Stefan Heym: Flammender Frieden © C. Bertelsmann
C. Bertelsmann
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Roman - Stefan Heym: "Flammender Frieden"

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Dass sein zweiter, auf Englisch verfasster Roman "Of Smiling Peace" erst jetzt auf Deutsch erschienen ist, liegt vor allem an Stefan Heym selbst. Seit 1933 lebte der junge Sozialist, der aus einer jüdischen Familie in Chemnitz stammte, im Exil, seit 1935 in den USA, deren Staatsbürger er wurde.

 

Als der Roman 1944 erschien, war Heym bereits ein amerikanischer Erfolgsautor, der mit seinem literarischen Debüt "Hostages" über ein Geiseldrama im von den Deutschen besetzten Prag zwei Jahre zuvor einen veritablen Bestseller gelandet hatte. "Hostages" übersetzte Heym später, nach der Übersiedlung in die DDR 1953, unter dem Titel "Der Fall Glasenapp" selbst ins Deutsche, wie auch andere Romane aus dem englischsprachigen Frühwerk.

Nur "Of Smiling Peace" ließ er liegen, wohl selbst nicht ganz überzeugt vom Resultat dessen, was er als Soldat der US-Army während dem Hin und Her des Militärdienstes mit all der Unsicherheit, der Unruhe, dem Zeitmangel, dem täglichen Lärm und mit vielen Unterbrechungen zu Papier gebracht hatte.

Mitten im Geschehen, mitten im Gefecht

Heym beginnt mitten im Geschehen, mitten im Gefecht. Winter 1942, Landung der US-Army in Algerien, wo sie von der deutschen Wehrmacht und den mit den Nazis kooperierenden Truppen des Vichy-Regimes empfangen wird. Vergeblich hatten die Amerikaner zuvor auf diplomatischen Wegen versucht, die Franzosen vom Kampf abzuhalten, doch die hatten ihre eigenen kolonialen Interessen.

Im Konflikt

In seiner Autobiografie "Nachruf" verriet Heym, worum es ihm beim Schreiben ging, nämlich um die Frage, "ob die Amerikaner, die angetreten sind, Freiheit und Demokratie zu bringen, sich mit jedem Schurken und Faschisten verbinden sollen, der sich ihnen anbietet, oder ob sie nicht eher, um der Sache willen, den schwierigeren Weg gehen, vielleicht sogar eigene Truppen dafür opfern müssen."

Wie skrupellos darf man also im Dienste des Guten sein, um seine Ziele durchzusetzen? Mit wem darf man paktieren, ohne sich selbst zu kompromittieren? Ist alles erlaubt und ethisch gerechtfertigt, wenn es nur der Sache dient?

Das ist der Konflikt, in den Stefan Heym seine beiden amerikanischen Protagonisten, Colonel Wintringham als Stabschef und Lieutenant Bert Wolff als obersten Vernehmer, geraten lässt.

Vor allem Wolff ist eine interessante Figur. Er kommt wie Heym selbst aus Deutschland und kämpft nun gegen die Deutschen. Zuvor hat er sich in Spanien den Internationalen Brigaden angeschlossen und mit ihnen die Niederlage gegen Francos und den Faschismus nicht verhindern können. Die Niederlage ist für ihn eine persönliche Kränkung, die er jetzt wieder gutmachen will. Sein Feind war damals derselbe wie jetzt in Algerien: der schneidige deutsche Major Ludwig von Liszt, der mit seinen Agenten und Verbündeten den Amerikanern immer einen Schritt voraus zu sein scheint.

Die entscheidende Frage ist jedoch, wem es gelingt, den dubiosen Franzosen Monaitre auf seine Seite zu bringen. Er befehligt die letzte funktionierende Einheit der französischen Nordafrikatruppen. In seinem Intrigenspiel folgt Monaitre jedoch vor allem eigenen Machtansprüchen, indem er vorsorglich mit beiden Seiten paktiert und so die Gunst der Stunde abwartet. Zu diesen vier Männern kommen noch der unstete Geheimagent Jerez und die schöne Marguerite Fresneau, die als Geliebte des Nazis Liszt auch von Wolff, Monaitre und Jerez begehrt wird.

Antifaschistisches Engagement spricht aus jeder Zeile

Damit sind alle Elemente versammelt, die einen Kolportageroman auszeichnen. Dass Heym sein Geld als Journalist verdiente, ist seinem zupackenden Stil anzumerken. Das antifaschistische Engagement spricht aus jeder Zeile. Dass seine Figuren in der Gegenüberstellung von hehren Idealisten und schurkischen Faschisten ein wenig klischeehaft geraten, stört ihn nicht. Der Spannung, die er mit handwerklichem Geschick erzeugt, tut das keinen Abbruch.

Die Atmosphäre erinnert ein wenig an "Casablanca", die Verfolgungsjagden und Schießereien an einen frühen James Bond. Und so wie Geheimagent 007 bewahren auch die guten Amerikaner ihre Ideale und damit auch ihr historisches Selbstbewusstsein.

Ein Autor auf dem Weg zu sich selbst

Heym hat "Of Smiling Peace" später als Vorübung für den nächsten, sehr viel erfolgreicheren dritten Roman "Crusaders" gesehen. Die Analyse des Faschismus und der Bedingungen des Krieges, die er dort versuchte, fehlt hier noch völlig. In "Flammender Frieden" geht es nur um die Story, am Action und an der richtigen Stelle auch um eine Prise Sex.

Die Ereignisse in Algerien bleiben kulissenhaft, die militärische Lage unübersichtlich. Sie bieten lediglich den historischen Rahmen für eine flotten Kriegs- und Agentenstory, die im Grunde überall spielen könnte, wo die Guten gegen die Bösen kämpfen.

Das liest sich durchaus flott weg, bleibt aber flach. Trotzdem ist es ein Gewinn, das Buch jetzt als Teil des Gesamtwerks und einen Autor auf dem Weg zu sich selbst entdecken zu können.

Jörg Magenau, rbbKultur

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