Bettina Baltschev: Am Rande der Glückseligkeit © Berenberg
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Über den Strand - Bettina Baltschev: "Am Rande der Glückseligkeit"

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Eine Reise ans Meer: Acht Strände in acht Ländern hat die Autorin besucht und erkundet. Eine Kultur- und Reisegeschichte auf den Spuren besonderer Sehnsuchtsorte. Eine Liebeserklärung an die Strände in der Vor- und Nachsaison, "wenn man nicht liegen kann, sondern laufen muss, mit dem Wind, gegen den Wind, und sich anders als im Sommer tatsächlich die 'Urmonotonie des Naturbildes' zeigt, wie Thomas Mann es im Zauberberg nennt."

Es ist merkwürdig, dass man sich an der See nicht langweilen kann.

Bettina Baltschev erinnert sich an reale und fiktive Strände, an oft bereiste Lieblingsorte wie den in Scheveningen oder solche aus der Literatur wie die Cổte d’Azur, die sie als junges Er­furter Mädchen kennenlernte im Roman von Françoise Sagan "Bonjour Tristesse" oder den von Travemünde in Thomas Manns "Buddenbrooks", der ihr damals zwar geographisch näher aber ebenso unerreichbar war.

Ein Zitat aus diesem Roman ist ihr Reise- und Strandmotto fürs Le­ben geblieben: "Es ist merkwürdig, dass man sich an der See nicht langweilen kann."

Eine Erkundungsreise

Die Erkundungsreise beginnt an der Nordsee, am großen Strand von Scheveningen, führt nach Brighton und Ostende, nach Ischia, Benidorm, Lesbos, Hiddensee und in die Normandie, an den Strand, wo die Operation Neptune, wo der D-Day stattgefunden hat und wo heute ein Museum an diese kriegsentscheidende Militäraktion der Alliierten erinnert.

Kulturgeschichte des Strandes

Im besten Sinne ist dieses Buch eine Kulturgeschichte: Vom Strand aus schaut die Autorin in die So­ziologie und Geologie und Anthropologie, wenn sie etwa der Frage nachsinnt, was ist eigentlich ein Strand, sie folgt literarischen Spuren und Stranderinnerungen von Irmgard Keun und J. D. Salinger. Sie erzählt die Geschichte des ersten deutschen Seebades Heiligen­damm (an der Ostsee war man schneller als an der Nordsee, was die Etablierung des Bade­gast-Tourismus angeht, der hier schon 1793 beginnt). Sie blät­tert in skurrilen Strandbüchern, schaut auf Fotografien, die das Badeleben festge­halten haben – und auch das Grauen auf de­nen des berühmten Kriegsfotografen Robert Capra am 6. Juni 1944.

Es geht um den englischen Deckchair, der in Großbritannien auch als Brighton Beach Chair bekannt ist und den deutschen Strandkorb, der angeblich 1882 für eine rheumakranke Dame erfunden wurde (und den Thomas Mann in den "Buddenbrooks" vor seiner Erfindung schon am Strand von Travemünde aufstellte), um Strand- und Sandburgen, die Strandbilder des bel­gischen Malers James Ensor, den deutschen Bäder-Antisemitismus im 19. Und 20. Jahrhun­dert, die perfiden Enteignungen der pri­vaten Hotels und Pensionen 1953 an der Ostseeküste durch die DDR-Machthaber. Der Ar­beiter- und Bauernstaat wollte Urlaub für alle und schuf doch nur Unterkünfte für wenige. "Den sechzehn Millionen Einwohnern der DDR stehen ge­rade anderthalb Millionen FDGB-Ferienplätze gegenüber".

Den Strand anders betrachten

Ein kluges, gut geschriebenes, lehrreiches und amüsantes - und schön gemachtes - Buch, das sich nicht nur am Strand gut lesen lässt, mit dessen Hilfe man den Strand beim nächsten Be­such in jedem Fall anders betrachtet.

Manuela Reichart, rbbKultur

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