Morton Rhue: Die Welle; Montage: rbbKultur
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Ab 14 Jahren - Morton Rhue: "Die Welle"

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Der Jugendbuchklassiker "Die Welle" von Todd Strasser alias Morton Rhue steht seit Jahrzehnten auf dem Lehrplan und ist immer wieder Vorlage für Filme, Serien und Theaterstücke wie jetzt im Berliner Grips Theater. In dem Roman von 1984 geht es um einen High-School-Lehrer, der seinen Schülern anhand eines Experiments die Entstehung des Nationalsozialismus begreiflich machen will.

Morton Rhues Roman geht auf ein Experiment zurück, das tatsächlich stattgefunden hat. Als der amerikanische Geschichtslehrer Ron Jones 1967 das Thema Nationalsozialismus durchnimmt, will er seinen Schülern damit zeigen, wie leicht Massen sich von einem charismatischen Führer verführen lassen.

Unkonventionelle Unterrichtsmethoden

Im Roman heißt dieser Lehrer Ben Ross. Seine Unterrichtsmethoden sind unkonventionell für die 60er Jahre. Er diskutiert viel mit seinen Schülern und benutzt oft Experimente, um den Geschichtsunterricht anschaulicher zu machen. In diesem Fall will er seinen Schülern zeigen, wie faszinierend Disziplin sein kann. Er lässt sie aufrecht sitzen, die Hände auf dem Rücken. Auf Fragen sollen sie kurz und präzise antworten und dabei jede Antwort mit "Mr. Ross" beginnen. Das funktioniert erstaunlich gut. Plötzlich machen alle im Unterricht mit, sogar der bisherige Außenseiter Robert.

Schüler bespitzeln sich gegenseitig

Mr. Ross schwört die Klasse auf die Leitsätze "Macht durch Disziplin" und "Macht durch Gemeinschaft" ein. Er gibt der Gemeinschaft den Namen "Die Welle" und führt einen Gruß ein. Schließlich teilt er Mitgliedsausweise aus, bei denen ein paar Schüler ein X auf der Rückseite haben. Diese Schüler, zu denen auch der frühere Außenseiter Robert gehört, sollen ihrem Lehrer Regelverstöße melden.

Nur die Schülerin Laurie hat Zweifel. Morton Rhue erzählt die Geschichte abwechselnd aus ihrer Perspektive und aus der des Lehrers. Sie ist beliebt, gut in der Schule und mit dem Star der Football-Mannschaft zusammen. Zuerst ist auch sie fasziniert vom neuen Unterrichtsstil, aber sie merkt schnell, dass ihr Lehrer sie manipuliert und dass sich ihre Freunde völlig verändern. Der Roman beschreibt an ihrem Beispiel sehr eindringlich, wie schnell sich die Gruppendynamik ändert und jemand, der immer dazu gehört hat, plötzlich ausgegrenzt wird.

Figur des Außenseiters Robert kommt im Roman zu kurz

Eine andere Figur kommt im Roman zu kurz kommt, obwohl sie ein reales Vorbild hatte: Der frühere Außenseiter Robert gehört durch "Die Welle" zum ersten Mal dazu. Er verinnerlicht die Grundsätze der Bewegung so sehr, dass er seinem Lehrer irgendwann überall hin folgt und sich wie sein Bodyguard aufführt.

Über Robert hätte ich gerne noch mehr erfahren. Zum Beispiel warum er sich so von Drill und Disziplin begeistern lässt. Empfehlenswert ist der Roman aber auch so. Er zeigt, wie schnell es passieren kann, dass sich eine Gemeinschaft gegen alle wendet, die nicht Teil dieser Gemeinschaft sind oder sein wollen. Im Roman werden Schüler, die keine Mitglieder werden wollen, von den anderen massiv unter Druck gesetzt. Das geht so weit, dass ein jüdischer Schüler zusammengeschlagen wird, weil er sich weigert, Teil "Der Welle" zu werden.

Experiment gerät außer Kontrolle

Genauso wie seine Schüler lässt sich auch Mr. Ross von "Der Welle" verführen, obwohl er als einziger weiß, dass das Ganze ein Experiment ist. Er genießt die Bewunderung durch die Schüler und die Macht, die ihm das verleiht, so sehr, dass er das Experiment weiterlaufen lässt, obwohl es außer Kontrolle gerät. Erst Laurie und seine Frau können ihn davon überzeugen, dass er zu weit gegangen ist. Er bricht das Experiment daraufhin ab und damit endet der Roman ziemlich abrupt.

In meiner Ausgabe gibt es aber noch einen Auszug aus einem Interview mit Ron Jones, dem echten Lehrer, ohne das mich der Roman ziemlich ratlos zurückgelassen hätte. Darin erzählt er, wie es nach dem Experiment weitergegangen ist und wie er das Experiment mit seinen Schülern aufgearbeitet hat. Auch mit Robert, der im Buch am Ende der einzige Verlierer ist. Das war er im wahren Leben zum Glück nicht.

Sarah Hartl, rbbKultur

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