Cuarteto SolTango: Misión Tango © CAvi
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Album der Woche | 10.05. - 16.05.2021 - Cuarteto SolTango: "Misión Tango"

Klavier, Geige, Cello und Bandoneon. Das sind die Instrumente, mit denen das Cuarteto SolTango den Geist des argentinischen Tangos heraufbeschwört. Die 40er, 50er und 60er Jahre spielen dabei eine Rolle und ein bisschen auch das Heute. Denn die Musik, die man auf "Misión Tango" hört, ist nur bedingt "traditionell". Mit einem Bein im Nachtclub, mit dem anderen auf dem Konzertpodium, macht das Cuarteto SolTango "Tango-Kammermusik", die mitreißt.

Nicht Astor Piazzolla, sondern die Tango-Idole vor ihm sind auf diesem Album zu hören. Die sogenannte "goldene Ära" des Tangos, die auch für Piazzolla prägend war und stilistisch wie lebensweltlich Maßstäbe gesetzt hat. Martin Klett, Pianist und Arrangeur des Ensembles, liebt die Musik dieser Zeit seit seiner Jugend:

"Das sind natürlich oft diese alten Aufnahmen, wo es so ganz kratzig klingt, von den alten Schallplatten, aber das sind so großartige Stücke und großartige Musiker, die das gespielt haben. Und dann hab‘ ich beschlossen, so ein Ensemble will ich haben, das diese Musik spielt."

Dichtes Kondensat aus Tangoliebe

2008 hat Martin Klett das Cuarteto SolTango gegründet, das heute aus ihm selbst, dem Geiger Thomas Reif, dem Cellisten Karel Bredenhorst und dem Bandoneonisten Alexander Rokseth besteht. Die vier atmen wie ein Klangkörper. Trotzdem darf jedes Mitglied auf seine eigene Weise glänzen. So entwickeln SolTango über die Dauer von 21 Stücken einen stimmungsvollen Crashkurs der Geschichte des Tango Clásico.

"Die Musik aus den 40er Jahren, die ist, also, sehr abgerundet, es hat sich irgendwie so eine bestimmte Grundstilistik gefunden in dieser Zeit, aus der sich dann ganz verschiedene Richtungen entwickelt hatten. Und das ging dann immer weiter auseinander so in den 50er und 60er Jahren, die Stile wurden immer wilder," sagt Martin Klett.

Cuarteto Soltango; © Andrej Grilc
Bild: Andrej Grilc

Musikantisch musikalisch

Ein musikantischer Zugang auf der einen, sowie ein kammermusikalischer Anspruch auf der anderen Seite, machen den Charme des Albums aus. Außerdem eine tiefe Kenntnis des Repertoires, das in Martin Kletts Arrangements leichtfüßig wirkt und, um ein etwas abgegriffenes Wort zu bemühen, authentisch. Man merkt den vier Musikern ihre ehrliche Begeisterung an, aber auch die Jahre der klassischen Schule, solo, in Orchestern und in anderen Formationen. Martin Klett:

"Es ist vor allem diese Idee und dieser Wunsch, dass die Musik, die halt im klassischen Sektor noch gar nicht so bekannt ist, dass wir die auf klassische Bühnen bringen … und beides zu bedienen: den Kammermusikhörer, den Tangohörer und den Tangotänzer oder die Tangotänzerin, das ist unsere Mission."

Die "Misión Tango"

Diese Mission glückt deshalb, weil das Quartett seine Stücke wie Lieder behandelt. Hervorgehoben wird in allem das lyrische, gesangliche Element, das keine pseudoerotischen Klischees transportiert, sondern Geschichten erzählt. "Man muss das Leben tanzen" hat Nietzsche gesagt. Dieses Album tut genau das.

Fanny Tanck, rbbKultur