Frida Nilsson: Sasja und das Reich jenseits des Meeres; Montage: rbb
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Ab 11 Jahren - Frida Nilsson: "Sasja und das Reich jenseits des Meeres"

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Für ihren Roman "Sasja und das Reich jenseits des Meeres" wird die schwedische Schriftstellerin Frida Nilsson mit dem Luchs-Kinderbuchpreis 2019 ausgezeichnet. Sie erzählt darin die Geschichte des Jungen Sasja, der den Tod überlisten und seine Mutter aus dem Totenreich zurückholen will.

Sasjas Mutter ist krank und wird bald sterben. Und seit er das weiß, nennt er sie nicht mehr Mama, sondern Semilla, vielleicht weil er glaubt, dass ihr Tod ihm dann weniger wehtun wird. Als sie immer schwächer wird, will Sasja von ihr wissen, wie das ist, wenn man tot ist und ob Semilla bereit für den Abschied ist. Sie erzählt ihm von einem Reich jenseits des Meeres, einem prächtigen Schiff, das die Toten abholt, und fragt ihn, ob er glaubt, dass man den Tod überlisten kann. Und das verspricht ihr der kleine Junge daraufhin.

Kein leichtes Thema für ein Kinderbuch

Das Thema Tod in einem Kinderbuch zu behandeln, ist keine leichte Aufgabe. Frida Nilsson erzählt Sasjas Geschichte als märchenhaftes Abenteuer, das zwar traurig beginnt, aber auch oft lustig ist.

Eines  Nachts ist Semilla verschwunden. Sasja sieht noch wie ein großes Schiff aufs Meer hinaus fährt und nimmt in einem kleinen Ruderboot die Verfolgung auf. Er landet im Reich jenseits des Meeres, in dem drei Völker leben: die Hildiner, die aussehen wie Schweine, die Spartaner, die Sasjas Hund sehr ähnlich sehen und die Harpyren, die an den Seeadler erinnern, den Sajsa zu Hause oft am Strand beobachtet hat. Jedes dieser Völker hat sein eigenes Land im Reich des Todes und alle drei konkurrieren um die Gunst des Todes, dem sie dabei helfen, die Verstorbenen bis in seine Villa ganz im Norden des Reiches zu bringen.

Der Tod isst gern Kuchen

Frida Nilsson beschreibt den Tod als gutaussehenden, charmanten Mann, der Morgenrock trägt und gern Kuchen isst. Er ist aber auch selbstverliebt und ab und zu grausam, dann schimmert die Lust am Töten bei ihm durch. Seine drei Völker lieben ihn, weil er sie unsterblich gemacht hat. Denn wenn er mit den Toten in seiner Villa ankommt, öffnet er die menschliche Hülle und holt denjenigen heraus, der man im tiefsten Inneren schon immer war. Und das ist entweder ein Hildiner, ein Spartaner oder ein Harpyr. Für Sasja geht die größte Gefahr von ihnen aus, denn sie wollen unbedingt verhindern, dass er den Tod findet. Mit Hilfe von drei Kindern – eines aus jedem Volk – schafft er es aber doch, obwohl ihm die Armeen der Hildiner, Spartaner und Harpyren die ganze Zeit auf der Spur sind.

Parallelen zu Astrid Lindgren

Frida Nilsson gehört zu den erfolgreichsten Kinderbuchautorinnen Schwedens und wird oft mit der berühmten schwedischen Schriftstellerin Astrid Lindgren verglichen, die mit den Brüdern Löwenherz auch ein Kinderbuch über den Tod geschrieben hat. Tatsächlich haben beide Autorinnen einen ähnlichen Blick auf Kinder und auf das, was in der Kindheit wichtig ist.

Genau wie Astrid Lindgrens berühmteste Heldin Pippi Langstrumpf sind auch Sasja und seine Freunde den Erwachsenen eigentlich immer überlegen und wissen viel besser, was richtig und was falsch ist. Und beiden Autorinnen ist das Spielen sehr wichtig. In den Pippi-Langstrumpf-Büchern oder denen über die Kinder aus Bullerbü tauchen die Kinder richtiggehend in ihre Spielwelten ab.

Und in diesem Buch ermutigt der Tod die Kinder zu spielen und sagt ihnen, "die Zeit, in der Kinder Kinder sind, vergeht wie im Flug. Nur ein kleiner Augenblick und doch treiben ihre Eltern sie zur Eile an. Und im Grunde hören die Menschen nie auf sich zu beeilen. Aber wenn ich dann komme, dann gibt es viele, die es bereuen und sich wünschen, sie hätten sich an den kleinen Dingen erfreut, statt den großen hinterherzujagen. Doch dann ist es zu spät."

Keine Angst vor dem Tod

Ob es für Sasja und seine Mutter auch zu spät ist, erfahren die Leser*innen erst nach fast 500 Seiten. Aber es lohnt sich und macht großen Spaß, die zu lesen, denn das Buch ist nicht nur spannend, sondern hat auch viele lustige und skurrile Szenen. Selbst wenn schlimme Dinge passieren, ist es nie richtig düster, denn Frida Nilsson schreibt sehr witzig und sehr klug. Und – was ich sehr wichtig finde – sie macht ihren Leser*innen keine Angst vor dem Tod.

Sarah Hartl, rbbKultur

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