Angie Thomas: The Hate U Give
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Ab 14 Jahren - Angie Thomas: "The Hate U Give"

Die amerikanische Autorin Angie Thomas greift in ihrem Debütroman ein brisantes Thema auf. "The Hate U Give" handelt von Polizeigewalt gegen afroamerikanische Jugendliche. Der Jugendroman schaffte es auf Anhieb auf Platz 1 der Bestsellerliste der New York Times, wurde bei uns im letzten Jahr mit dem Preis der Jugendjury des Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet und jetzt auch verfilmt.

Im Mittelpunkt steht ein Mädchen namens Starr. Sie ist 16 und in zwei Welten zu Hause: in "Garden Heights", dem schwarzen Viertel, in dem sie aufgewachsen ist, und der weißen Privatschule. In letztere haben ihre Eltern sie und ihre beiden Brüder geschickt, nachdem sie mit zehn Jahren miterleben musste wie ihre Freundin in das Kreuzfeuer von zwei rivalisierenden Gangs geraten ist und dabei ums Leben kam.

Auf dem Heimweg von einer Party geraten sie und ein Freund in eine Verkehrskontrolle, und Starr erinnert sich, was ihre Eltern ihr ein paar Jahre vorher über den Umgang mit der Polizei beigebracht haben. Und zwar, alles zu machen, was sie sagt. Während Starr wie gelähmt im Auto sitzen bleibt, muss ihr Freund aussteigen und als er sich ins Auto beugt, um nach Starr zu sehen, schießt ihm der Polizist von hinten in den Rücken und tötet ihn.

Starr lernt, ihre Stimme gegen Rassismus einzusetzen

Angie Thomas konzentriert sich in ihrem Roman auf die Folgen, die der Tod des Jungen auf seine Freundin hat. Die Geschichte wird aus Starrs Perspektive erzählt. Die Leser sind immer ganz nah dran an ihren Gedanken und Gefühlen. Sie erleben ihre Entwicklung von einem Mädchen, das sich lieber im Hintergrund hält, zu einem, das lernt, seine Stimme einzusetzen und gegen den Rassismus, mit dem sie und viele schwarze Teenager konfrontiert sind, zu kämpfen.

In zwei Welten zu Hause

Angie Thomas ist beim Schreiben von eigenen Erfahrungen beeinflusst worden. Wie ihre Protagonistin ist sie in einem Viertel aufgewachsen, in dem die meisten Menschen arm und schwarz waren, und war eine von wenigen schwarzen Schülern in einer weißen Privatschule. Sie weiß also, was es bedeutet in zwei Welten zu leben. An einer Stelle lässt Angie Thomas ihre Heldin sagen, wie anstrengend es ist, zwei Menschen zu sein, mit zwei Stimmen zu sprechen und unter bestimmten Leuten nur bestimmte Dinge sagen zu können.

In der einen Welt versucht sie als Schwarze unter lauter Weißen nicht aufzufallen. Das geht so weit, dass sie sich nicht gegen rassistische Klischees wehrt, mit denen sie immer mal wieder konfrontiert wird. In der anderen Welt halten viele sie dagegen nicht mehr für schwarz genug, seit sie in eine Schule mit lauter weißen und privilegierten Kindern geht.

Inspiriert von einem Zitat des Rappers Tupac Shakur

Der Titel des Romans ist ein Zitat des amerikanischen Rappers Tupac Shakur, der Mitte der 90er unter ungeklärten Umständen erschossen wurde. Übersetzt heißt das so viel wie: was die Gesellschaft den Menschen als Kindern antut, das kriegt sie später zurück. Mit dem Titel spielt Angie Thomas auf den Teufelskreis an, in dem viele Teenager feststecken, die in ähnlichen Vierteln aufwachsen wie sie selbst und ihre Heldin.

Angie Thomas wollte keinen Roman schreiben, mit dem man es sich auf dem Sofa bequem machen kann, sondern einen, der die Realität zeigt und nachdenklich macht. Das ist ihr mit ihrem Debüt sehr gut gelungen.

Sarah Hartl, kulturradio

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