J.K. Rowling: Jacks wundersame Reise mit dem Weihnachtsschwein © Carlsen Verlag
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Kinderbuch | ab 8 Jahren - J.K. Rowling: "Jacks wundersame Reise mit dem Weihnachtsschwein"

Bewertung:

Die "Harry Potter"-Erfinderin J.K. Rowling hat ein neues Kinderbuch geschrieben. "Jacks wundersame Reise mit dem Weihnachtsschwein" führt in das "Land der Verlorenen", in dem der kleine Jack nach seinem heiß geliebten, verlorenen Kuscheltier sucht.

Die Rahmenhandlung, die J.K. Rowling im ersten Kapitel im Schnelldurchlauf erzählt, ist noch ganz unmagisch: Es geht um den sechsjährigen Jack und seinen allerbesten Freund: ein Stoffschwein namens Swein.

Es sieht schon ein bisschen schäbig aus, sein Fell ist ausgeblichen, die Original-Augen ausgefallen und von Jacks Mutter durch kleine Knöpfe ersetzt. Aber Jack liebt das Swein und erzählt ihm all seine Sorgen: Dass seine Eltern sich trennen, er nach dem Umzug mit seiner Mutter an der neuen Schule niemanden kennt und dass Holly, die Tochter des neuen Mannes seiner Mutter furchtbar eifersüchtig ist. Immer wieder gibt es Streit mit ihr und kurz vor Weihnachten eskaliert der während einer Autofahrt so sehr, dass sie sich Jacks Kuschelschwein packt und während der Fahrt auf der Autobahn aus dem Fenster wirft.

Das "Land der Verlorenen"

Jack ist todtraurig. Holly kauft ihm ein Ersatzschwein, weil sie so ein schlechtes Gewissen hat, aber von dem will Jack nichts wissen. Er will nur sein altes Schwein zurück. Und die Chance dazu ergibt sich in der Nacht vor Weihnachten. Jack wird nachts von Stimmen geweckt und stellt fest, dass all seine Dinge plötzlich reden können. Sie erzählen ihm vom "Land der Verlorenen", in das alle Dinge kommen, die man verliert.

Es ist ein seltsamer und schrecklicher Ort, mit ganz eigenen, merkwürdigen Gesetzen, in dem "Der Verlierer" herrscht. Seinetwegen fallen einem Dinge aus der Tasche, obwohl sie eigentlich sicher darin verstaut waren. Er trübt die Erinnerungen der Menschen, damit sie vergessen, wo sie etwas hingelegt haben. Am liebsten würde der Verlierer auch noch das letzte Ding, das den Menschen gehört, in sein Reich hinuntersaugen. Er hasst die Lebenden und er hasst ihre Dinge. Deshalb quält er sie und frisst sie auf. Das darf mit Swein auf keinen Fall passieren. Und so bricht er zusammen mit dem neuen Schwein - dem titelgebenden Weihnachtsschwein - auf, um das alte zu retten.

Kritik an der Wegwerfgesellschaft

Während J.K. Rowling im vergangenen Jahr vor allem Schlagzeilen gemacht hat, weil ihr wegen Äußerungen über das biologische Geschlecht Transfeindlichkeit vorgeworfen und zum Boykott ihres neuen Krimis aufgerufen wurde, trübt das ihren Erfolg als Kinderbuchautorin nicht. Genau wie frühere Kinderbücher landete auch dieses auf Anhieb auf der Bestsellerliste gelandet.

Das hat zum einen mit ihren Figuren zu tun hat, mit denen man sich identifizieren und in deren Sorgen man sich reinversetzen kann. Wie schlimm es ist, wenn ein geliebtes Stofftier verloren geht, kann jedes Kind sofort nachvollziehen. Und die meisten Erwachsenen wahrscheinlich auch. Und zum anderen mit den fantastischen Welten, die sie in ihren Büchern schafft und die sie mit sehr viel Liebe zum Detail beschreibt. Das macht sie hier zwar nicht im gleichen Umfang wie bei "Harry Potter", aber auch in diesem Buch taucht man beim Lesen in eine neue Welt ein und merkt dabei gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht. Jack begegnet bei seiner Suche nicht nur verlorenen Gegenständen, sondern auch schlechten Angewohnheiten, die jemand abgelegt hat, Fingernägelkauen zum Beispiel oder Nasebohren.

Das sind die witzigen Stellen im Buch. Es gibt aber auch tiefgründigere, denn natürlich versteckt J.K. Rowling auch immer Botschaften in ihren Büchern. In diesem steckt die Kritik an der Konsumgesellschaft, in der viele Dinge gar nicht vermisst werden, wenn man sie verliert, weil man sie wahrscheinlich gar nicht gebraucht hätte.

Alles in allem hat das Buch die richtige Mischung aus Witz, Spannung und Tiefgang. Eine klare Empfehlung!

Sarah Hartl, rbbKultur