Saša Stanišić & Katja Spitzer: "Hey, hey, hey, Taxi!"; Montage: rbbKultur
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Kinderbuch | ab 4 Jahren - Saša Stanišić und Katja Spitzer: "Hey, hey, hey, Taxi!"

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Saša Stanišić hat sein erstes Kinderbuch geschrieben. Der Autor, der 2019 für seinen Roman "Herkunft" mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde, hat für "Hey, hey, hey, Taxi!" die Taxigeschichten aufgeschrieben, die er seinem kleinen Sohn fast täglich erzählt hat.

Als meine Kinder klein waren, gehörte die "Geschichte ohne Buch" für sie zum festen Einschlafritual. Taxis kamen darin nie vor, dafür oft Feuerwehr oder Rettungswagen, die mein großer Sohn zu dieser Zeit sehr mochte.

Saša Stanišić hat sich für Taxis entschieden, weil er oft auf Reisen war, als sein Sohn klein war. Und jede dieser Reisen hat damit begonnen, dass er in ein Taxi gestiegen ist, das ihn zum Bahnhof oder zum Flughafen gebracht hat - und am Ende der Reise hat ihn das Taxi wieder zurück nach Hause gebracht.

So beginnt auch jede der 28 Geschichten in seinem Buch mit dem gleichen Halbsatz: "Hey, hey, hey, ich steige in ein Taxi".

Und was für Geschichten das sind! Es sind tolle Geschichten, in denen das Taxi mal die Haupt-, mal auch nur die Nebenrolle spielt.

Quatsch, wie ihn Kinder lieben

In manchen passiert totaler Quatsch. Quatsch von der Art, wie ihn kleine Kinder lieben. Gleich in der ersten Geschichte steigt der Erzähler in ein Taxi und sitzt plötzlich auf dem Klo. Einem sehr bequemen Klo, aber weil er gerade nicht muss, steigt er wieder aus.

Es gibt skurrile Figuren, die heißen Fieberthermometer und Nudelsieb. Manche tauchen gleich in mehreren Geschichten auf. Der Taxifahrer Odlo Odlo zum Beispiel, der leider auch nichts anderes sagen kann als "odlo, odlo". Deswegen kommt der Erzähler auch nie da an, wo er hin will, wenn er mit ihm fährt. Oder eine Piratenbande, deren Schiff von einer Riesenwelle in die Elbe gespült wird, und die auch viel lieber auf der Elbe bleiben möchten, um in Ruhe Kaffee und Kuchen zu essen. Auf dem Meer, wo sie herkommen, wird ihnen vom vielen Wellenschaukeln nämlich immer schlecht. Und die für Piraten typische Schatzsuche ist ihnen viel zu gefährlich.

Geschichten verändern und weiterspinnen

Man kann die Geschichten aber auch ganz anders erzählen als er. Saša Stanišić fordert Eltern, Großeltern, Tanten oder wer auch immer die Geschichten vorliest, dazu auf, sie zu verändern, sie an die eigene Lebenswelt und die des Kindes anzupassen und weiterzuspinnen. Dazu regen auch die Illustrationen von Katja Spitzer an, die genauso fantasievoll und bunt und verrückt sind wie die Texte.

In seinem Buch sind viele witzige, aber auch ein paar nachdenkliche Geschichten dabei. Besonders schön ist die, in der eine kleine traurige Giraffe das Taxi fährt. Sie ist traurig, weil sie keinen langen Hals hat. Sie sieht auch mit dem kurzen Hals ganz toll aus, aber die anderen Giraffen mit den langen Hälsen können viel höher singen als sie und Giraffen singen doch so gerne, sagt sie dem Erzähler. Und dann singt sie los, mit ihrer tiefen Stimme.

Und Stanišić schreibt: "Mein lieber Herr Gesangsverein, hast du schon mal eine kurzhalsige Giraffe singen gehört? Ich bin hin und weg! Ihre Stimme ist tief und ihr Lied ist traurig, aber auch lustig. Sie singt davon wie das ist, anders zu sein als andere – manchmal fällt´s ihr schwer/ dann findet sie´s nicht fair, dann ist es wieder leicht/ ich zu sein, das reicht".

Ich glaube, da verstehen schon ganz kleine Kinder, dass die Giraffe so anders wie sie ist, genau richtig ist.

Am Ende geht es immer zurück zu dir

Manche Geschichten haben eine Botschaft, manche sind einfach ein großer, absurder Spaß - wie die vom sehr kleinen Riesen Riesling, der den Erzähler auf seinen Schultern dahin trägt, wo die Riesen wohnen. Da isst er mit ihnen Erbsensuppe mit Birkenrinde. Die Chance, mit Riesen zu speisen, kriegst du schließlich nur vier oder fünf Mal im Leben, maximal. Danach zaubert Riesling eine Posaune und ein Schlagzeug aus seinem Hut und spielt darauf so schön, dass die Riesen durch den Wald tanzen, die Birken sich im Rhythmus biegen und das Flüsschen mit dem Rauschen aufhört, um sowas Schönes nicht zu stören.

"Und weil es an der Geschichte nichts mehr gibt, was man ihr hinzufügen könnte, damit sie noch besser ausgeht", schreibt Saša Stanišić, "verlasse ich sie ganz schnell und mache mich auf den Weg nach Hause, auf den Weg zurück zu dir."

Mit diesem "Zurück zu dir" hört jede Geschichte auf. Das ist das Schönste an diesem Buch. Bei allem, was der Erzähler auf seinen Taxifahrten erlebt, ist immer eine Sehnsucht nach seinem Kind zu spüren und danach, ihm von den Abenteuern zu erzählen und zusammen mit ihm neue zu erleben.

Sarah Hartl, rbbKultur