Adrien La Marca & Danae Dörken: Chanson Bohème © La Dolce Volta
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Album der Woche | 08.11. - 14.11.2021 - Adrien la Marca & Danae Dörken: "Chanson Bohème"

Mit der Livestream-Konzertreihe "Hope@Home" trotzte der Geiger Daniel Hope gemeinsam mit mitwirkenden Musikerinnen und Musikern dem kulturellen Lockdown in der Pandemie. Eben bei dieser Show, zuhause bei der Familie Hope, lernten sich der französische Bratscher Adrien La Marca und die deutsch-griechische Pianistin Danae Dörken kennen. Als sie dort das Lied "La Bohème" von Charles Aznavour zusammen spielten, sprang der Funke über. Sie beschlossen, gemeinsam ein Album aufzunehmen.

Das Album heißt, wie sollte es auch anders sein: "La Bohème". Das gleichnamige Lied von Aznavour besingt die große Zeit im Pariser Quartier Montmartre. Das Klischee vom erfüllten Künstlerleben: Man war verliebt, jung und verrückt. Man war arm, aber glücklich und frei. La Marca und Dörken spielen dieses Lied und die anderen 21 Lieder und Werke auf ihrem Album ohne Worte, nur auf der Bratsche und dem Klavier.

Danae Dörken; Foto: Gregor Baron
Bild: Gregor Baron

Musik als Ausdrucksmittel von Gefühlen

Die Emotionen, die Gefühle, um die es ihnen jeweils geht, können sie trotzdem zum Ausdruck bringen, davon ist Danae Dörken, die Pianistin, überzeugt. Gerade die Bratsche sei ein geeignetes Instrument, um auf ihm zu "singen", denn die Viola sei der menschlichen Stimme in ihrer Klangfarbe recht ähnlich.

"Immer, wenn wir La Bohème von Aznavour spielen, sage ich Adrien, wie passend ich es finde, wenn dieses Chanson auf der Bratsche erklingt", so Doerken.

Und La Marca ergänzt, dass ein Chanson ohne Worte an den Kern des Musikerberufs rühre: "nämlich Gefühle in Musik zu übersetzen." Zudem gebe es in der instrumentalen Version mehr Raum für Interpretation und Gestaltung. Auch beim Hören könne sich jede und jeder eine eigene Geschichte zusammenbasteln und auf diese Weise auf eine "persönliche Reise" gehen.

Unter dem Himmel von Paris und Walzer-Glück

Die Reise auf dem Album beginnt unter dem Himmel von Paris: "Sous le ciel de Paris". Juliette Gréco, Edith Piaf und viele andere haben dieses Chanson seit den 50er Jahren gesungen.

Dann folgen auf der CD einer der Liebesliederwalzer von Johannes Brahms und die "Valse sentimentale" von Peter Tschaikowski. Zwar lasse ein Walzer nicht unmittelbar an Bohème denken, erklärt Adrien La Marca. Aber das Glück, das man bei dieser Musik empfinden könne, passe durchaus zu dem Lebensgefühl der Bohème.

"Sich einfach gehen lassen und wohlfühlen. Das erlebt man auch beim Walzer-Tanzen. Da ist man mit sich selbst in vollkommener Harmonie", glaubt der Bratschist.

Musik als Oase in schweren Zeiten

Das Musiker-Duo ist zuversichtlich: So lange es den Tanz, die Musik, die Kunst gebe, habe man auch in schweren Zeiten, wie beispielsweise der Pandemie, eine "Oase des Glücks".

Für Adrien La Marca sind die "Albumblätter" für Viola und Klavier von Hans Sitt, einem heute fast vergessenen Komponisten der Spätromantik aus Prag, eine solche Oase und einer der Höhepunkte der CD. Es sind sechs kleine Sätze, jeder mit einem eigenen Charakter.

"Eine sehr tiefgründige Musik“, schwärmt La Marca. "Besonders der langsame Satz, das Lento, berührt mich ungemein.“

Ein roter Faden im bunten Programm

Lieder der französischen Komponisten Francis Poulenc, Erik Satie und Jules Massenet sind genauso auf dem Album vertreten wie Astor Piazzollas Tango "Oblivion". Auch Filmmusik ist mit dabei. Bei alledem bleibt für die Pianistin Danae Dörken doch ein roter Faden, nämlich der "Bohème-Gedanke":

"Dass man sich besinnt auf die Kunst, besinnt auf die Musik und sich in gewisser Weise löst von allem anderen.“

So wie die Künstler im Chanson "La Bohème" von Aznavour beschrieben werden: Sie haben nichts, aber sie haben die Kunst. Deshalb fühlen sie sich frei.

Ein Trost in der Pandemie

So ist das Album ein gefühlvoller Anker in einer unsicheren Zeit wie jetzt in der Pandemie. Eine musikalische Reise, die Empfindungen weckt und Sehnsucht schürt – und mitnimmt durch Genres und Länder, in den Traum von einem freien Vagabundenleben: La Bohème.

Antje Bonhage, rbbKultur