Céline Moinet: Lumière © Berlin Classics
Berlin Classics
Bild: Berlin Classics

Album der Woche | 11.04. - 17.04.2022 - Céline Moinet: "Lumière"

Céline Moinet ist seit 2008 Solo-Oboistin der Staatskapelle Dresden und Professorin für ihr Instrument. Die Französin hat schon viele CDs aufgenommen, ihr neues Album widmet sie der Musik ihrer Heimat. "Lumiére" - "Licht" - ist unser Album der Woche.

Es ist ein dunkles Cover, das ein geheimnisvoll beleuchtetes Porträt von Céline Moinet zeigt. Darauf steht ausgerechnet "Lumière" - "Licht".

Céline Moinet, Oboistin © Sandra Ludewig
Bild: Sandra Ludewig

Französisch durch und durch

"Wir haben unser Album so genannt, da die Werke, die wir aufgenommen haben, mich sehr an das Licht in Südfrankreich erinnert haben. Ich hatte immer die besonderen Düfte und Farben im sonnigen Südfrankreich in Gedanken", so Céline Moinet. "Ich denke, dass in der Musik von Francis Poulenc oder von Camillie Saint-Saëns sehr viel Glück, sehr viel Licht zu hören ist. Und wir wollten diese Farben verkörpern.“

Ein sinnlicher Ansatz, der sich auch gleich mit dem ersten Ton erfüllt. Und verfängt.

Céline Moinets Oboenton ist ganz auf französische Leichtigkeit fokussiert. Keine schwere Romantik, sondern ein Schillern und Strahlen, Leichtigkeit. So kann die Oboe also Licht beschreiben.

Eingespieltes Team

Mit dabei: ihr langjähriger Klavierpartner Florian Uhlig. Zwischen den beiden herrscht blinde Übereinstimmung, die man hört. Nicht umsonst haben sie seit Jahren gemeinsam CDs aufgenommen und Touren weltweit unternommen. Musikalische Präzision und großes Einvernehmen, besondert schön in Francis Poulencs Oboensonate zu hören. Es ist ein Spätwerk des Komponisten in drei Sätzen aus dem Jahr 1962.

"Diese sind so poetisch, es gibt darin so viel Sonne. Es ist traumhaft zu spielen. Der dritte Satz ist mit 'Deploration' - eine Art liturgischer Gesang - überschrieben. Poulenc war sehr religiös, katholisch. Und diese Musik hat sehr viel Tiefe.“

Licht bei Ravel

Ebenso auf dem Album zu hören: eine Bearbeitung von Maurice Ravels Zyklus "Le Tombeau de Couperin". Vordergründig erinnert es an den Barockmeister Couperin, doch Ravel verarbeitete darin Erinnerungen an Freunde, die nach dem Ersten Weltkrieg nicht von der Front zurückkehrten. Ravel komponierte es zuerst für Klavier solo. Danach schuf er eine Orchestervariante, in der die Oboe oft eine solistische Rolle übernimmt.

Die Bearbeitung, die nun auf dieser CD zu hören ist, liegt genau dazwischen: Oboensolo mit Klavierbearbeitung. Zauberhaft umgesetzt.

Céline Moinet, Oboistin © Sandra Ludewig
Bild: Sandra Ludewig

Die große Schwester

Dann wechselt Céline Moinet ihr Instrument: Sie greift zur großen Oboen-Schwester, zum Englischhorn, für die Rhapsodie von Claude Debussy. Eigentlich ein Werk für Saxophon und Orchester.

"Claude Debussy hat zwar wunderschöne Soli für Oboe in seine Symphonische Werke komponiert - leider hat er in der Kammermusik nicht an uns gedacht. Diese Rhapsodie ist ein Versuch, ein Werk für Englischhorn und Klavier von Debussy in unser Repertoire aufzunehmen. Da der Klang vom Saxofon sehr dem des Englischhorns ähnelt, ist das einen Versuch wert.“

Absolut gelungen. Auch hier wieder: viel französisches Licht!

Zu dritt

Für das Trio von Francis Poulenc kommt eine weitere Musikerin hinzu: Sophie Dervaux, Solofagottistin der Wiener Philharmoniker. Céline und sie sind gute Freundinnen.

"Weil wir sehr ähnlich sind. Wir spielen beide ihn sehr traditionsreichen Orchestern, wo Frauen noch nicht so stark repräsentiert sind und auch gerade, wenn man Französin ist, ist das noch eine Besonderheit. Wir haben vieles gemeinsam erlebt auf der Bühne, und es war für uns selbstverständlich, dass wir irgendwann auch dieses Repertoire zusammen aufnehmen. Mit ihr bin ich immer sehr gerne auf der Bühne. Und auch Backstage haben wir immer einen Riesenspaß."

Auch hier perfektes Zusammenspiel und Zug in der Musik. Als ob das Licht dieses Mal durch einen Diamanten glitzern würde.

"Lumiére" - "Licht" - darf also als geheimnisvolles Versprechen auf dem dunklen Cover gelten. Hörbar wird es dann in unzähligen Klangspektren. Céline Moinet und ihren Freunden ist ein exzellentes, geschmackvolles Album gelungen.

Cornelia de Reese, rbbKultur