Literaturkalender 2021; Montage: rbbKultur
Bild: Edition Momente | Suhrkamp | Diogenes

Durch das Jahr mit Weltliteratur, Coelho und Hesse - Literarische Kalender 2021

Einerseits schreitet die Digitalisierung des Alltags - gerade in Zeiten von Corona - unaufhörlich voran, andererseits haben wir - gerade in der Weihnachtszeit - ein starkes Bedürfnis nach analogen Kontakten, kaufen und verschenken wir noch richtig auf Papier gedruckte Bücher, halten Ausschau nach neuen Kalendern, die uns durchs Jahr begleiten und die Tage verschönern. Um die Suche zu erleichtern, haben wir einige literarische Kalender für das Jahr 2021 ausgewählt.

Besonders ins Auge fallen die Kalender aus Verlagen, die ohnehin eine herausragende Stellung in der Literatur haben, die tolle Autoren und seit Jahren Erfahrung darin haben, wie man optisch animierende und intellektuell inspirierende Bücher und Kalender gestaltet. Also zum Beispiel der Diogenes Verlag oder der Suhrkamp Verlag, bei denen die großen Autoren der Weltliteratur versammelt sind und die Werke von Paulo Coelho und Hermann Hesse immer wieder aus den Buchregalen befreit, künstlerisch neu aufbereitet und dann in Kalenderform zu neuem Leben erweckt werden.

Schöne Kalender auch aus kleineren Verlagen

Aber es gibt daneben auch kleinere Verlage wie die Edition Momente, die sich auf die Gestaltung von Kalendern spezialisiert haben und für Qualität bürgen.

Die Edition Momente gibt jedes Jahr einen immer wieder überraschend schönen "Kinder Kalender" mit Gedichten und Bildern aus aller Welt heraus, einen "Musik Kalender" sowie einen "Literarischen Küchenkalender" mit Texten, Rezepten und Bildern; neuerdings auch einen "Klima Kalender", der uns die Schönheit und Gefahren des Blauen Planeten vor Augen führt.

"Literatur Kalender": Ein Kalender, der Hoffnung macht

Höhepunkt aber ist der "Literaturkalender". Herausgeberin Elisabeth Raabe weiß alles über literarische Biografien und Werke, führt mit herrlichen Bildern und wunderbaren Gedankenblitzen durch das literarische Jahr und stellt ihre kalendarischen Exkursionen unter ein spezielles Motto oder Thema stellt, diesmal "Momente der Hoffnung".

Was könnte passender sein in einer Zeit, die von Krisen und Kriegen, Klimakatastrophen und Pandemien geprägt ist, in der uns allmählich die Hoffnung abhanden kommt, die Welt könnte sich bald zum Besseren verändern? Vielleicht kann uns die Literatur behilflich sein, Wege aus der Krise zu finden, ist sie doch auch sonst traditionell dafür zuständig, lyrisch und poetisch aussichtslose Liebe oder niederschmetternde Denk- und Schreib-Blockaden zu überwinden.

"Wie könnte ich ohne Hoffnung leben", hat Franz Kafka gesagt. Der Kalender führt in 52 Anläufen und Ausprägungen durch die Welt der Literatur und zeigt Momente der Hoffnung. Für jeden Tag werden die Geburts- und Sterbedaten von Autoren und Autorinnen aufgelistet, in jeder Woche wird eine Person und ein Werk besonders herausgehoben.

Es beginnt mit Albert Camus, mit einem Foto des am 4. Januar 1960 verstorbenen Literaturnobelpreisträgers, dessen Roman "Die Pest" in der Corona-Pandemie zum Buch der Stunde avancierte. Neben dem Foto ein Zitat, darin heißt es: "An dem Tag, da sich zwischen dem, was ich bin, und dem, was ich sage, das Gleichgewicht einstellt, an dem Tag kann ich vielleicht das Werk schaffen, von dem ich träume."

