Monika Maron: Artur Lanz © S. Fischer Verlag
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Roman - Monika Maron: "Artur Lanz"

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Der Roman zur Zeit: Ein Plädoyer für Unterschiede und Debatten, gegen ideologische Rechthaberei und Identitätspolitik. Ein zentraler Satz in diesem ebenso provokanten wie unterhaltsamen Buch lautet: "Ist es nicht auch ein Recht, unrecht zu haben?"

Der titelgebende Protagonist im neuen Roman von Monika Maron verdankt seinen Namen der mütterlichen Begeisterung für die Artussage. Der Mann ist allerdings ganz und gar kein Held, würde aber gerne einer sein.

Ob und warum wir Helden heute brauchen könnten, ob es sie überhaupt noch gibt, das ist für die Ich-Erzählerin, die den viel jüngeren Artus Lanz zufällig kennenlernt, fortan eine zentrale Frage. Sie denkt darüber nach, "warum Helden so in Verruf geraten" sind. "Wir hatten kein Bild mehr von einem Helden, schon das Wort war verdorben". Und: "was ist aus dem Wort Held geworden, wenn man einen Pizzaservice 'Lieferheld' nennt?"

Während die ältere Frau recherchiert und liest, über das schöne Wort Ritterlichkeit und über Mut und Treue nachdenkt, mit einem leidenschaftslosen Wissenschaftler über die postheroische Gesellschaft debattiert und mit einer alten Freundin über die Zeitläufte und ihre sprach-korrekten Absonderlichkeiten räsoniert, kommt Artur Lanz tatsächlich in die Lage, Heldenmut zu beweisen und seinem besten Freund beizuspringen.

Ein absurder Satz und seine Folgen

Der zweifelt am Klimawandel, polemisiert nicht nur privat, sondern postet auf Facebook, wir gingen einem grünen Reich entgegen, "diesmal aber nicht über die Autobahn, sondern über Stromtrassen".

In der Folge dieses ziemlich dummen und absurden Satzes beginnt eine Kampagne gegen den Wissenschaftler, der sich vor seinen Kollegen entschuldigen und Reue bekennen soll, der des Rechtsradikalismus geziehen und einmütig als untragbar erklärt wird. Die Sache ist auch deswegen kompliziert, weil im Institut der beiden Freunde gerade über eine neuartige Beschichtung für die Rotorblätter von Windkraftanlagen geforscht wird.

Artur Lanz jedenfalls erweist sich in der entscheidenden Institutssitzung tatsächlich als Held, weil er sich traut gegen den Mainstream zu argumentieren – und zwar mit dem bekannten (wohl fälschlich dem Aufklärer Voltaire zugeschriebenen) Zitat: "Ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen."

Mehr lesen, weniger urteilen

Gut wäre es, wenn die Menschen, die über andere Meinungen nicht mehr reden wollen, die andere Überzeugungen für nicht diskussionswürdig halten, diesen Roman lesen und der Autorin nicht vor allem – wie geschehen – reflexartig die falsche politische Haltung vorhalten würden.

Manuela Reichart, rbbKultur

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