"Bergführer Potsdam", "Berlin am Wasser" und "Brandenburg mit dem Rad" © be.bra Verlag
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Drei Kultur- und Wanderführer - Kulturtipps und Ausflüge für Berlin und Brandenburg

Himmelfahrt und Pfingsten stehen vor der Tür - und hoffentlich auch endlich ein paar sonnige Frühlingstage. Höchste Zeit, die Fenster weit zu öffnen und hinaus ins Freie zu gehen. Da es wegen der Corona-Auflagen noch immer schwierig ist, zu verreisen und auswärts zu übernachten, werden sich die meisten wohl mit Tagesausflügen in die nähere Umgebung begnügen müssen. Wer nach Anregungen sucht, wie und wo man Körper und Geist in Schwung bringen kann, findet sie in einigen neuen Büchern.

Eingeladen wird zum Wandern an den Berliner Gewässern, zu einer Fahrradtour ins Brandenburgische und zu einem - und das ist kein Witz! - Spaziergang auf die Gipfel der Stadt Potsdam.

Entdeckungen und Erlebnisse

Ob man mit Frank Goyke die schönsten Wanderungen an Berliner Flüssen, Seen und Kanälen unternimmt, mit Therese Schneider durch Brandenburgs Kulturlandschaft radelt oder mit Wolfgang Mörtl die "Berge" erstürmt und über Potsdam schaut - immer haben die Autor*innen ihre Entdeckungen und Erlebnisse, Kulturtipps und Ausflugsmöglichkeiten mit tollen Fotos garniert und mit allen nötigen Infos versehen:

Wie kommt man dorthin und wie kommt man wieder nach Hause? Wie lang ist die Strecke, die man auf der Tour gehen, wandern oder radeln kann? Welche kulturellen Highlights und historischen Besonderheiten liegen am Wegesrand? Was kann man von innen und was nur von außen besichtigen? Wie ist das Streckenprofil und wie zuverlässig die Beschilderung? Wo kann man baden und für leibliches Wohl sorgen?

Spaziergänge entlang der Spree, der Panke und um den Müggelsee

Frank Goyke läuft die Spree entlang und einmal rund um den Müggelsee, verweilt am Großen Wannsee und am Tegeler See, flaniert am Landwehrkanal und an der Panke, wandert durch das Tal der Wuhle und erkundet den Teltowkanal. Seine Spaziergänge unterteilt er in kleinere Etappen: Er geht vom S-Bahnhof Wannsee zur Glienicker Brücke, blickt über den Wannsee auf das alte Strandbad, spaziert zur Liebermann-Villa und zum Haus der Wannsee-Konferenz, macht mit der Fähre einen Abstecher auf die Pfaueninsel, stärkt sich im Wirtshaus Moorlake, schaut hinüber zur Sacrwoer Heilandskirche, schlendert durch den Schlosspark Glienicke - bevor er dann zur Glienicker Brücke gelangt, die in Zeiten des Kalten Krieges dem Austausch von Spionen diente.

Wenn Goyke (entlang der Panke) von Buch nach Pankow wandert oder (entlang der Havel) vom Bahnhof Spandau bis nach Kladow: immer liegen Guts- und Wirtshäuser, Schlösser und Industriedenkmäler am Wegesrand, die einen Besuch lohnen.

Die Spaziergänge sind mal 8 oder 9 Kilometer kurz, mal auch 14 oder 15 Kilometer lang. Also genau richtig, um den Kopf mal auszulüften und die Beine zu beschäftigen.

Mit dem Rad durch Brandenburg

Therese Schneider radelt von Nauen bis zum Schloss und zum Park von Nennhausen: 53 Kilometer, zumeist auf dem gut ausgeschilderten Havel-Radweg, vorbei an alten Dorfkirchen, Friedhöfen und am Schloss Ribbeck. War da nicht etwas mit dem Herrn Ribbeck von Ribbeck im Havelland, wo der von Theodor Fontane beschriebene Birnbaum im Garten stand?

Empfehlenswert auch die Radtour vom S-Bahnhof Oranienburg über Liebenwalde bis nach Zehdenick: an der Gedenkstätte Sachsenhausen sollte man Station machen und der Opfer des Naziterrors gedenken; im Heimatmuseum von Liebenwalde erfährt man einiges über Brandenburgische Geschichte; und im Kloster Zehdenick findet man ein bisschen Ruhe und Erholung, bevor es dann weitergeht.

Schön auch die Tour von Angermünde nach Templin, 50 km durch Wald und Wiesen, unterwegs gibt es viele kleine Seen und Badestellen und in den Altstädten von Angermünde und Templin kann man vieles besichtigen und erhält bestimmt auch - zur Stärkung - ein leckeres Eis.

Gipfel stürmen in Potsdam

Dann auf zu den Gipfeln! Ja, es klingt ziemlich schräg und man glaubt es kaum, aber Wolfgang Mörtel findet gleich 75 Berge: den Weinberg von Schloss Sanssouci, den Ruinenberg, Kapellenberg, Pfingstberg und Babelsberg, den Telegrafenberg, den Langen und den Kahlen Berg, den Kleinen und den Großen Herzberg, den Teufelsberg und den Eisberg, den Kirchberg und den Galgenberg.

Mörtl geht voraus und wir laufen fröhlich hinterher, erfahren, wie und wann die Erhebungen entstanden sind, welche Villen und Parks, Gedenkstätten und Denkmäler am Wegesrand liegen - und genießen als Gipfelstürmer von oben den einzigartigen Blick über Potsdam: Auf dem Telegrafenberg besuchen wir schnell noch das architektonische und wissenschaftliche Juwel des Einsteinturms; von Schloss Babelsberg blicken wir hinüber zur Glienicker Brücke und lassen den Blick über die Park- und Seenlandschaft schweifen; auf dem Weinberg in Sanssouci versuchen wir uns auszumalen, wie viele Tropfen und Flaschen die wenigen Weinreben in diesem Jahr wohl hergeben mögen.

Wer jetzt keine Idee hat, wo er mit seinen Liebsten an Himmelfahrt oder über Pfingsten spazieren, wandern oder radeln und was er besuchen und besichtigen möchte, dem ist wahrlich nicht zu helfen.

Frank Dietschreit, rbbKultur

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