In den Folgewochen sehen wir Fotos und Texte von Patricia Highsmith und Toni Morrison, Thomas Bernhard und Max Frisch, Marcel Proust und Virginia Woolf (das Who is Who der Weltliteratur ist versammelt). Abgeschlossen wird das Jahr mit einem Foto und einem Zitat der am 29. Dezember 1940 geborenen und leider 2019 verstorbenen Büchner-Preisträgerin Brigitte Kronauer. Sie fragt: "Soll man sich suggerieren, man selbst hätte noch viel Zeit, oder sich lieber einbilden, es stände nur noch wenig zu Verfügung? Und während man noch darüber grübelt, haben sich Leben und Zeit ohne Erlaubnis schon wieder geschwind und unbeeindruckt weiterbewegt."

Zum Träumen: Der "Hermann-Hesse-Kalender"

Auch der Hermann-Hesse-Wand-Kalender steht unter einem Motto: "Gedanken und Gedichte über das Träumen", ausgewählt und zusammengestellt hat den Monatskalender der Hesse-Experte Volker Michels.

Literaturnobelpreisträger Hesse, der immer wieder neu entdeckt wird (erwähnt sei nur: "Das Glasperlenspiel", "Siddharta", "Steppenwolf", "Narziss und Goldmund") war nicht nur Dichter, sondern auch Maler: Die Blätter schmücken dreizehn seiner farbenfrohen Aquarelle, Landschafts-Impressionen, Ausblicke auf Gärten, Berge und Seen, da bekommt man sofort Fernweh und Sehnsucht nach der Wärme und Helligkeit des Südens und möchte am liebsten sofort die Stiefel schnüren und loswandern.

Auf den Rückseiten der Monatsblätter und Aquarelle finden sich Ausschnitte aus seinen Romanen und Tagebüchern, in seinem Buch "Die Morgenlandfahrt" hat er geschrieben: "Das Glück der Träume besteht aus der Freiheit, alles irgend Erdenkliche gleichzeitig zu erleben, Außen und Innen spielend zu vertauschen, Zeit und Raum wie Kulissen zu verschieben."

Wer Hesse nicht nur als Wandschmuck genießen, sondern ständig dabei haben möchte, sollte sich auch noch den aufwendig illustrierten und preiswerten Hesse-Taschen-Kalender (Suhrkamp, 11 Euro) zulegen, in dem man seine Termine eintragen und sich die Freiheit nehmen kann, seine eigenen Ideen zusammen mit Hesses Gedanken und Bilder spazieren zu führen.

Lebenshilfe von Paulo Coelho

Auch Paulo Coelho gibt es in zweifacher Variante: Als Wochen-Wandkalender mit idyllischen Blumen-Ornamenten und romantischen Natur-Studien, umrankt von den Weisheiten und Erkenntnissen des Wellness-Autors und Lebensphilosophen, der zum Beispiel sagt: "Die Welt verändert sich durch dein Vorbild, nicht durch deine Meinung", oder: "Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende."

Wer das tägliche Glück mit Coelho sucht, wird es im Taschen-Kalender-Buch (Diogenes, 17 Euro) des Autors finden, es hat das Motto "Begegnungen" und schenkt dem Benutzer an jedem Tag nicht nur einen freien Raum für eigene Notizen, sondern auch neben bunten Ornamenten oft eine Lebenshilfe des Autors.

Am 26. September 2021 findet man einen Satz aus seinem Kult-Roman "Der Alchimist": "Gott schreibt den Weg vor, den jeder Mensch gehen soll. Du musst also nur erkennen, was er für dich aufgezeichnet hat."

In der Isolation und Einsamkeit von Corona dürften wir noch viel Muße haben, über die Welt und den Weg nachzudenken, der uns vielleicht von Gott vorbestimmt ist, den wir aber - und das wäre mir eigentlich lieber - auch selbst gestalten und verändern können.

Frank Dietschreit, rbbKultur

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