Boulanger Trio: Wanderlust © Berlin Classics
Berlin Classics
Bild: Berlin Classics

Album der Woche | 07.03. - 13.03.2022 - Boulanger Trio: "Wanderlust"

Das neue Album des Boulanger Trios passt zum Frühling: "Wanderlust". Das Booklet verspricht vor allem Musik der Romantik - von Edvard Grieg, von Manuel de Falla und Brahms, dessen "Ungarische Tänze" auch auftauchen, dazu das Dumka-Trio von Antonín Dvořák und "Irische Melodien", die Frank Martin in einem Trio verarbeitet hat.

Die Pianistin des Trios, Karla Haltenwanger, hat verraten, wohin die Reise geht, denn auch sie zeigt sich auf dem Cover des Albums mit Geigerin Birgit Erz und Cellistin Ilona Kindt in Urlaubslaune mit gepackten Koffern. Reisefertig. Und jeder Blick sagt: kommt mit!

Boulanger Trio © Steven Haberland
Bild: Steven Haberland

Start in Norwegen

Das kleine, lyrische Klavierstück "An den Frühling" eröffnet das Album.

"Wir wollten, dass man sich mit diesem Grieg auf diese Wanderung einlässt. Und auch diese Frühlingsluft auf sich wirken lässt, um dann den Kopf frei zu haben, sich auf diese verschiedenen Färbungen und Kulturen einzulassen."

Bearbeitet wurde das fast zu bekannte Stück von Jarkko Riihimäk. Und zwar so überzeugend, dass man das Gefühl hat, er habe dem schwarz-weißen Notenpapier Leben eingehaucht. Nie schöner gehört!

Wärmere Gefilde

Warm wird’s in Spanien. Hier ist Musik von Manuel de Falla im Gepäck, einige der "Canciones populares españolas". Musik, die melancholisch und mitreißend mit spanischen Rhythmen spielt. Auch hier schwärmen die Musikerinnen vom Bearbeiter, der den Inhalt der Texte ganz ohne Gesang mit hineinformulierte.

Schlichte Melodien

Danach schwenken die Drei zum sogenannten "Dumky-Trio" von Antonín Dvořák. Ein Werk, das das Trio schon sehr lange im Repertoire hat. Endlich nun auf einem Album, so Karla Haltenwanger. Es ist ein Werk des reifen Dvořáks.

"In dem Jahr, als er das geschrieben hat, erhielt er die Ehrendoktorwürde in Prag und Cambridge. Und danach macht er sich an sein viertes Klaviertrio und wird gar nicht pathetisch, wird gar nicht größenwahnsinnig, sondern nimmt Miniaturen, diese sehr schönen und melancholisch-elegischen, volkstümlichen Melodien im Stile der Dumka-Gesänge."

Diese stammen aus dem ukrainischen Raum und waren Lieder, die ursprünglich von einem Lauteninstrument begleitet wurden, von großen Heldentaten und Liebesabenteuern erzählten. Dazwischen setzt der Komponist furiose Tänze.

Der Spaß, den die Musikerinnen mit dieser Musik haben, reißt auch die Zuhörer:innen mit.

Boulanger Trio © Steven Haberland
Bild: Steven Haberland

Martins Wegweiser Richtung Irland

Diesem Werk steht Musik von Frank Martin gegenüber, so wie die Musikerinnen es oft in Konzertprogrammen gespielt haben. Karla Haltenwanger erscheint es so, als ob sich die Werke über die Jahre hinweg "unterhalten hätten". Es ist das "Trio sur des mélodies populaires irlandaises" von 1925.

Irische Pfade scheinen sich durch eine karg-mysteriöse Musiklandschaft zu schlängeln. Gerade mit dem ersten Satz wickeln die Musikerinnen ihr Publikum um den Finger.

Das Werk schrieb der Schweizer Frank Martin für einen amerikanischen Musikbegeisterten, der mit einem Potpourri von eingängigen Liedern gerechnet hatte. Martin suchte in Bibliotheken nach solchen und wählte akribisch 14 davon aus.

"Das Verrückte und das Tolle ist, dass er sie aber nicht einzeln hat spielen lassen, sondern alle gleichzeitig. Und das ergibt natürlich ein polyphones und ein polyrhythmisches, sehr komplexes Klangbild, was wiederum den Amerikaner eher nicht so begeisterte und er dann auch sagte, dass er für dieses Werk nicht zahlen würde. Frank Martin antwortete aber sehr großzügig und sagte: Ja, die Arbeit und die Recherche an diesem Trio hätte ihm so viel Freude gemacht, dass sie schon Honorar genug sei."

Rast bei Brahms

Auf der Suche nach weiteren Zielen auf ihrer Wanderung stand das Trio schnell vor den Noten von Johannes Brahms, den "Ungarischen Tänzen" - eigentlich für Klavier zu vier Händen komponiert. Karla Haltenwanger hat diese oft mit Anderen gespielt, nie mit ihrem Trio.

Boulanger Trio © Steven Haberland
Bild: Steven Haberland

"Und dann dachten wir: Ach, es wäre doch schön, wenn wir das auch mal zusammenspielen würden. Dann haben wir festgestellt es gibt gar keine schöne Bearbeitung dafür, es gibt eher Salon-Bearbeitungen, die in einer bequemen Mittellage stattfinden. Diese fangen den ursprünglichen Gedanken von Brahms nicht so wirklich ein. Und deshalb haben wir auch ein paar von den 'Ungarischen Tänzen' für Klaviertrio bearbeitet."

Ein Wanderweg – tausend Eindrücke

Die Reisedauer beträgt leider nur knapp 80 Minuten. Macht aber dann doch nichts. Denn wer nach kurzer Pause die Wege der drei Musikerinnen von vorn mitverfolgt, wird immer wieder etwas Neues finden. Denn sie spielen so detailreich, so plastisch, dass man immer wieder gern mit ihnen durch diese 3D-Musikwelt wandert.

Cornelia de Reese, rbbKultur