Jens Balzer: High Energy © Rowohlt Berlin
Bild: Rowohlt Berlin

Empfehlungen der unabhängigen Jury - Sachbücher des Monats August 2021

Unsere zehn Sachbücher des Monats – dieses Mal an der Spitze ein Buch über "das pulsierende Jahrzehnt" der achtziger Jahre von Jens Balzer. Dahinter das umstrittene Buch von Sarah Wagenknecht, und auch eine erschreckende Klima-Utopie auf wissenschaftlicher Basis ist auf unserer Monats-Liste.

Unsere Lebensart – die in Ost und West – wird, beim Rückblick auf die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts, historisch, und sie wird deutlich getrübt beim Hinblick auf die – noch nicht erreichten, aber schattenhaft vor uns liegenden – fünfziger Jahre des gegenwärtigen 21. Jahrhunderts.

Diese Spanne umgreifen zwei Bücher unserer August-Liste: "High Energy", in dem der Journalist Jens Balzer die achtziger Jahre vorwiegend auf gesellschaftlicher Ebene als ein "pulsierendes Jahrzehnt" in den Blick nimmt. Und die Journalisten Nick Reimer und Toralf Staud zeichnen für "Deutschland 2000" eine bestürzende Klima-Utopie auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Die Zeitspanne begann mit der Angst vor der Apokalypse eines Atomkrieges und dem Gefühl einer Wende (die dann, 1989, tatsächlich auch kam). Und sie endet mit der Sorge, dass wir den Klimawandel nicht so in den Griff bekommen, wie er sich abzeichnet, und dass er uns unsere Lebenslust nimmt.

Aprikosen in Hamburg

All den Veränderungen und Errungenschaften im einzelnen: Musik, Pop, Emanzipation, Fall der Mauer etc. – steht die generelle Frage gegenüber, "ob es nicht eigentlich darum gehen müsste, die Gesellschaft im Ganzen zu verändern und das ihr zugrundeliegende Konzept der Identität an sich zu hinterfragen" (Balzer, S. 217).

Es wäre, das wird uns allmählich klar, die wichtigere Frage und Aufgabe gewesen – und das zeigt uns das Bild von einem Land, in dem in gar nicht einmal so langer Zeit "Aprikosen in Hamburg, öffentliche Kühlräume für Berlin" (Reimer/Staud) zu erwarten sind, und, allzu aktuell, "Sturzregen und Sturzfluten“ drohen. Vorschläge, wie man diese Zukunft abwenden kann, gibt es viele. Darüber nachzudenken, lohnt sich immer mehr.

Viel diskutiert und nun auch auf unserer Liste ist das Buch von Sarah Wagenknecht. Sie macht aus ihrer Sicht deutlich, was wir brauchen, wenn wir die Zukunft sinnvoll gestalten wollen: Gemeinsinn und Zusammenhalt. Über den Weg dorthin darf man streiten – und manche sind schon mitten drin im Streit.

Andreas Wang, Herausgeber der "Sachbücher des Monats" seit 1992

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