Alexander Braun: Will Eisner – Graphic Novel Godfather © Avant Verlag
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Comic des Monats - "Will Eisner - Graphic Novel Godfather"

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Der Kunsthistoriker Alexander Braun ist der einzige Deutsche, der mit dem US-amerikanischen Eisner Award für Comic-Kunst ausgezeichnet wurde – und das gleich zwei Mal. Denn Braun schreibt so fundierte Bücher über die Pioniere des amerikanischen Comics, dass die auch in den USA zu Standardwerken werden. In seinem neuen Werk: "Will Eisner – Graphic Novel Godfather" lernt man so viel über Comics, dass es unser Comic des Monats ist.

Will Eisner hat die Graphic Novel erfunden – und zwar in jeder Hinsicht! Er hat angefangen, gezeichnete Geschichten über mehr als hundert Seiten zu erzählen und das so kunstvoll, dass seine Comics eine literarische Qualität bekamen. Dafür hat er aus seinem reichen Erfahrungsschatz geschöpft: es geht um das Leben jüdischer Einwanderer in New York und überhaupt um das Leben in den New Yorker Mietskasernen.

Mit der Graphic Novel "Signale aus einer anderen Welt" hat er einen Science Fiction-Comic gezeichnet und dabei das Genre neu erfunden – denn hier tauchen keine Außerirdischen auf. Eisner spielt vielmehr durch, was passiert, wenn Signale von vermeintlichen Außerirdischen auftauchen und zeichnet daraus eine bittere Gesellschaftsparodie.

Anekdoten zur Erfindung der "Graphic Novel"

Will Eisner war einer der größten Erneuerer des westlichen Comics. Er hat als erster für ein ausschließlich erwachsenes Publikum gezeichnet. Und er hat den Begriff der "Graphic Novel" eingeführt. Das war Ende der 70er Jahre in den USA und zwar aus dem gleichen Grund, aus dem der Begriff Graphic Novel rund 25 Jahre später in Deutschland eingeführt wurde: weil weder Buchhändler noch Kunden wussten, wie sie diese anspruchsvollen Comics einsortieren sollen.

Seine erste Graphic Novel "Ein Vertrag mit Gott" verkaufte sich hervorragend, als sie in den Buchhandlungen auf dem Tisch für Neuerscheinungen lag. Als das Buch dann in die Regale für Religion eingeordnet wurde, weil es um jüdische Einwanderer ging, meinten Kunden, dass ein Comic da nicht hingehört. Und als es bei den Comics einsortiert wurde, waren Kunden sauer, weil das Buch ganz und gar nicht lustig war. All diese Anekdoten hat Alexander Braun in seinem Buch zusammengetragen.

Die Schrift in den Sprechblasen zerfließt im Regen

Alexander Braun hat rund 500 Auszüge aus Comics in das Buch eingefügt und zeigt daran, wie innovativ Eisner auch mit den Zeichnungen umging. Bis dahin war es üblich, dass Comics in einzelne Kästchen gezeichnet wurden. Eisner bricht diese Struktur auf und verbindet Geschichte und Zeichnung viel organischer.

Zum Beispiel zeichnet er auf einer ganzen Seite ein Mietshaus von außen, das voller Menschen ist, die plaudern und streiten, Zeitung lesen und Musik hören – und Alexander Braun erzählt dann, wie auf den folgenden Seiten des Comics all die Menschen, die auf dieser Seite zu sehen sind, in die Geschichte eingewoben werden. Oder er zeigt, wie meisterhaft Will Eisner immer wieder Regen gezeichnet hat. In seinen Comics schüttet es oft nur so, dass sogar die Schrift in den Sprechblasen wegzufließen droht.

Alexander Braun recherchiert unheimlich genau und trägt Material zusammen, das noch nie veröffentlicht wurde. Das gilt zum Beispiel für die Comics, die Eisner jahrelang als Brotjob für die US-Armee gezeichnet hat. Das waren Bedienungsanleitungen, die Eisner in lustige Armeegeschichten verpackt hat und die nach den gleichen Prinzipien funktionierten wie seine freie Arbeit.

Ungeheuer spannend erzählt

Außerdem ist Alexander Braun ein großartiger Analytiker, der zeigt, wie Lebensumstände, Persönlichkeit und Werk zusammenhängen. An Eisners Frühwerk zum Beispiel zeigt er, wie jüdische Einwanderer den Beginn der Comicheft-Industrie maßgeblich geprägt haben. Superman wurde von jüdischen Einwanderern erfunden. Und Will Eisner, ein Kind jüdischer Einwanderer, hat am ersten Comicheft der USA mitgearbeitet. Der Grund für diesen jüdischen Einfluss: die Einwanderer waren so arm, dass sie für sehr wenig Geld arbeiteten – und damit auch solche Projekte möglich wurden, denen von den großen Unternehmern keine Chance am Markt gegeben wurde.

All das erzählt Alexander Braun ungeheuer spannend – und das ist seine dritte große Qualität: er kann ausgezeichnet schreiben. Und auf diese Weise wird dieses Buch – das eigentlich ein Katalog zu einer Ausstellung ist - ein wunderbares Werk über die Comicgeschichte, das sehr gut für sich allein stehen kann.

Andrea Heinze, rbbKultur

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