Cover "Lucky Luke sattelt um"
Bild: egmont

Comic - Mawil: "Lucky Luke sattelt um"

Bewertung:

"Lucky Luke made in Germany" – so steht es auf Plakaten, die im Augenblick in den Zeitungskiosken aushängen. Tatsächlich ist der Berliner Comickünstler Mawil der erste Deutsche, der eine Geschichte des franko-belgischen Klassikern erfinden und zeichnen darf – und lässt den Westernhelden gleich mal auf einem Drahtesel durch die Prärie reiten. "Lucky Luke sattelt um" heißt das Abenteuer - das der rbb-kultur Comic des Monats ist.

So ganz freiwillig sattelt Lucky Luke nicht um. Sein treues Pferd Jolly Jumper geht verloren, weil Gangster von dem Zug, mit dem Luky Luke gerade reist, mitten in der Prärie einen Teil der Gepäckwagen absprengen. Jolly Jumper reist mit dem vorderen Zugteil weiter und Luke bleibt mit einem seltsamen Paket zurück.

Es ist ein Fahrradbausatz, wie sich herausstellt Luky Luke hat zwar noch nie ein Fahrrad gesehen, begreift aber sofort, wie man das zusammen baut. Und schon ist der Comic mitten im Abenteuer, denn die Gangster sind natürlich hinter dem Fahrrad her, beauftragt von Mr. Pope, dem Erfinder des Hochrads, der sein Imperium durch diese geniale Erfindung des Fahrrads bedroht sieht.

Mawil: Lucky Luke sattelt um © Egmont Comic Collection
Bild: Egmont Comic Collection

Mawil zeichnet Running Gag Klassiker in seiner Lucky Luke Geschichte

Dass das Pferd Jolly Jumper verloren geht gehört zu den Running Gag Klassikern der Comic-Reihe. Normalerweise kommt der Gaul schnell wieder zurück, in dem Abenteuer von Mawil wird das aber immer wieder im letzten Moment verhindert. Zum Beispiel weil Lucky Luke nach einer Kneipenschlägerei durchs Fenster eben nicht auf den Sattel von Jolly Jumper springt, wie man es kennt – Jolly Jumper wartet wirklich dort – sondern er springt auf den Sattel seines Fahrrads.

"Lucky Luke sattelt um" ist eine ungeheuer spannende Geschichte, die immer wieder mit Gags durchsetzt ist – auch das hat sich Mawil von dem legendäre René Gosciny abgeguckt, der mit seinen Geschichten nicht nur den Lucky Luke zum Klassiker gemacht hat, sondern auch die Abenteuer von Asterix und Obelix. Da gibt es zum Beispiel das Gaunerpärchen mit dem Namen Smith und Wesson. Dieser Wesson ist so verliebt in die Smith, dass allein dadurch herrliche Slapstickeinlagen provoziert werden.

Mawil: Lucky Luke sattelt um © Egmont Comic Collection
Bild: Egmont Comic Collection

Das Lebensgefühl von heute wird in die Prärie übertragen

Der Lucky Luke von Mawil ist in der Reihe Hommage-Bände erschienen, die ist vor zwei Jahren zum 70. Geburtstag von Lucky Luke erfunden worden sind. Das Konzept ist, dass sich unterschiedliche Zeichner mit ihren Geschichten ganz unterschiedliche Würdigungen ausdenken.

Es gab den sehr düsteren Band "Der Mann, der Lucky Luke erschoss", in dem die Westerngesellschaft so aufgeladen war mit Konflikten, dass eigentlich nur Lucky Luke seine Würde wahren konnte, weil der sich aus allem raushält. Dann gab es einen Urkomischen, in dem ein Witz den nächsten jagte.

An "Lucky Luke sattelt um" ist das Besondere, dass er ein heutiges Lebensgefühl in die Prärie überträgt: Das Absprengen des Zuges wird vom Schaffner zum Beispiel als Störung im Betriebsablauf deklariert. Und als Lucky Luke mit dem Fahrrad in den Zug steigen will und der Schaffner aufzählt, was man alles mitnehmen darf, nämlich Dynamit, Schnaps, Pferde, Gold, Teer, Federn Felle - aber Fahrräder eben nicht, da bleibt der Schaffner hart. Das ist ganz typischer Mawil Humor.

Mawil: Lucky Luke sattelt um © Egmont Comic Collection
Bild: Egmont Comic Collection

"Lucky Luke sattelt um" ist typisch Mawil

Auch die Zeichnungen sind typisch Mawil. Während der klassische Lucky Luke mit sehr geraden und prägnanten Strichen gezeichnet ist, scheint bei Mawil alles aus den Proportionen zu geraten, selbst das Pferd wirkt ein bisschen schräg und pummelig.

Und dann hat Mawil mit Mr. Overman, dem Erfinder des Fahrrads, auch ein Alter Ego in den Comic geschmuggelt, das mit seiner Nackenmatte und dem vorsichtig-tapsigen Auftreten an Figuren aus früheren Comics erinnert:  Mirko Watzke aus Kinderland z.B. – oder Super-Hasi.

Mawil zeichnet herrliche Action-Szenen mit den Mitteln des Manga, bei dem man mit in die Bewegung genommen wird, auch das ist typisch für Mawil. Als Lucky Luke den Zug verfolgt, fliegt man mit ihm geradezu vom Fahrrad zur Waggontür. Und dabei ist auch Lucky Luke ein kleines bisschen unbeholfen, selbst in den Action-Szenen kann Mawil also komisch sein.

Mawil: Lucky Luke sattelt um - Studien

Andrea Heinze, rbbkultur

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imago/McPHOTO

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