Christoph Peters: Dorfroman; Montage: rbbKultur
Luchterhand
Bild: Luchterhand Download (mp3, 4 MB)

Bundesrepublikanische Coming-of-Age-Geschichte - Christoph Peters: "Dorfroman"

Bewertung:

Christoph Peters begibt sich in seinem neuen Roman auf eine Zeitreise in sein eigenes Leben, zurück in die 1970er Jahre. Er lässt sein jugendliches Ich im fiktiven Ort Hülkendonck wieder aufleben, das sich gegen die Enge des ländlichen Elternhauses in Norddeutschland wehrt und sich der Anti-Atomkraftbewegung anschließt. Zugleich muss sich sein heutiges Ich mit den gealterten Eltern auseinandersetzen. Anne-Dore Krohn stellt Christoph Peters "Dorfroman" vor.

Der Berliner Schriftsteller Christoph Peters, geboren 1966 in Kalkar am Niederrhein, beeindruckt mit einer großen thematischen Bandbreite. Seit seinem Debut „Stadt Land Fluss“ im Jahr 1999 hat er zahlreiche Bücher veröffentlicht, zuletzt Thriller über die japanische Yakuza-Mafia. Es gab Romane über deutsch-japanische Lebens- und Denkweisen wie „Mitsukos Restaurant“, ein Büchlein über seine Liebe zu Tee, Reiseberichte, ein Roman über sein Aufwachsen im katholischen Internat.

Zurück in seinem Herkunftsort Kalkar

Mit diesem „Dorfroman“, nachdem Peters seine Romanhelden in der Weltgeschichte herumgeschickt hat, knüpft er nun an seinen Debütroman „Stadt Land Fluss“ an, denn auch dieser spielt in der niederrheinischen Provinz und porträtiert das kleinbürgerliche Dorfleben, ein Dorf am Niederrhein namens Hülkendonck, das leicht als Hönnepel, Christoph Peters Heimatdorf, zu identifizieren ist.

Dort, in einem Ortsteil von Kalkar, hat ein Stück bundesrepublikanische Geschichte ihren Lauf genommen: Bis heute steht dort eine der größtem Investitionsruinen Deutschlands, der „Schnelle Brüter“, das Kernkraftwerk Kalkar. In den 70er und 80er Jahre entzündete sich an dem Vorhaben die Anti-Atomkraft-Bewegung. 1985 wurde der Bau zwar fertiggestellt, doch ging nie in Betrieb und ist heute ein Freizeitpark, bemalt mit einer Gebirgslandschaft.

Aufwachsen im Schatten der Kühltürme auf drei Zeitebenen

Diesen Kampf zwischen Kernkraftbefürwortern und Atomkraftgegnern beschreibt Peters in seinem „Dorfroman“. Die historische Dimension wird bei ihm zur Literatur, zu einem Coming-of-age-Roman, bei dem sich Privates und Politisches vermischt: Die katholisch geprägte Dorfgemeinschaft spaltet sich, der Ich-Erzähler politisiert sich und distanziert sich von den Eltern, die den Bau des Schnellen Brüters befürworten – und er erlebt seine erste große Liebe, zu einer sechs Jahre älteren AKW-Aktivistin.

Erwachsenwerden im Schatten der Kühltürme – ein grandioser Roman auf drei Zeitebenen, der die Erlebnisebenen des Erwachsenen, des Jugendlichen und des Kindes miteinander verwebt. In allen drei steckt Christoph Peters eigene Biographie, doch Fakt und Fiktion greifen hier, bei einem so versierten Erzähler, natürlich ineinander – er widmet das Buch seinen Eltern und seiner Tochter Charly: „Ungefähr so war es vielleicht“.

Anne-Dore Krohn, rbbKultur

Weitere Rezensionen

Haruki Murakami: Erste Person Singular; Montage: rbbKultur
DuMont

Erzählband - Haruki Murakami: "Erste Person Singular"

Immer wieder wird Haruki Murakami für den Literaturnobelpreis gehandelt, aber bisher hat er ihn nicht bekommen. Gerade erst wurde einer seiner bekanntesten Romane von Ursula Gräfe neu übersetzt und als "Die Chroniken des Aufziehvogels" wiederveröffentlicht. In seinem neuen Erzählband "Erste Person Singular" geht er der Frage nach: was macht uns zu denen, die wir sind und vor allem: welche Geschichten erzählen wir uns selbst darüber?

Bewertung:
George Orwell: Farm der Tiere; Montage: rbbKultur
dtv

Roman | Neuübersetzung - George Orwell: "Farm der Tiere"

"Kein Tier soll seinesgleichen je tyrannisieren. Schwach oder stark, schlau oder schlicht, wir sind alle Brüder. Kein Tier soll je ein anderes töten. Alle Tiere sind gleich." Mit diesem Schlachtruf beginnt der Aufstand der Tiere gegen die Unterdrückung der Menschen. Doch schnell entartet die Revolution: Statt Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit warten Terror, Säuberung und Diktatur auf der "Animal Farm", auf der die Schweine die Macht ergreifen und alle anderen Tiere versklaven: George Orwells "Farm der Tiere" ist ein böses Märchen, eine Abrechnung mit der stalinistischen Pervertierung des Sozialismus. Jetzt erscheinen zwei neue deutsche Übersetzungen des 1945 veröffentlichten Romans.

Bewertung:
Patricia Highsmith: "Ladies" © Diogenes
Diogenes

Frühe Stories - Patricia Highsmith: "Ladies"

"Zwei Fremde im Zug", "Der talentierte Mr. Ripley", "Tiefe Wasser" - die Liste der erfolgreichen Romane von Patricia Highsmith ließe sich noch um viele Titel verlängern. Die US-amerikanische Schriftstellerin hob den psychologischen Krimi auf höchstes literarisches Niveau. Heute, am 19. Januar, wäre die Autorin 100 Jahre alt geworden. Rechtzeitig zum Geburtstag hat der Diogenes Verlag einen neuen Band mit Erzählungen herausgebracht, der auch für eingefleischte Highsmith-Fans noch ein paar Überraschungen parat hat.

Bewertung: