Dora Pejačević: Piano Music; Ekaterina Litvintseva © Piano Classics
Piano Classics
Bild: Piano Classics

Album der Woche | 18.10. - 24.10.2021 - Dora Pejačević: "Piano Music"

Unser Album der Woche macht uns bekannt mit einer Komponistin, die vor allem kleine Stücke, Miniaturen, für das Klavier hinterlassen hat: Dora Pejačević. Sie hat in Zagreb und Dresden gelebt. Stilistisch hat sie sich zwischen dem Romantiker Schumann und dem Jugendstil bewegt. Ihre Kleinodien haben die russische Pianistin Ekaterina Litvintseva nicht mehr losgelassen. Nun hat sie diese Miniaturen eingespielt.

Ekaterina Litvintseva stammt aus Sibirien - dort, wo das ewige Eis herrscht in den unendlichen Landschaften und mit einer besonderen Luft. Diese Bilder tauchen bei ihr auf, wenn sie die beiden Nocturnes von Dora Pejačević spielt. Das passt, denn naturverbundene Gedichte schrieb die Komponisten extra dazu. Sie handeln von klaren Mondnächten und von Momenten des Innehaltens.

Junge Frau mit eigenem Lebenskonzept

Dora Pejačević stammt aus einer Familie des slawonisch-ungarischen Hochadels um 1900. Doch bevor die Bilder einer elegant gelangweilten Frau aufkommen, die dann eben auch mal Musik macht, hakt die Pianistin ein. Dora Pejačević fiel aus dem Rahmen, so die Pianistin Ekaterina Litvintseva:

"Sie hat in ihren Briefen an ihrer Freundin geschrieben, dass sie nicht versteht, wie man ohne Arbeit eigentlich leben kann. Deswegen konnte sie Aristokraten ihres Kreises nicht verstehen, die nur so Kartenspiele spielten und sonst nichts machten."

Dora Pejačević reiste viel, war eine hochgebildete Leserin, die ihre Bücher im Original las - in Kroatisch, Englisch, Deutsch, Ungarisch, Französisch und Italienisch. Sie korrespondierte europaweit, zum Beispiel mit Rainer Maria Rilke.

Der Romantik innig verbunden

Sie war ausgebildete Pianistin und hat in Zagreb auch Komposition studiert. Ihre Musik stand zunächst ganz dem Einfluss von Robert Schumann, der ebenso viele Miniaturen komponierte. So zum Beispiel in den sechs Fantasiestücken von Dora Pejačević. Jedes greift eine Spiellaune für einen Moment auf, immer mit ganz eigenem Charakter. Mal frech, mal grüblerischer.

Ein besonders schöner Zyklus - und auch das Lieblingswerk Ekaterina Litvintsevas - ist "Das Blumenleben". Hier sind acht kleine Nummern zusammengefasst, wobei jedes Stück den Namen einer Blume trägt.

"Der ganze Zyklus ist eine Metapher von der Geburt bis zum Tod. Es fängt beim April mit den Schneeglöckchen an und endet dann mit dem Oktober und den Chrysanthemen." Für die Pianistin ein "genialer Zyklus".

Kriegsspuren

Das ist Musik noch ganz ohne Schrammen. Doch 1914 beginnt der Krieg, der Spuren hinterlässt bei Dora Pejačević. Im Ersten Weltkrieg wohnt sie in einem Schloss. Doch sie hilft im Hospital, das dort eingerichtet wurde. Diese Zeit hinterlässt auch in ihrer Musik Spuren:

"Besonders in den Stücken, die sie dann während des Ersten Weltkriegs geschrieben hat, hört man ganz diesen Schmerz ganz gut. Ich spreche jetzt zum Beispiel von der zweiten Sonate", so die Pianistin. Und weiter: "Was mich fasziniert: mit 37 Jahren ist sie gestorben - und doch konnte sie in dieser kurzen Zeit ihren Stil stark weiterentwickeln. Von den romantischen Klängen und später zu den modernen."

Auf der Suche nach den Noten

Als erste kroatische Komponistin wurde sie auch in Dresden und München hoch gefeiert. Ihre Werke wurden zunehmend aufgeführt. Leider starb sie unmittelbar nach der Geburt ihres Sohnes. Sepsis. Die Medizin konnte damals noch nicht helfen.

Ihre Werke hat vor allem ihr Sohn gehütet und auch verlegen lassen. Trotzdem war es nur über Umwege möglich, an die Werke heranzukommen. "Die Noten habe ich sehr lange gesucht. Aber dann habe ich sie in einer Bibliothek in Zagreb gefunden - und sie haben alle drei Bände für mich extra gedruckt und nach Deutschland geschickt."

Schöner Anschlag, feine Artikulation

Die Liebe zu dieser Musik hört man der Pianistin Ekaterina Litvintseva an. Äußerst geschmackvoll folgt sie den romantischen Intentionen der Musik. Nicht zu viel der Verträumtheit, immer auch eine Klarheit, die an ihre Heimat erinnert - an die schneeweißen Weiten der sibirischen Landschaft.

Cornelia de Reese, rbbKultur