjahre der Großmutter statt, dort wird so etwas wie eine hemdsärmelige Dorftypologie der fünfziger Jahre versucht. Aber es ist wie beim Blick durch eine unscharfe Brille. Man sucht hoffnungsvoll nach etwas, woran man sich halten kann, man fragt sich: Was will die Autorin? Wohin will sie mit mir, dem Leser? Die Antwort lautet: Möglichst schnell zur nächsten Pointe.

Lisa Eckhart hat dieses Buch mit seinen fast 400 Seiten wohl genauso geschrieben, wie sie auch ihre Fünf-Minuten-Auftritte als Stand-Up-Comedian für das Fernsehen schreibt oder früher ihre Texte für Poetry Slams: als ein Trommelfeuer aus Zoten und Kalauern. Ständig befindet sie sich in einem Wettbewerb der Selbstüberbietung, immer ist sie auf dem Sprung vom Hundertsten ins Tausendste und bleibt dabei doch auf der kabarettistischen Kurzstrecke kleben.

Querfeldein hoppelnde Assoziationen

Man könnte sagen: Dieser Roman hat keinen Inhalt, er produziert Inhalte am laufenden Meter. Es gibt offenbar nichts unter der Sonne, wozu Lisa Eckhart nicht etwas beizusteuern hätte: das Verhältnis von Männern zu Frauen, von Müttern zu Töchtern, von Deutschen zu Österreichern, von Armen zu Reichen. Kaum hat sie mal drei schnörkellose Sätze produziert, hoppeln die Assoziationen mit ihr querfeldein.

Dazukommt das altbekannte Spiel mit körperlichen Tabus: Ausscheidungen werden in größter Anschaulichkeit thematisiert. Ein gewisser Ekel vor dem Körperlichen, vor allem auch vor der weiblichen Körperlichkeit ist spürbar und wird nur mühsam ins Komische umgebogen. Wenn ein Mann dieses Buch geschrieben hätte, würde ich sagen: Da hat jemand ein massives Problem mit Frauen. Aber natürlich kann auch eine Frau ein massives Problem mit Frauen haben.

Und dann und wann ein schöner Aphorismus

Immerhin, von Zeit zu Zeit fallen schöne Aphorismen ab. Einer geht so: „Die Vergangenheit zu verurteilen ist die beste Eselsbrücke, um sich nichts davon zu merken und um nichts daraus zu lernen." Eine weitere Aussage über unsere selbstbesoffene Gegenwart: "Jeder lebt jetzt seine Träume. Niemand träumt mehr irgendwas." Eine Punktlandung mit wenigen geschliffenen Worten.

Aber dann wird’s wieder wortreich, dann wird wieder die Eckhartsche Sprachwalze in Gang gesetzt, überollt alles mit Altväterwörtern wie "obzwar" und "führwahr" und "nebstdem".

Komik braucht Klischees, Romane brauchen Figuren

Natürlich ist Lisa Eckhart eine hochbegabte junge Frau. Die Kunstfigur, als die sie auf die Bühne tritt, diese affektierte, sterile Person, ist nicht unbedingt sympathisch, aber sie funktioniert. Eckhart Antisemitismus oder Rassismus zu unterstellen, ist Unfug: Komik braucht Klischees, um sie gegeneinander auszuspielen und bloßzustellen. Wer als Comedian dazu nicht bereit ist, sollte besser Stimmungslieder singen.

Aber ein Roman ist keine Abfolge von Vortragstexten. Er benötigt Figuren, die mehr sind als wandelnde Wortwitze, er benötigt, um es altmodisch zu sagen, Schicksale. Vor allem, wenn er sich, wie "Omama", wohl eher in der Tradition von Thomas Bernhard als von Heinz Erhardt sieht.

Ich würde mir sehr wünschen, dass Lisa Eckhart diese Herausforderung bei ihrem nächsten Buch annimmt. Oder dass sie sich auf kluge, geschliffene Aphorismen beschränkt.

Steffen Jacobs, rbbKultur

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