Anno Mungen: Hier gilt's der Kunst © Westend
Westend
Bild: Westend Download (mp3, 4 MB)

Chronik - Anno Mungen: "Hier gilt’s der Kunst. Wieland Wagner 1941-1945"

Bewertung:

Vor 70 Jahren, im Jahr 1951, fand die Wiedereröffnung der Bayreuther Festspiele nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs statt. Einer der wichtigsten Protagonisten von "Neubayreuth" war Wieland Wagner, Enkel von Richard Wagner, der die Bayreuther Festspiele bis zu seinem Tod gemeinsam mit seinem Bruder Wolfgang leitete.

Anno Mungen, Musik- und Theaterwissenschaftler an der Universität von Bayreuth, konzentriert sich in seinem neuen Buch auf Wieland Wagner, der in der Verstrickung der Bayreuther Festspiele und der Familie Wagner zum Nationalsozialismus eine entscheidende Rolle spielte, und so nimmt er die Jahre 1941 bis 1945 in den Fokus seiner Darstellung.

Gefördert von Hitler

Wieland Wagner war damals Mitte/Ende 20 und dabei, sich beruflich zu orientieren. Nach seiner Beschäftigung mit Fotografie und Malerei kam er dann recht schnell zu Bühnenbild und Regie.

Aus zwei Gründen sind diese Jahre bemerkenswert: Sie legten den Grundstock für den prägenden Regisseur, der Wieland Wagner dann ab 1951 werden sollte. Und schließlich spielte seine Verbindung zum NS-Regime eine wichtige Rolle – er hatte nicht nur persönlichen Zugang zu Hitler, sondern wurde von ihm auch gefördert.

Chronik und erhellender Nachweis

In zahlreichen Schlaglichtern entwickelt Anno Mungen in beeindruckendem Detailreichtum eine Chronik dieser Jahre in Bezug auf Wieland Wagner, schildert ihn als skrupellosen Karrieristen, der alles daransetzt, die Leitung in Bayreuth zu übernehmen.

Geradezu erhellend ist, wie Mungen nachweist, dass Wagners abstrakter, reduzierter Regiestil, der ab 1951 Schule machte, nicht so sehr eine Abkehr von der Vergangenheit war, wie es oft und gerne dargestellt wurde, sondern bereits in seinen Inszenierungen der Jahre 1943/44 in wesentlichen Ansätzen nachweisbar ist.

Andreas Göbel, rbbKultur

Weitere Rezensionen

Christoph Brumme: Im Schatten des Krieges © S. Hirzel
S. Hirzel

Tagebuchaufzeichnungen aus der Ukraine - Christoph Brumme: "Im Schatten des Krieges"

Zu Beginn dieser Tagebuchaufzeichnungen des Schriftstellers Christoph Brumme fragt dessen 11-jähriger Steifsohn Kolja: "Müssen wir fliehen? Wird Putin unser geliebtes Poltawa in Schutt und Asche bombardieren, wie er das schon vor mehr als zwanzig Jahren mit Grosny gemacht hat?" Fragen eines Kindes in Zeiten des Krieges in der Ukraine, Fragen, die naheliegen. Irritierend ist bloß, dass sie von Kolja schon am 25. Januar gestellt wurden, da dieses Ukraine-Tagebuch von Brumme beginnt.

Bewertung:
Christa Mayer: Meine Mutter, meine Schwester und ich © Hartmann Books
Hartmann Books

Fotoband - Christa Mayer: "Meine Mutter, meine Schwester und ich"

Als vor wenigen Jahren mit einer großen Übersichtsausstellung in Berlin an die bundesweit einflussreiche Kreuzberger "Werkstatt für Photographie" erinnert wurde, da rückte auch eine Fotografin wieder in den Fokus, die dort ihre Ausbildung erhielt, aber weiterhin ihrem Beruf als klinische Psychologin nachgegangen war: Christa Mayer. Bekannt wurde sie durch Aufnahmen aus der geschlossenen Langzeitpsychiatrie. Jetzt, mit 77 Jahren, veröffentlichte sie ihren ersten Fotoband.

Bewertung: