Buchcover: "Mein Jimmy"
Tulipan Verlag
Bild: Tulipan Verlag

Kinderbuch - Werner Holzwarth: "Mein Jimmy"

Bewertung:

Kleines Buch mit großer Botschaft: "Mein Jimmy" nimmt Abschied vom Leben.

Muss Madenhacker Hacki sich wirklich bald von seinem alten Freund, dem Nashorn Jimmy, verabschieden? Wird er ihm nicht mehr den Rücken von Insekten freihalten und dafür Schutz unter seinem mächtigen Leib finden können vor den Gefahren der weiten Savanne? Das will Hacki nicht! Aber Jimmy weiß, dass sein Ende naht. So behutsam wie unbeirrt zeigt er dem Vögelchen und mit ihm allen jungen Betrachtern, dass das Sterben zum Leben gehört.

Tiefgründig, komplex, dabei ganz einfach

Werner Holzwarth, dessen "Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat" inzwischen Kultstatus genießt, legt erneut ein wunderbares Bilderbuch vor: tiefgründig, komplex, dabei ganz einfach.

Er erzählt in einem aufs Wesentliche reduzierten Kammerspiel davon, dass Empfangen und Loslassen, Erleben und Erinnern, Weinen und Lachen untrennbar zueinander gehören.

An seiner Seite übersetzt Illustrator Mehrdad Zaeri Gesagtes und Ungesagtes in eine meisterhafte Bildsprache. So, wie die beiden Hauptfiguren immer im Dialog sind, so korrespondieren Farben, Licht und Schatten miteinander. Gemeinsam halten Autor und Illustrator eine Balance, die keine Sentimentalität aufkommen lässt und eine kindgerechte Auseinandersetzung mit dem Thema Tod ermöglicht.

Trauer kommt ohne Worte aus

Während Hacki zur Ablenkung munter drauflos plaudert und ihre tollen gemeinsamen Abenteuern zum Besten gibt, wird Jimmy sichtbar müder. Erst steht er im Bild, bald sitzt er, dann liegt er und schließlich steht er nicht mehr auf …

Sind alle Szenen in der Gegenwart in Grau- und Schlammtönen gehalten und die Szenen der Vergangenheit in scherenschnittartigem Schwarz-Weiß umgesetzt, wird nun alles eins: Farben und Scherenschnitt vermischen sich, der Kreislauf schließt sich, der Tag mündet in die Nacht.

Mehrere Doppelseiten führen tief in die Dunkelheit der Trauer, sie kommen ohne Worte aus, nur noch die Bilder erzählen. Bis mit dem ersten zarten Morgenlicht neues Leben erwacht. Hacki fliegt auf und findet neuen Anschluss: Man sieht ihn auf einem Zebrarücken landen. Dessen Streifen weisen auf neue Abenteuer und damit zuversichtlich in die Zukunft.

Sonja Kessen, rbbKultur

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