Albrecht Mayer: Mozart © Deutsche Grammophon
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Album der Woche | 12.04. - 18.04.2021 - Albrecht Mayer: "Mozart"

Albrecht Mayer, blass geschminkt und im roten Rokoko-Kostüm – so präsentiert sich der Solooboist der Berliner Philharmoniker auf seinem neuen Album. Und das passt, denn nichts anderes ist darauf zu hören: Mozart.

Konzertarien, ein Chorwerk, ein Rondo für Violine und Orchester, das Konzert für Flöte, Harfe und Orchester – all das hat Mozart nicht für die Oboe geschrieben. Und doch klingt es ganz natürlich, wenn Albrecht Mayer das jetzt auf seinem Instrument spielt. Seit Jahren führt er eine Liste im Kopf, mit Werken, die dafür passen konnten – nun hat er sie aufgenommen.

Arien und Chorsätze, auf der Oboe gesungen

Dabei geht er behutsam vor. Die Konzertarie "Non temer, amato bene" hatte er vor vielen Jahren im Konzert mit der Sängerin Cecilia Bartoli begleitet – und weil ihn gerade ihre ausdrucksstarke Mezzosopranstimme damals so beeindruckt hat, spielt er die Arie jetzt nicht auf der Oboe, sondern auf der Oboe d’amore, die dieser etwas tieferen Stimmlage entspricht. Und auch Mozarts bekannte Motette "Exultate jubilate" jubelt er in Mezzosopranlage.

Auf der Oboe Arien zu singen, ist für Albrecht Mayer etwas ganz Natürliches – er selbst hat eine ausgebildete Tenorstimme, und da er bereits als Kind in Bamberg im Knabenchor gesungen hat, liegt es für ihn auch nahe, sich ein Chorstück für sein Instrument anzueignen: Ave verum corpus. Man glaubt es kaum, doch es klingt, als sei es dafür gedacht – für das Englischhorn, mit Streicher- und Orgelbegleitung. Mit an Bord seines Mozart-Albums hat sich Mayer die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen geholt und den Pianisten Vital Julian Frey, der hier auf Cembalo, Hammerklavier und Orgelpositiv begleitet.

Statt Flöte und Harfe Oboe und Cembalo – warum nicht?

Mozart selbst wäre wahrscheinlich gar nicht böse gewesen, sein Konzert für Flöte, Harfe und Orchester jetzt in dieser Version für Oboe, Cembalo und Orchester zu hören – es war ein Auftragswerk für einen Vater und seine Tochter, die beide offenbar nicht allzu talentiert Flöte und Harfe gespielt haben, obendrein soll Mozart die Flöte nicht besonders gemocht haben. Möglicherweise ist die Bearbeitung auf diesem neuen Album sogar die schönere. Das Rondo in C-Dur für Violine und Orchester ließ sich aufgrund der Lage relativ leicht für Oboe bearbeiten – Musik, die heitere Gelassenheit und ausgesprochen gute Laune versprüht.

Mozart-Neuland ist auch dabei

Das Highlight auf Albrecht Mayers Mozart-Album ist eine Rarität, die in dieser Form zum ersten Mal zu hören ist: Das Fragment eines Werks für Oboe und Orchester, das vielleicht ein Oboenkonzert hätte werden können. Warum auch immer, Mozart hat die Arbeit daran abgebrochen – nur 61 Takte davon liegen vor. Zusammen mit dem Schweizer Komponisten Gotthard Odermatt hat Albrecht Mayer anderthalb Jahre lang daran gearbeitet, das Stück in Mozarts Sinn zu Ende zu führen. Das Ergebnis ist bestechend schön, ein Allegro in F-Dur – nun immerhin elfeinhalb Minuten lang.

Manchmal wird Albrecht Mayer gefragt, ob er sich mit all den Bearbeitungen für sein Instrument nicht der musikalischen Kleptomanie schuldig machen würde. Die Antwort von ihm kommt von Herzen: "Schuldig, im Sinne der Anklage!" - wie gut, dass er das Klauen nicht lassen sein kann.

Anja Herzog, rbbKultur