Christiane Karg: Licht der Welt - A Christmas Promenade © harmonia mundi
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Album der Woche | 20.12. - 26.12.2021 - Christiane Karg: "Licht der Welt. A Christmas Promenade"

Ein Weihnachtsalbum fernab der beliebten Hits wie "O Tannenbaum", "Oh du fröhliche" oder "Stille Nacht" hat pünktlich zum "großen Fest" die Sopranistin Christiane Karg herausgebracht - eine der profiliertesten deutschen Sängerinnen, die vor allem als feinsinnige und ausdrucksstarke Lied-Interpretin gefeiert wird.

Christiane Karg, Sopranistin © Gisela Schenker
Bild: Gisela Schenker

Für ihr neues Album hat sie 24 weitgehend unbekannte Weihnachtslieder ausgewählt. Eine bunte, stimmungsvolle Mischung, die Christiane Karg, begleitet vom Pianisten Gerold Huber und teilweise auch vom Chor des Bayerischen Rundfunks, zu einem persönlichen musikalischen Adventskalender gestaltet.

Peter Cornelius

Die Idee, ein Weihnachtsalbum aufzunehmen, hat Christiane Karg schon lange mit sich herumtragen. Ganz oben auf ihrer Wunschliste standen ursprünglich Lieder von Peter Cornelius, die sie durch ihren Gesangslehrer kennengelernt hat und unbedingt auf CD einsingen wollte. Ein ganzes Cornelius-Album sollte dabei herauskommen. Als vor einem Jahr die Corona-Pandemie ausbrach und die Sängerin wegen der monatelangen Schließung von Konzert- und Opernhäusern zu Hause bleiben musste, nahm sie ihr CD-Vorhaben in Angriff:

"Da dachte ich, jetzt wäre der richtige Zeitpunkt für eine Aufnahme."

Bei der Suche nach geeigneten Liedern für ihr neues Album wurde Christiane Karg schnell fündig:

"Ich habe so viel Repertoire gefunden, dass aus dem geplanten Cornelius-Album nur drei Stücke geblieben sind, die ich eingespielt habe. Ich wollte auch mehr Humperdinck-Lieder aufnehmen, aber dann sind mir plötzlich Weihnachtslieder von Massenet, Saint-Saens, Richard Strauss zugeflogen.“

Raritäten

So entstand eine bunte Mischung, gespickt mit unterschiedlichen Klangfarben - deutscher, französischer, finnischer, norwegischer, italienischer und katalanischer Prägung. Viele hierzulande unbekannte Lieder sind auf diesem "weihnachtlichen Spaziergang" durch das "Licht der Welt" zu entdecken.

"Nicht nur der 'nicht so versierte Hörer' in Kunstlied kennt diese Stücke nicht. Es kennen auch die 'versierten Hörer' nicht."

Eine besondere Rarität auf diesem Album ist das Lied "Weihnachtsgefühl" von Richard Strauss, das Christiane Karg und der Pianist Gerold Huber mit berückender Intimität vortragen.

"Ein ganz tolles Lied. Und irgendwie trifft es auch die Stimmung der CD. Es geht um die Kindheit, um die unglaublichen Erinnerungen, die man an Weihnachten hat - und diese Nostalgie, die da überall mitschwingt, aber auch das Wissen, dass diese Zeit irgendwie vorbei ist.“

Weihnachtlicher Zauber

"Natürlich kommt es mit den Kindern wieder. Und ich bin jetzt ganz glückliche Mama von zwei Kindern. Mein Sohn ist zweieinhalb und meine Tochter ist 4 Monate. Und da erlebt man doch einiges nochmal ganz neu. Und das hat mir nochmal die letzte Lust gegeben, dass ich mich wirklich dransetze und dieses Album mache.“

Gerold Huber, Pianist © Marion Köll
Bild: Marion Köll

In enger und - wie die Sängerin betont - äußerst produktiver Zusammenarbeit mit dem Pianisten Gerold Huber:

"Er liefert mir das Vorspiel, er gibt mir die Harmonien, er ist mein Partner und absolut gleichberechtigt. Wir haben natürlich mehr Stücke ausgewählt. Und so sind wirklich ganz zufälligerweise aus eigentlich 25 Stücken, die wir ausgewählt haben und aufgenommen haben, 24 geworden. Und das passt jetzt wie die Faust aufs Auge. Jeder Adventstag bekommt also ein Lied.“

Bei manchen Liedern dieses kunstvoll gestalteten Adventskalenders wirkt der Chor des Bayerischen Rundfunks mit, geleitet von dessen Chef Howard Arman, der auch die Chor-Arrangements erstellt hat.

Lieblingsstück

Welches der 24 Lieder ihres weihnachtlichen Albums empfindet die Sopranistin Christiane Karg als besonders anregend und schön?

"Schönstes Lied kann ich nicht sagen, weil in dem Moment, wo ein Lied auf die CD geschafft hat, ist es schon ganz oben auf der Skala. Was für mich eine totale Entdeckung war, und das bestärkt nur, dass ich diesen Komponisten unglaublich liebe, ist Maurice Ravel. Da gibt es ein Lied, das heißt 'Noel de jouets' – 'Weihnachten der Spielsachen'. Den Text finde ich witzig - ein ganz anderes, unglaubliches Weihnachtslied."

Marek Kalina, rbbKultur