Martin Muser: Kannawoniwasein!; Montage: rbbKultur
Carlsen Verlag
Bild: Carlsen Verlag Download (mp3, 4 MB)

Ab 10 Jahren - Martin Muser: "Kannawoniwasein!"

Bewertung:

Fortsetzungen haben es manchmal schwer. Vor allem wenn der erste Teil so gute Kritiken hatte wie Martin Musers Kinderbuchdebüt "Kannawoniwasein! Manchmal muss man einfach verduften". Der Autor hat sich davon nicht abschrecken lassen und sich ein neues Abenteuer für Finn und Jola ausgedacht. Zum Glück!

Seit Finn und Jola sich vor einem Jahr in Oranienburg kennengelernt und mit einem gekaperten Traktor auf den Weg nach Berlin gemacht haben, sind die beiden dicke Freunde. Finn freut sich schon die ganze Woche darauf, Jola wiederzusehen und in den Sommerferien mit ihr zu ihren Großeltern auf einen Bauernhof kurz hinter der polnischen Grenze zu fahren. Hier ist normalerweise nicht viel los, aber Jola und Finn scheinen Abenteuer anzuziehen. Sie verfolgen einen ausgebrochenen Stier mit dem Traktor, stechen mit einem selbstgebauten Floß in See und legen sich mit zwei älteren Jungs aus Berlin an, die sich in der Eisdiele vordrängeln wollen.

Arrogante Schnösel aus Berlin

Lasse und Bosse Hardenburg sind ziemlich arrogante Schnösel und lassen von da an keine Gelegenheit aus, um den Dorfdeppen, wie sie Jola und Finn nennen, eins auszuwischen. Als sie das Floß von Jola und Finn mit ihren Jetskis absichtlich zum Kentern bringen, können sich die Kinder nur mit Mühe und Not ans Ufer retten. Doch das lässt sich Jola, die schon im ersten Band durch ihre große Klappe aufgefallen ist, nicht gefallen. Gemeinsam mit Finn sinnt sie auf Rache, die in einem Silvesterfeuerwerk mitten im Sommer gipfelt.

Mischung aus Spannung, Witz und Tiefgang

Martin Muser hat eine sehr lässige Art zu schreiben. Genau wie der erste Band, hat auch dieser die richtige Mischung aus Spannung, Witz und Tiefgang. Temporeiche Szenen wie die Verfolgung des Stiers oder die gefährliche Floßfahrt wechseln sich mit tiefgründigen Gesprächen der Kinder über die deutsch-polnische Vergangenheit ab. Ganz beiläufig, ohne problematisierend zu werden.

"Kannanwoniwasein!" ist ein Kinderbuch, das gute Laune macht und Ferienstimmung verbreitet. Jola und Finn sind mir schon im ersten Band ans Herz gewachsen und ich hoffe, dass Martin Muser sich noch weitere Abenteuer für die beiden ausdenkt.

Sarah Hartl, rbbKultur

Weitere Rezensionen

Beckett Echos Knochen © Suhrkamp
Suhrkamp

Erzählung - Samuel Beckett: "Echos Knochen"

Die literarische Welt ist immer wieder für eine Überraschung gut: Einige Jahrzehnte hat es gedauert, bis eine Erzählung von Samuel Beckett das Licht der Öffentlichkeit erblickte. "Echos Knochen", geschrieben im Jahr 1933, wurde erst im Jahr 2014 entdeckt und in Großbritannien, 25 Jahre nach seinem Tod, veröffentlicht. Die deutsche Übersetzung von Chris Hirte liegt jetzt im Suhrkamp Verlag vor.

Bewertung:
Marion Poschmann: "Nimbus"; Montage: rbbKultur
Suhrkamp

Gedichte - Marion Poschmann: "Nimbus"

Oft ist es so, dass man am meisten das bewundert, was man selbst nicht kann: Romanautoren bewundern Lyriker und umgekehrt. Marion Poschmann kann beides – und beides gleich gut. Mit ihren vier Romanen und vier Gedichtbüchern ist sie in der deutschsprachigen Literatur zu einer der wichtigsten Stimmen der mittleren Generation geworden.

Bewertung:
Wiglaf Droste Tisch und Bett © Verlag Antje Kunstmann
Verlag Antje Kunstmann

Gedichte - Wiglaf Droste: "Tisch und Bett"

Am Anfang: lauter Liebesgedichte, jene literarische Gattung, die so persönlich gefärbt ist wie sonst nur Tagebücher. Und tatsächlich zeigt sich Wiglaf Droste unverstellt verliebt und enthusiastisch, erotisch erstrahlt und bejahend. Manchmal klingt es, als hätte er sich von der Geliebten gerade erst ab- und der Tastatur zugewandt.

Bewertung: