Matthew McConaughey: Greenlights; Montage: rbbKultur
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Autobiografische Anmerkungen - Matthew McConaughey: "Greenlights oder die Kunst, bergab zu rennen"

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Der verdiente "Oscar" für sein grandioses Spiel in "Dallas Buyers Club" katapultierte den Schauspieler Matthew McConaughey vor sieben Jahren in die erste Liga Hollywoods. Sein Debüt-Buch "Greenlighs oder die Kunst, bergab zu rennen" zeigt ihn jetzt als klugen Autor.

Laut Werbung hat sich Matthew McConaughey zum Schreiben seines ersten Buches für mehrere Wochen fern aller Zivilisation in die Wüste zurückgezogen. Das mag stimmen, muss es aber nicht. Was egal ist. Denn ein lautes Schlagen der Werbetrommel hat "Greenlights" gar nicht nötig.

Sympathische Selbstironie

Der Texaner erweist sich als fabulierfreudiger Erzähler. Die knapp dreihundert Seiten lesen sich leicht, wirken wie aus einem Guss. Dabei sind sie genau das gar nicht. In den Text sind nämlich immer wieder Fotos, zum Beispiel vom kindlichen und vom jugendlichen Matthew und über die Jahre gesammelte Notizzettel einmontiert.

Und gerade da, in den kurzen Gedankensplittern auf den "Zetteln", offenbart sich Wesentliches: Matthew McConaughey zeichnet eine sympathische Selbstironie aus. Er nimmt sich ernst, aber nicht zu wichtig. Beim Lesen hat man oft das Gefühl, den Erzählungen eines guten Kumpels zu lauschen. Gerade das wohl hat dem Buch im Vorjahr beim Erscheinen in den USA zu einem Sensationserfolg verholfen - gar Platz eins auf der Bestsellerliste der New York Times.

Keine Autobiografie

Memoiren seien dies nicht, hat der 51-jährige Schauspieler verlauten lassen. Er nennt das Buch einen "Liebesbrief an das Leben". Die Geschichten und Erinnerungen liest man jedoch überwiegend als autobiografische Anmerkungen. Die verbinden sich in der Erzählung zu einem oft überbordenden Episoden-Reigen von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter.

Der Titel "Greenlights" spielt tatsächlich auf grüne Verkehrsampeln an - und damit auf die berühmte sogenannte "Grüne Welle". Einmal durchstarten und dann freie Bahn – so wünschen sich wohl viele das Leben, Matthew McConaughey inbegriffen. Doch so einfach ist das weder im direkten noch im übertragenen Sinn. Stolpersteine lauern überall.

Schon die Kindheit, von der Matthew McConaughey überwiegend mit einem leichten Ton erzählt, war alles andere als unbeschwert. Die komplizierte Beziehung der Eltern, die sich mehrfach getrennt und wieder verbunden haben, war für ein Kind kaum auszuhalten. Gut gemeinte Ratschläge wie der, niemals zu meinen, dass man etwas nicht könne, haben eher gebremst denn gefördert. Merke: Klare Regeln sind immer angebracht, doch können zu strikte Regeln die Freiheit arg beschneiden.

Erst mit 18, als er für ein Auslandsjahr nach Australien ging, lernte Matthew McConaughey, sein Leben, so weit überhaupt möglich, selbst zu bestimmen. All das reflektiert er ohne Sentimentalitäten oder Pathos, angenehm schlicht, sprachlich stets geschickt neugierig machend auf das, was noch folgen mag.

Ein Fundus für Filmfans

Auskünfte zum beruflichen Werdegang dürfen natürlich nicht fehlen. Die Neugier der Filmfans wird gestillt. Auch Intimes wird beleuchtet. Doch stets waltet angenehme Diskretion. Und: Eitelkeiten breitet der Schauspielstar nie aus. Man glaubt ihm, dass er sich in seiner Kunst und auch im Leben immer wieder wie beim ersten Mal behaupten muss, dass er sich stets aufs Neue herausgefordert fühlt. Manchmal mündet das kurz in Kalendersprüche oder wabernde Esoterik. Wenn Matthew McConaughey etwa gesteht, wie er sich gern von Träumen leiten lässt, schmunzelt man beim Lesen doch etwas.

Gleich zu Beginn des Buches schreibt er, dass er keiner Leserin, keinem Leser etwas beibringen wolle. Dennoch steuert er mit dieser Textsammlung pfeilschnell auf die Erkenntnis zu, dass zum Glück vor allem gehört, sich selbst zu trauen und sich selbst dabei einiges zuzutrauen.

Neu ist das nicht. Doch Matthew McConaughey zeigt an der eigenen Lebensgeschichte, dass man sich das selbst gar nicht oft genug bewusstmachen kann. So wird die über weite Strecken ausgesprochen launig anmutende Plauderei über ein Schauspielerdasein am Ende denn doch auch so etwas wie ein Selbsthilfe-Buch. Denn man fühlt sich als Leserin oder Leser persönlich angesprochen und damit zum Nachdenken weit über die Lektüre hinaus angeregt.

Peter Claus, rbbKultur

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