Meral Kureyshi: Fünf Jahreszeiten © Limmat Verlag
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Roman - Meral Kureyshi: "Fünf Jahreszeiten"

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Direkt mit ihrem ersten Roman hat Meral Kureyshi ins Schwarze getroffen: ihre Migrationsgeschichte "Elefanten im Garten" wurde in mehrere Sprachen übersetzt und hat einige Preise gewonnen. In diesem Jahr war die Schweizerin zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb eingeladen. In ihrem neuen Roman "Fünf Jahreszeiten" geht es um Liebe zwischen den Stühlen und die Flüchtigkeit des Moments.

Ich war noch niemals nicht verliebt, hat Meral Kureyshi mal in einem Interview mit einem Schweizer Magazin erzählt. Seit sie denken kann, sei sie es immer und immer in mehrere. So ergeht es auch der Hauptfigur ihres neuen Buches. Es steckt also wieder viel Persönliches der Schriftstellerin in ihrer Geschichte. In ihrem Erfolgs-Debüt "Elefanten im Garten" von 2015 erzählte Kureyshi von einer Familie, die vor dem Jugoslawienkrieg aus dem Kosovo in die Schweiz flüchtet, so wie sie mit ihren Eltern, als sie zehn Jahre alt war. Der Vater stirbt kurz danach – so wie auch Kureyshis Vater im echten Leben.

Auch in ihrem neuen Buch klingt diese Migrations- und Verlustgeschichte immer wieder an. Die Ich-Erzählerin hat ihren Vater vor einer Weile verloren, spricht mit ihrer Mutter in einer anderen Sprache, erinnert sich an Moschee-Besuche in ihrer Kindheit mit der Großmutter.

Eine Frau zwischen zwei Männern

Vor allem aber geht es um eine Frau Mitte, Ende 20, die – wie Meral Kureyshi – mehrere Menschen auf einmal liebt und sich nicht zwischen ihnen entscheiden kann. Der Roman beginnt mit einer Abschiedsszene. Die Ich-Erzählerin fährt mit einem jungen Mann namens Adam zum Flughafen, offenbar um ihn nach Schottland zu begleiten, wo er seinen Master an der Kunsthochschule machen will. Sie stehen in der Schlange der Gepäckaufgabe, aber dann fängt die Frau an zu weinen.

"Was ist los?, fragt Adam. Ich kann nicht mitkommen, sage ich und bin selbst erstaunt über die Wörter, die aus meinem Mund kommen. Adam schaut mich erschrocken an. Ich schweige. Wahrscheinlich wollte ich genau diese Trauer in seinem Gesicht sehen. Was sagst du da?, fragt Adam mit zitternder Stimme. Ich kann es nicht, es fühlt sich nicht richtig an. Dann stößt er mich von sich. Wie kannst du mir das antun? Ich habe dir geglaubt, sagt Adam. Ich fühle die Blicke der anderen, die mit uns in der Schlange stehen, die nur langsam vorrückt. Ich liebe dich, sagt Adam verzweifelt, bitte, komm mit, tu mir das nicht noch einmal an. Ich streiche die Tränen aus seinem Gesicht, drehe mich um und renne davon. Draußen warte ich eine Stunde auf das Abheben seines Flugzeugs.“

Fünf Jahrezeiten - von Winter zu Winter

Schon auf der nächsten Seite liegt sie mit Manuel im Bett, ihrem Langzeitfreund, mit dem sie zusammenlebt. Er ist ein paar Jahre älter als sie, unterrichtet erfolgreich Kunstgeschichte an der Uni und steht kurz vor seiner Habilitation. Sie hingegen hat ihr Studium in Filmwissenschaft abgebrochen und arbeitet nun als Aufseherin im Kunstmuseum. In den folgenden Kapiteln, die jeweils mit einer Jahreszeit überschrieben sind, nicht vier, sondern fünf, von Winter zu Winter, entfaltet sich diese Beziehung, wie auch die Liebe zu Adam. Eine Frau steht zwischen zwei Männern, von denen der eine, Manuel, der Unidozent, einfach da ist und der andere, Adam, ein Kunststudent mit Antidepressiva im Körper, eines nachts in ihrer Stammkneipe vor ihr steht und aufregend neu und anders ist.

"Hallo, sagte er. Hallo, sagte ich. So fing es an. Ein Fremder kann über Nacht zur wichtigsten Person werden, dann verwandelt sich der gleiche Mensch ganz langsam über Jahre wieder in einen Fremden zurück."

Beide Männer wissen irgendwann vom anderen, woraufhin Manuel eifersüchtige Wutanfälle hinlegt und Adam sich immer wieder wütend und verletzt zurückzieht. Die Ich-Erzählerin hat ein schlechtes Gewissen, scheint aber auch zu genießen, welche Reaktionen sie bei den beiden Männern auslöst.

"Das Leben gleicht einem Traum, an den wir uns nur vage erinnern"

Was "Fünf Jahreszeiten" zu einer aufregenden Lektüre macht, ist die Art, in der Meral Kureyshi ihre Geschichte erzählt. Statt einen dramatischen, chronologisch geführten Plot um Liebe, Leidenschaft, Begehren und Eifersucht zu entwickeln, lässt die Autorin ihre Geschichte im Fluss des Alltäglichen dahingleiten. Unvermittelt gehen Vergangenheit und Gegenwart, Geschehen und Gedanken dabei ineinander über. Die Zeit dehnt sich und zieht sich zusammen.

Wie viel Zeit ist am Ende vergangen? Wirklich nur fünf Jahreszeiten? Die Orte, an denen die Geschichte spielt, werden nie namentlich genannt, nur die Flüsse, an denen sie liegen – Aare, Spree, Seine. Alles bekommt auf diese Weise etwas Schwebendes in diesem Buch. Das Leben gleicht einem Traum, an den wir uns nur vage erinnern, sagt die Ich-Erzählerin an einer Stelle.

Es geht in diesem Roman auch oder vor allem um Zeit, um Vergänglichkeit und die Flüchtigkeit des Moments.

Nadine Kreuzahler, rbbKultur

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