Igor Levit, Florian Zinnecker: Hauskonzert; Montage: rbbKultur
Hanser Verlag
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Mit dem Pianisten durch die Konzertsaison 2019/20 - Igor Levit und Florian Zinnecker: "Hauskonzert"

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Igor Levit ist derzeit eine der medial meist präsenten Persönlichkeiten - als Pianist, aber auch als jemand, der sich in der Öffentlichkeit explizit auch politisch zu Wort meldet. Jetzt ist ein Buch über ihn erschienen. Der Journalist Florian Zinnecker hat Igor Levit darin ein Jahr lang begleitet. Der Titel "Hauskonzert" bezieht sich auf die Zeit des ersten Lockdowns, als der Pianist jeden Abend aus seiner Wohnung ein auf Twitter übertragenes Klavierkonzert gab.

Eine Biografie im herkömmlichen Sinne ist dabei nicht herausgekommen – das wäre auch schwer: Igor Levit betont an einer Stelle, wie sehr er im Hier und Jetzt lebt und wie sehr er Erinnerungen auch ganz bewusst loslässt. So finden sich zwar Rückblenden in Kindheit und Jugend, vor allem aus Erinnerungen von Igor Levits Mutter gespeist, aber vor allem aktuellere Schlaglichter: hier ein Konzertauftritt, dort ein Interview, eine Begegnung, eine Episode, und das nicht unbedingt chronologisch, sondern hin- und herspringend.

Man kommt Igor Levit stellenweise ziemlich nahe

Der eigenwillige Pianist mit Vorliebe für ungewöhnliches Repertoire und Spontaneität kommt vor, seine auf Twitter übertragenen Hauskonzerte in der Zeit des ersten Lockdowns, aber auch der Mensch, der sich klar politisch zu Wort meldet.

Viele berührende und bewegende Momente enthält das Buch, auch kommt man Igor Levit, der sehr offen über viele Dinge spricht, stellenweise ziemlich nahe. Dem Buch fehlt jedoch die ordnende Hand, jemand, der systematisiert, alle Details in eine schlüssige Reihenfolge bringt, kurz: das alles ein wenig analytischer angeht, sich mehr Zeit nimmt, Dinge auch zu vertiefen, anstatt gleich sofort zum nächsten zu springen.

Andreas Göbel, rbbKultur

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